Gazas Imker kämpfen nach Kriegsverwüstung um ihren Neuanfang
Zerstörte Felder, fehlende Ausrüstung und gesperrte Agrarflächen: Gazas Imker versuchen, ihre Lebensgrundlage nach zwei Jahren Krieg wiederaufzubauen.

Auf dem Dach eines kriegsbeschädigten Gebäudes in Gaza-Stadt hebt Imker Ibrahim al-Dabba vorsichtig einen Wabenrahmen an, während Bienen um ihn herum summen. „Bienen brauchen Bäume, wir züchten Bienen inmitten von Trümmern", sagt der 49-Jährige. Sein Bild steht stellvertretend für eine ganze Branche, die nach mehr als zwei Jahren Krieg ums Überleben kämpft.
Für die Imker im Gazastreifen geht es beim Wiederaufbau ihrer Lebensgrundlage um weit mehr als nur Honig. Bienen sind einer der wichtigsten Bestäuber der Natur – und in einem Gebiet, in dem Ackerland verwüstet und der Zugang zu Obstplantagen nahe der Grenze zu Israel abgeschnitten ist, steht ihre Zukunft auf dem Spiel.
Von 30.000 Bienenstöcken auf rund 700
Vor dem Krieg hielten die Imker im Gazastreifen laut dem Agraringenieur und Imker Rateb Sammour rund 30.000 Bienenstöcke. Die Honigproduktion war bereits vor einigen Jahren durch den Klimawandel, der die Blütezeiten beeinflusste, von etwa 400 Tonnen jährlich auf rund die Hälfte gesunken. Der Konflikt versetzte der Branche jedoch einen weitaus schwereren Schlag.
Sammour schätzt, dass heute noch etwa 700 Bienenstöcke übrig sind. Die verbliebenen Imker teilen ihre Völker, um die Bestände überhaupt zu sichern. Die Honigproduktion liegt Sammour zufolge bei nur noch 10 Prozent des Niveaus vor dem Krieg – ein dramatischer Einbruch, der die gesamte Landwirtschaft der Region zusätzlich belastet.
In weiten Teilen des Gazastreifens, wo ganze Stadtviertel in Trümmern liegen, retten die Imker, was sie können. Einige haben ihre Bienenstöcke auf Hausdächern aufgestellt, da landwirtschaftliche Flächen unzugänglich oder vollständig zerstört sind. Andere setzen Zuckerzusätze ein, um das Nahrungsangebot für ihre Bienen zu ergänzen, wo es kaum noch natürliches Futter gibt.
Gesperrte Felder und explodierende Kosten
Israel kontrollierte bis Ende April faktisch schätzungsweise 64 Prozent des Gazastreifens. Fast alle der rund zwei Millionen Einwohner des Gebiets konzentrieren sich auf einen schmalen Küstenstreifen unter der Kontrolle der Hamas, leben größtenteils in beschädigten Gebäuden oder provisorischen Unterkünften und sind mit katastrophalen humanitären Bedingungen konfrontiert.
Nach dem Waffenstillstand im vergangenen Oktober hoffte Dabba, zu einem Handwerk zurückzukehren, das über Generationen in seiner Familie weitergegeben wurde. Stattdessen fand er nahezu nichts mehr vor. „Wir konnten keine Bienen finden, keine Ausrüstung, keine Rahmen, wir konnten nichts finden, was uns den Wiedereinstieg in die Imkerei ermöglicht hätte", sagt er.
Hinzu kommt, dass landwirtschaftliche Gebiete für ihn weiterhin gesperrt sind. „Es ist uns sogar untersagt, landwirtschaftliche Gebiete zu betreten", erklärt Dabba – diese liegen innerhalb der gelben militärischen Demarkationslinie, die im Rahmen des Waffenstillstands festgelegt wurde. Der Neuanfang ist entsprechend kostspielig: Dabba gab an, 10.000 Schekel – umgerechnet rund 3.245 US-Dollar – für lediglich drei Bienenstöcke bezahlt zu haben, die Ausrüstung dabei noch nicht eingerechnet.
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Zur AktienanalyseZertrümmerte Kästen, mühsame Reparaturen
Im Flüchtlingslager Nuseirat im Zentrum des Gazastreifens verbringt der 32-jährige Imker Fahd al-Dahdouh seine Tage damit, zertrümmerte Bienenkästen zu reparieren, die aus zerstörten Landwirtschaftsgebieten geborgen wurden. „Ich habe diese Bienenstöcke gesammelt, wie Sie sehen können, ich habe sie hergebracht und zusammengebaut", sagt Dahdouh. „Ich habe die Deckel, die Kästen und sogar die Böden eingesammelt."
Das Schicksal der Imker im Gazastreifen verdeutlicht, wie tiefgreifend der Krieg die Landwirtschaft und die natürlichen Ökosysteme der Region beschädigt hat. Der Wiederaufbau einer Branche, die einst 30.000 Bienenstöcke und Hunderte Tonnen Honig hervorbrachte, wird Jahre – wenn nicht Jahrzehnte – in Anspruch nehmen.


