Gasspeicher bei 32,9% - Droht Deutschland die Energiekrise?
Füllstand sinkt dramatisch unter Vorjahresniveau. Experten streiten über Versorgungssicherheit und strategische Reserven.

Die deutschen Gasspeicher leeren sich in diesem Winter deutlich schneller als erwartet. Aktuell liegt der Füllstand bei nur noch 32,9 Prozent - ein alarmierender Rückgang gegenüber 56,4 Prozent Anfang Februar 2025. Ende Dezember waren die rund 40 deutschen Speicheranlagen noch zu 57 Prozent gefüllt.
Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, schlägt Alarm: "Wir zittern uns durch diesen Winter." Er wirft der Bundesregierung mangelhafte Vorsorge vor und fordert Wirtschaftsministerin Katherina Reiche zum öffentlichen Aufruf zum Gas-Sparen auf. Kellner war zuvor Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der Ampel-Regierung.
Ministerin gibt Entwarnung trotz niedriger Speicherstände
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche widerspricht der Kritik entschieden. "Wir monitoren die Lage täglich - Sorgen sind nicht angebracht", erklärte die CDU-Politikerin am Rande ihrer Saudi-Arabien-Reise. Sie verweist auf die bestehende LNG-Infrastruktur und die Möglichkeit, Flüssiggas aus dem Ausland zu beziehen. Deutschland werde gut durch den Winter kommen.
Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, teilt diese Einschätzung. Die Erdgasspeicher seien zwar wichtig, aber nicht mehr der allein entscheidende Indikator für die Versorgungssicherheit. Die LNG-Terminals an Nord- und Ostsee seien derzeit nicht ausgelastet: "Das heißt, hier gibt es Spielräume."
Debatte um strategische Gasreserve nach Öl-Vorbild
Gleichzeitig wirbt Müller für eine staatliche Gasreserve nach dem Vorbild der Ölreserven. Diese müssen im Notfall für mindestens 90 Tage reichen. Zwar solle die Verantwortung für die Gasversorgung grundsätzlich privatwirtschaftlich bleiben, "aber es kann eben externe Schocks geben." Solche Reserven würden allerdings zusätzliche Kosten verursachen.
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Zur AktienanalyseDas Wirtschaftsministerium hat bereits ein Gutachten zu verschiedenen Gasmarkt-Fragen in Auftrag gegeben. Eine Novellierung der aktuellen Gasspeicherstrategie ist möglich. Diese schreibt befristet bis Frühjahr 2027 vor, dass die deutschen Speicher zum 1. November zu 80 Prozent und zum 1. Februar zu 30 Prozent gefüllt sein müssen.
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte die Ampel-Regierung noch schärfere Füllstandsvorgaben eingeführt. Marktbeobachter führen die damals gestiegenen Gaspreise teilweise auf diese Regelung zurück. Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag auf "geeignete Instrumente" verständigt, um eine "versorgungssichere und kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher" zu gewährleisten.


