Gilead Sciences: Vier Markteinführungen 2026 könnten Anleger überzeugen
Trotz starker Zahlen und einer breiten Pipeline hinkt die GILD-Aktie dem S&P 500 hinterher – das könnte sich bald ändern.

Die Aktie von Gilead Sciences (GILD) legte in diesem Jahr bislang nur rund 9% zu und blieb damit deutlich hinter dem S&P 500 zurück. Dabei präsentiert sich das Pharmaunternehmen fundamental stark: Im ersten Quartal 2026 erzielte Gilead einen Umsatz von 7 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 4% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Viele Anleger nehmen Gilead nach wie vor primär als HIV-Spezialisten wahr, doch diese Sichtweise könnte sich als überholt erweisen.
Der Gewinn je Aktie (EPS) stieg im ersten Quartal um beeindruckende 54,8% auf 1,61 US-Dollar. Die HIV-Produkte Biktarvy und Descovy dominieren weiterhin ihre Marktsegmente und trieben den HIV-Umsatz im Jahresvergleich um 10% auf 5 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommt ein starkes Wachstum beim Brustkrebsmedikament Trodelvy, dessen Umsatz um 37% gegenüber dem Vorjahr zulegte. Diese verlässlichen Einnahmen sichern dem Unternehmen eine Bruttomarge von rund 79%.
Ein weiterer Stabilitätsfaktor: Laut Unternehmensangaben stehen für die wichtigsten Medikamente bis 2036 keine größeren Patentabläufe – sogenannte „Patent Cliffs" – an. Das bedeutet mindestens ein weiteres Jahrzehnt gesicherter Cashflows, die für Forschung und Entwicklung sowie für Dividendensteigerungen genutzt werden können.
Vier Produkteinführungen als Wachstumskatalysator
Der wohl wichtigste Grund, Gilead genauer unter die Lupe zu nehmen, ist der dichte Kalender an bevorstehenden Produkteinführungen im Jahr 2026. Bulevirtide erhielt am 22. Mai von der US-Arzneimittelbehörde FDA die beschleunigte Zulassung als erste Behandlung für Erwachsene mit chronischer Hepatitis-Delta-Virus-Infektion (HDV) ohne schwere Leberzirrhose. Dies erschließt Gilead ein völlig neues Therapiegebiet.
Am 29. April gewährte die FDA ein vorrangiges Prüfverfahren (Priority Review) für die einmal täglich einzunehmende Tablettenkombination Bictegravir + Lenacapavir (BIC/LEN) zur Behandlung von Erwachsenen mit supprimiertem HIV. Der PDUFA-Termin – also der Stichtag für die FDA-Entscheidung – wurde auf den 27. August festgesetzt, eine Markteinführung wird kurz darauf erwartet.
Durch die Übernahme von Arcellx gewinnt Gilead zudem Zugang zur Multiple-Myelom-Therapie Anito-cel, einer BCMA-CAR-T-Therapie. Deren PDUFA-Termin ist für Dezember 2026 geplant. Darüber hinaus erhielt Trodelvy am 24. Juni eine erweiterte FDA-Zulassung für die Erstlinienbehandlung von metastasiertem dreifach-negativem Brustkrebs (mTNBC) – einer besonders schwer behandelbaren Krebsform.
Ergänzt wird das Portfolio durch Yeztugo, ein zweimal jährlich zu injizierendes Medikament zur HIV-Prävention, das nach starker klinischer Performance bereits in mehreren Märkten eingeführt wurde. Gilead erwartet für 2026 einen Umsatz von 1 Milliarde US-Dollar allein mit diesem Produkt.
Attraktive Bewertung und verlässliche Dividende
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseNeben dem Wachstumspotenzial überzeugt Gilead auch bei der Bewertung. Die Aktie wird derzeit mit dem rund 15-fachen des erwarteten Gewinns gehandelt – deutlich unter dem eigenen Fünfjahresdurchschnitt. Für einkommensorientierte Anleger bietet das Unternehmen zusätzlich eine Dividendenrendite von 2,39% zum aktuellen Kurs.
Gilead hat seine Dividende in elf aufeinanderfolgenden Jahren erhöht, zuletzt um 3,7% in diesem Jahr. Diese Kombination aus Wachstumsperspektive, solider Bilanz und regelmäßigen Ausschüttungen macht die Aktie für ein breites Anlegerspektrum interessant.
Das Unternehmen hat zuletzt auch durch Übernahmen investiert – neben Arcellx auch Ouro Medicines und Tubulis – und damit seine Pipeline insbesondere in den Bereichen Onkologie und Entzündungstherapien ausgebaut. Die Integration dieser Zukäufe wird Zeit in Anspruch nehmen, doch das strategische Ziel ist klar: Gilead will die Abhängigkeit vom HIV-Franchise schrittweise reduzieren und sich als breit aufgestelltes Pharmaunternehmen neu positionieren.


