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Glänzende Berichtssaison am US-Markt – warum das warnt

Starkes Gewinnwachstum klingt gut – doch historische Daten zeigen: Rekordmargen sind nicht immer ein bullisches Signal.

Glänzende Berichtssaison am US-Markt – warum das warnt

Die laufende US-Berichtssaison entwickelt sich zur stärksten seit Jahren. Mehr als 70 Prozent der großen amerikanischen Unternehmen haben ihre Quartalsergebnisse bereits vorgelegt – und die Zahlen sind beeindruckend. Der Gewinn pro Aktie im S&P 500 dürfte nach Abschluss der Saison um rund 19 Prozent gestiegen sein. Das ist fast das Doppelte des durchschnittlichen Wachstumstempos des vergangenen Jahrzehnts.

Auch bei den Margen setzt die US-Wirtschaft Maßstäbe: Laut dem Datenanbieter FactSet waren die Nettogewinnmargen der S&P-500-Unternehmen seit 15 Jahren nicht mehr so hoch. Unter den sogenannten „Magnificent Seven" – den sieben größten US-Technologiekonzernen – enttäuschte in dieser Woche lediglich Meta die Anleger. Apple steht mit seiner Zahlenvorlage noch aus.

Wenn gute Nachrichten schlechte Vorzeichen sind

Doch genau diese Stärke gibt manchen Marktbeobachtern zu denken. Die Frage, warum Anleger und Medien die Berichtssaison so enthusiastisch feiern, ist berechtigt – und die Antwort ist komplexer als sie scheint. Gewinne sind zwar langfristig der entscheidende Treiber für Aktienrenditen. Fondsmanager führen in Interviews regelmäßig starkes Gewinnwachstum als Argument an, um Aktienkäufe auch bei hohen Bewertungen zu rechtfertigen.

Doch die Geschichte lehrt Vorsicht. Ein Blick auf die vom Yale-Ökonomen Robert Shiller zusammengestellten Monatsdaten des vergangenen Jahrhunderts zeigt ein ernüchterndes Muster: Schnelles Gewinnwachstum im Jahresvergleich ging großen Aktiengewinnen in den folgenden zwölf Monaten meist nur dann voraus, wenn es sich um Erholungsphasen nach schweren Rezessionen handelte. In anderen Marktphasen war der Zusammenhang deutlich schwächer.

Ölpreise und uneinheitliche Marktsignale

Abseits der Unternehmensgewinne sorgen auch die Rohstoffmärkte für Gesprächsstoff. Die Preise für Rohöl der Sorte Brent näherten sich zuletzt ihren Höchstständen aus der Zeit des Iran-Konflikts an. Die Futures-Märkte deuten auf eine uneinheitliche Eröffnung der US-Aktienmärkte hin.

Für deutsche Privatanleger, die stark in US-Aktien oder globale ETFs investiert sind, ist die aktuelle Situation besonders relevant. Ein S&P 500, der auf Rekordgewinnen und Rekordmargen notiert, bietet wenig Spielraum für weitere positive Überraschungen. Gleichzeitig steigen die geopolitischen Risiken durch den Ölpreisanstieg. Die Kombination aus hohen Bewertungen, starken – aber möglicherweise bereits eingepreisten – Gewinnen und externen Schocks mahnt zur Vorsicht.

Die laufende Berichtssaison liefert also auf den ersten Blick ein beruhigendes Bild. Wer jedoch tiefer schaut und die historischen Muster kennt, findet darin eher einen Anlass zur Zurückhaltung als zur Euphorie.

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