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Geopolitischer Realitätscheck: Wall Street gibt nach, Öl steigt

Schwindende Hoffnungen auf einen Iran-Friedensdeal belasten die Märkte – der Nasdaq verzeichnet seinen schlechtesten Tag seit einem Monat.

Geopolitischer Realitätscheck: Wall Street gibt nach, Öl steigt

Die Wall Street hat am Donnerstag nachgegeben, während die Ölpreise anzogen. Der Nasdaq fiel um 0,9 Prozent und verzeichnete damit seinen stärksten Rückgang seit einem Monat. Auslöser war das Scheitern von Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran, das den zuletzt aufgekommenen Optimismus rund um die US-Berichtssaison und den Technologiesektor dämpfte.

Sechs der elf Sektoren im S&P 500 schlossen im Minus, fünf im Plus. Besonders hart traf es den Technologiesektor, der 1,5 Prozent verlor. Versorger hingegen legten um starke 2,8 Prozent zu. Auf Einzeltitelebene gab es deutliche Ausreißer in beide Richtungen: Texas Instruments schoss um 19 Prozent nach oben, während ServiceNow um 18 Prozent und IBM um 8 Prozent einbrachen. Tesla verlor 3,6 Prozent. Nach Börsenschluss sorgten Intel mit einem Plus von 16 Prozent und AMD mit einem Anstieg von 5 Prozent für positive Überraschungen.

Privatmärkte unter Druck: Thoma Bravo und der Fall Medallia

Für Aufsehen sorgte ein Reuters-Exklusivbericht über die Private-Equity-Gesellschaft Thoma Bravo, die kurz vor einer Übergabe des Softwareunternehmens Medallia an seine Kreditgeber steht. Für Thoma Bravo und seine Co-Investoren bedeutet dies eine Eigenkapitalabschreibung in Höhe von 5,1 Milliarden US-Dollar. Hauptkreditgeber von Medallia sind die Private-Credit-Schwergewichte Blackstone, KKR und Apollo – deren Aktien am Donnerstag allesamt hinter dem Gesamtmarkt zurückblieben.

Blackstone-CEO Stephen Schwarzman verteidigte das Segment Private Credit zwar vehement, doch die Aktie des Unternehmens fiel um 5,7 Prozent – der schlechteste Tag seit zwei Monaten. Der Vorfall beleuchtet erneut die Risiken der wenig transparenten Privatmärkte, die in Zeiten geopolitischer Unsicherheit besonders anfällig erscheinen.

IPO-Welle der Superlative: SpaceX, OpenAI und Anthropic

Gleichzeitig wächst die Spannung vor einer historischen Börsengangwelle. SpaceX wird für Juni erwartet, OpenAI und Anthropic sollen kurz darauf folgen. Laut Schätzungen von LPL Financial könnten die kombinierten Börsengänge einen Wert von 3 Billionen US-Dollar erreichen – was sie zur größten IPO-Welle der Geschichte machen würde. Bemerkenswert dabei: Alle drei Unternehmen sollen Berichten zufolge derzeit keine Gewinne erwirtschaften. Anleger setzen damit vollständig auf künftiges Wachstum.

Der Appetit auf wachstumsstarke Technologien ist trotz geopolitischer Risiken spürbar. Da der Iran-Krieg bald in seinen dritten Monat geht und der globale Energieschock weiter anhält, ist die Widerstandsfähigkeit der US-Aktienmärkte bemerkenswert. Traditionelle sichere Häfen wie Staatsanleihen, Gold und der japanische Yen sind seit Kriegsbeginn allesamt gefallen, der Dollar hat kaum zugelegt. Bitcoin stieg zwar um 18 Prozent, hatte jedoch in den fünf Monaten vor Kriegsbeginn 50 Prozent verloren.

Devisen, Anleihen und Rohstoffe im Überblick

An den Devisenmärkten legte der US-Dollar den dritten Tag in Folge zu. Die indische Rupie steuert auf ihre schlechteste Woche seit 2022 zu. Der brasilianische Real verlor 1 Prozent – sein größter Tagesrückgang seit einem Monat – und fiel wieder unter die Marke von 5,00 US-Dollar. Perus Sol gab ebenfalls nach.

Am Anleihemarkt fielen US-Staatsanleihen, die Renditen stiegen am kurzen Ende um 4 Basispunkte. Die Zinskurve flachte sich den vierten Tag in Folge ab. Die Auktion fünfjähriger inflationsgeschützter Staatsanleihen (TIPS) verlief reibungslos. Bei den Rohstoffen stieg Öl um 4 Prozent und legte damit den vierten Tag in Folge zu, während Gold auf ein Wochentief rutschte.

In Asien zeigte sich ein gemischtes Bild: Während die meisten Indizes im Minus schlossen, war der südkoreanische KOSPI eine große Ausnahme und erreichte ein neues Hoch. Europäische Börsen präsentierten sich ebenfalls uneinheitlich. Als mögliche Kurstreiber für den nächsten Handelstag gelten Entwicklungen im Nahen Osten, japanische Unternehmensergebnisse, der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex für April sowie US-Quartalszahlen unter anderem von Procter & Gamble.

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