Glasfaser-Krise: Banken drohen Milliardenverluste bei deutschen Netzausbauprojekten
UBS, KfW und österreichische Kommunalkredit besonders betroffen – Kredite über 26,7 Milliarden Euro im Risiko

Die Krise der deutschen Glasfaserindustrie schlägt nun mit voller Wucht auf die finanzierenden Banken durch. Nach Angaben des Branchendienstes Infralogic stehen Kredite im Gesamtvolumen von 26,7 Milliarden Euro auf dem Spiel. Aktuell müssen Darlehen über zwei Milliarden Euro refinanziert werden, weil die Unternehmen ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können.
Die UBS sucht derzeit nach Käufern für ihren abgeschriebenen Anteil an der Northern Fiber Holding (NFH). Die eingegangenen Gebote erreichen jedoch nur etwa ein Drittel der ausstehenden Kreditsumme. Noch dramatischer ist die Situation bei DNS:Net: Der britische Investor 3i Infrastructure hat seine Beteiligung an dem Berliner Glasfaseranbieter komplett auf einen symbolischen Euro abgeschrieben. Auch die Deutsche Glasfaser kämpft seit Monaten um eine tragfähige Finanzierung.
Wertberichtigungen bei den Kreditinstituten sind damit nur noch eine Frage der Zeit. Besonders exponiert sind deutsche Landesbanken sowie zwei Institute mit erheblichen Engagements im deutschen Glasfasermarkt.
Kommunalkredit Austria mit massivem Exposure
Die österreichische Kommunalkredit Austria hat sich besonders stark im deutschen Glasfasersektor engagiert. Nach Infralogic-Daten finanziert die Bank zwölf Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 800 Millionen Euro – ohne Berücksichtigung von Refinanzierungen. Damit übersteigt ihr Engagement sogar das regulatorische Eigenkapital der Bank. Zu den finanzierten Projekten gehören neben NFH und Deutsche Giganetz auch Goetel in Hessen und Metrofibre im Ruhrgebiet.
Die Kommunalkredit weist die genannten Zahlen zurück: "Die Zahlen stellen weder unser Gesamtexposure noch unser Nettorisiko zutreffend dar." Konkrete eigene Zahlen nennt das Institut allerdings nicht. Auch zu möglichen Wertberichtigungen schweigt die Bank unter Verweis auf das Bankgeheimnis.
KfW Ipex-Bank mit 1,3 Milliarden Euro investiert
Die Ipex-Bank, Tochter der staatlichen Förderbank KfW, hat nach eigenen Angaben Ende 2025 insgesamt 1,3 Milliarden Euro in 15 Glasfaserprojekte investiert. Darunter befindet sich auch die krisengeschüttelte Deutsche Glasfaser. Das Engagement entspricht etwa einem Drittel des Eigenkapitals der Bank. Eine Sprecherin relativiert jedoch: "Aufgrund verschiedener Maßnahmen ist das Engagement der Bank allerdings wesentlich geringer." Zu konkreten Wertberichtigungen wollte sich die KfW-Tochter nicht äußern.
Die Situation verschärft sich durch die kleinteilige Struktur des deutschen Glasfasermarktes. Eine Studie des Infrastrukturinstituts WIK identifiziert fast 200 separate Glasfasernetze in Deutschland. Diese Fragmentierung verhindert Skaleneffekte und macht die Betreiber anfällig für Finanzierungsprobleme. Das WIK schlägt Kooperationen zwischen den Betreibern als Lösungsansatz vor – ob dies den Markt noch stabilisieren kann, bleibt jedoch fraglich.
Breitbandziele in Gefahr
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Zur AktienanalyseDie Krise gefährdet nicht nur die Investitionen der Banken, sondern auch die Breitbandziele der Bundesregierung. Trotz großzügiger Förderprogramme ist unklar, wie die verbleibenden weißen Flecken in Deutschland noch erschlossen werden sollen. Die Kapitalknappheit in der Branche und die Zurückhaltung von Risikokapitalgebern erschweren Übernahmen angeschlagener Netzbetreiber.
Die Deutsche Telekom, die als einziges Unternehmen derzeit über ausreichend Liquidität für größere Zukäufe verfügen würde, ist kartellrechtlich stark eingeschränkt. Wenn Fondsmanager ihre Investments auf einen Euro abschreiben, kümmert sich in der Regel niemand mehr um die Projekte. Bei Insolvenzen drohen besonders teilweise verlegte Netze zu verwaisen – mit potenziell teuren Folgen für die Steuerzahler.
Gerade bei Netzen, die bereits durch Straßen verlegt, aber noch nicht an Häuser angeschlossen wurden, besteht die Gefahr, dass ihre genaue Lage nicht dokumentiert wird. Ein späterer Neuausbau würde dann möglicherweise erneut mit Steuergeldern finanziert – besonders bitter in Fällen, in denen bereits das verwaiste Netz mit Fördermitteln errichtet wurde.


