Geopolitik erschüttert globale Fondsmärkte – Energie als einziger Gewinner
Nahost-Konflikt und steigende Ölpreise belasten Aktienmärkte weltweit. Der MSCI ACWI verlor im März 5,32 Prozent.

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben die globalen Finanzmärkte im März 2026 deutlich belastet. Nach einer Eskalation der Spannungen zwischen den USA und dem Iran brach Ende Februar ein Krieg aus, der unmittelbare Folgen für Öl- und Gaspreise, Inflationserwartungen und Anleiherenditen hatte. Die Unsicherheit an den Märkten ist seitdem spürbar gestiegen.
Der MSCI ACWI Index, der die Wertentwicklung in 23 entwickelten Märkten und 24 Schwellenländern abbildet, verlor im März 5,32 Prozent. Besonders hart traf es asiatische Märkte. Lediglich der Energiesektor konnte sich dem negativen Trend entziehen und verzeichnete dank steigender Ölpreise positive Renditen. Unternehmen aus den Bereichen Grundstoffe und Industrie – die besonders energieintensiv arbeiten – erlitten hingegen die größten Verluste.
Neben den Kursrückgängen nahm auch die Marktvolatilität deutlich zu. Der VIX-Index, das wichtigste Maß für die Schwankungsintensität an den US-Aktienmärkten, stieg Anfang März stark an und blieb auf erhöhtem Niveau. Damit endete ein weitgehend positives Jahr für die globalen Märkte abrupt – trotz des anfänglichen Schocks durch die sogenannten „Liberation Day"-Zölle von US-Präsident Trump im April 2025 hatten die Märkte zuvor stetig zugelegt.
Inflation und Zinspolitik unter Druck
Ein zentrales Thema ist die Auswirkung des Konflikts auf die Inflation. Unterbrechungen in der Schifffahrt trieben die Öl- und Gaspreise in die Höhe, was die kurzfristigen Inflationserwartungen in mehreren Ländern sprunghaft ansteigen ließ. In den USA kletterten die kurzfristigen Inflationserwartungen nach Kriegsbeginn auf über 4 Prozent. Die längerfristige Prognose blieb mit etwas über 3 Prozent zwar relativ stabil, dennoch veränderte sich die Erwartungshaltung der Anleger hinsichtlich möglicher Zinssenkungen – sogar Zinserhöhungen rücken nun in den Bereich des Möglichen.
In Europa und Großbritannien, die stärker von importierter Energie abhängig sind, stiegen die Inflationssorgen ebenfalls. Eine britische Umfrage zu kurzfristigen Inflationserwartungen ergab einen starken Anstieg auf 5,4 Prozent, gegenüber 3,3 Prozent im Vormonat. Auch die langfristigen Erwartungen zogen in Großbritannien deutlich an – ein Unterschied zur Entwicklung in den USA. Die Bank of England entschied sich im März daher, die Zinssätze unverändert zu lassen. Die Europäische Zentralbank (EZB) tat bei ihrer jüngsten Sitzung dasselbe. Beide Notenbanken signalisierten jedoch, bei einer weiteren Verschärfung der Inflationslage handlungsbereit zu sein.
Vor dem aktuellen Schock hatten die globalen Märkte über weite Strecken des vergangenen Jahres eine positive Entwicklung gezeigt. Wachstumswerte (Growth) lagen dabei vor Substanzwerten (Value), da Technologieunternehmen im Zuge des Booms rund um Künstliche Intelligenz (KI) stark performten. Zudem erlebten kleinere Unternehmen nach mehreren Jahren relativer Underperformance eine Wiederbelebung.
Wealth Shortlist: Große Unterschiede zwischen den Fonds
Die globalen Aktienfonds auf der Wealth Shortlist von Hargreaves Lansdown erzielten in den vergangenen 12 Monaten sehr unterschiedliche Ergebnisse. Dies spiegelt die verschiedenen Anlageansätze und Schwerpunkte der Fondsmanager wider, die sich unter unterschiedlichen Marktbedingungen verschieden entwickeln.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDer beste globale Fonds auf der Wealth Shortlist im Zeitraum bis Ende März 2026 war der Artemis Global Income. Mit einer Rendite von 44,66 Prozent übertraf er sowohl die Benchmark als auch den Sektor-Durchschnitt (IA Global Equity Income), in dem der durchschnittliche Fonds 12,26 Prozent erzielte. Fondsmanager Jacob de Tusch-Lec verwaltet den Fonds seit 2010 und verfolgt einen antizyklischen (Contrarian) Anlageansatz. Laut Analyse war die Aktienauswahl der entscheidende Renditentreiber – insbesondere Investitionen in Banken und Industrieunternehmen entwickelten sich stark.
Das Schlusslicht auf der Wealth Shortlist bildete der Lazard Global Equity Franchise, der im selben Zeitraum um 13,27 Prozent fiel. Der Fonds setzt auf einen Value-Ansatz und investiert in Unternehmen mit starkem Wettbewerbsvorteil, vorhersehbaren Erträgen und robusten Bilanzen. Der größte Belastungsfaktor war die geringe Gewichtung von Technologieunternehmen – ein strukturelles Merkmal des Value-Stils, das sich angesichts der starken Performance des Technologiesektors als Gegenwind erwies. Zudem trugen die im Fonds enthaltenen Technologiewerte nicht alle positiv zur Performance bei.
Anleger sollten beachten, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse ist. Anlagen in Fonds sind nicht für jeden geeignet, und Investoren sollten stets prüfen, ob die Fondsziele mit den eigenen Anlagezielen übereinstimmen und auf eine ausreichende Diversifikation des Portfolios achten.


