Gebrauchte Elektroautos: Iran-Krieg und Benzinpreise treiben Preise
Hohe Benzinpreise und der Iran-Konflikt lassen die Nachfrage nach gebrauchten Elektrofahrzeugen in den USA sprunghaft steigen.

Der Krieg im Iran und steigende Benzinpreise sorgen in den USA für einen deutlichen Nachfrageschub bei gebrauchten Elektrofahrzeugen. Laut dem Marktforschungsunternehmen Cox Automotive sind die Großhandelspreise für gebrauchte Elektroautos im vergangenen Monat im Vergleich zum Juni 2025 um 12% gestiegen. Zum Vergleich: Fahrzeuge ohne Elektroantrieb verteuerten sich im gleichen Zeitraum lediglich um 1,7%.
Der Manheim Used Vehicle Value Index – ein Leitindex für Gebrauchtwagenpreise bei US-Großhandelsauktionen – zeigt, dass die Großhandelspreise für Elektrofahrzeuge in diesem Jahr jeden einzelnen Monat gestiegen sind. In der Summe ergibt sich daraus ein Anstieg der Durchschnittspreise um 11,5% auf rund 30.400 US-Dollar. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor fiel der Preisanstieg mit weniger als 1% auf durchschnittlich 19.125 US-Dollar deutlich moderater aus.
Einzelhandelspreise folgen dem Großhandel
Für Endverbraucher ist die Lage ähnlich angespannt. Der durchschnittliche Listenpreis für gebrauchte Elektrofahrzeuge lag im Mai laut Kelley Blue Book von Cox bei 37.083 US-Dollar. Da Einzelhandelspreise traditionell den Entwicklungen im Großhandel folgen, dürften Käufer auch im Einzelhandel mit weiteren Preissteigerungen rechnen müssen.
Trotz der höheren Preise zieht die Nachfrage kräftig an. Im Mai wurden 42.923 gebrauchte Elektrofahrzeuge an Endverbraucher verkauft – ein Plus von 5,5% gegenüber dem Vormonat und ein beeindruckendes Wachstum von 24,7% im Jahresvergleich. Der Marktanteil gebrauchter Elektrofahrzeuge hielt sich dabei bei 2,8%. Tesla-Modelle führten das Feld mit 15.353 verkauften Einheiten an, gefolgt von Fahrzeugen der Marken Hyundai, Chevrolet, Ford und BMW.
Jonathan Gregory, Senior Director bei Cox Automotive, erwartet, dass die Benzinpreise auch künftig eine entscheidende Rolle spielen werden. Er betonte, dass die Entwicklung der Kraftstoffpreise maßgeblich darüber entscheiden werde, ob die Fahrzeugkosten weiter steigen – zumal bis Ende des Jahres ein wachsendes Angebot an Leasingrückläufern auf den Markt kommen soll. Viele Automobilhersteller hatten vor drei Jahren ihren Absatz vollelektrischer Fahrzeuge über Leasingmodelle angekurbelt, was nun zu einem erhöhten Rücklauf führt.
Benzinpreise als Treiber – Iran-Konflikt verschärft die Lage
Der US-Automobilclub AAA meldet, dass der landesweite Durchschnitt der Benzinpreise im Vergleich zum Vorjahr um rund 21% auf 3,80 US-Dollar pro Gallone gestiegen ist. Obwohl die Preise von ihren jüngsten Höchstständen zurückgegangen sind, ließen die eskalierenden Kämpfe im Iran die Ölpreise am Mittwoch erneut sprunghaft ansteigen – was den Druck auf die Verbraucher weiter erhöht und die Attraktivität von Elektrofahrzeugen zusätzlich steigert.
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Zur AktienanalyseDie Entwicklung bei Gebrauchtwagen steht in einem deutlichen Kontrast zum Neuwagenmarkt. Viele Automobilhersteller meldeten im zweiten Quartal erhebliche Absatzrückgänge bei neuen Elektrofahrzeugen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Vergleichszeitraum des Vorjahres besonders stark war: Im zweiten Quartal 2025 war die Nachfrage nach neuen Elektroautos sprunghaft gestiegen, weil Käufer noch von staatlichen Kaufprämien von bis zu 7.500 US-Dollar profitieren wollten, bevor diese im September ausliefen. In jenem Monat erreichte der Elektroauto-Anteil an allen Fahrzeugverkäufen rund 10%, bevor er im weiteren Jahresverlauf wieder einbrach.
Für deutsche Anleger und Beobachter des Automobilmarkts ist die Entwicklung in den USA ein wichtiger Indikator: Sie zeigt, wie stark geopolitische Ereignisse und Energiepreise das Käuferverhalten beeinflussen – und welche Chancen sich daraus für den Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge ergeben können.


