Gasspeicher auf 10-Jahres-Tief: Drohen jetzt steigende Energiepreise?
Deutsche Gasreserven fallen auf 24 Prozent - Experten warnen vor Preissprüngen im Frühjahr

Die deutschen Gasspeicher sind so leer wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Laut Bundesnetzagentur liegt der bundesweite Füllstand aktuell bei nur noch 24 Prozent. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren die Reserven zur gleichen Zeit noch um rund 20 Prozentpunkte höher gefüllt. Die anhaltende Kältewelle mit Frost und Minusgraden in weiten Teilen Deutschlands verstärkt den Gasverbrauch zusätzlich.
Doch die niedrigen Füllstände sind nicht allein auf den kalten Winter zurückzuführen. Bereits im vergangenen Sommer wurden die Speicher weniger stark aufgefüllt als in den Vorjahren. Deutschland startete damit mit vergleichsweise geringen Reserven in die aktuelle Heizsaison - ein strategischer Nachteil, der sich nun bemerkbar macht.
Märkte bleiben gelassen - vorerst
Trotz der angespannten Speichersituation zeigen sich die internationalen Energiemärkte überraschend ruhig. Am niederländischen Handelsplatz TTF, dem wichtigsten europäischen Referenzmarkt für Erdgas, notiert der Preis aktuell unter 31 Euro pro Megawattstunde - ein Fünf-Wochen-Tief. Die Händler sehen offenbar keinen Grund zur Panik.
Andreas Maulberger, Analyst bei Union Investment, bestätigt die gelassene Marktstimmung: "Für diesen Winter gibt es auf keinen Fall einen Grund zur Sorge." Seine Rechnung: In den vergangenen Jahren wurden vom jetzigen Zeitpunkt bis zum Ende der Heizperiode üblicherweise etwa zehn Prozent der Speicherkapazität verbraucht. Bei normalem Wetterverlauf würden die Bestände damit auf rund 15 Prozent sinken - ein akzeptabler Wert.
Diversifizierung stützt Versorgungssicherheit
Die Bundesnetzagentur betont, dass die Versorgung trotz der niedrigen Speicherstände stabil bleibe. Deutschland hat seine Gasversorgung seit der Energiekrise grundlegend umgebaut. Heute kommt das Gas hauptsächlich aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Zunehmend wichtig werden auch die neuen LNG-Terminals an Nord- und Ostsee, die die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten reduzieren.
Ein weiterer Faktor stabilisiert die Lage: das globale Überangebot an Flüssiggas. "Die Verfügbarkeit am LNG-Markt ist außergewöhnlich gut", erklärt Maulberger. Die schwächelnde Nachfrage aus Asien und die massiv ausgebauten Exportkapazitäten der USA sorgen für ausreichend Nachschub auf dem Weltmarkt.
Die eigentliche Herausforderung kommt im Frühjahr
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Zur AktienanalyseDoch Experten warnen: Die kritische Phase beginnt erst nach dem Winter. Im Frühjahr und Sommer müssen die ungewöhnlich leeren Speicher wieder aufgefüllt werden. Deutschland wird dafür große Mengen Gas am Weltmarkt einkaufen müssen - und das könnte die Preise in die Höhe treiben. Für Verbraucher und Industrie würde das steigende Energiekosten bedeuten.
In Berlin hat die Situation bereits eine politische Debatte ausgelöst. Im Wirtschaftsausschuss diskutieren Abgeordnete über den Aufbau einer strategischen Gasreserve. Ziel wäre es, Deutschland weniger abhängig von kurzfristigen Marktschwankungen und Wetterkapriolen zu machen. Eine solche Reserve könnte als Puffer dienen und die Versorgungssicherheit langfristig erhöhen.
Für Anleger bleibt die Entwicklung spannend: Energieversorger, Gasimporteure und Unternehmen mit hohem Energiebedarf könnten von steigenden Preisen unterschiedlich betroffen sein. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Märkte ihre Gelassenheit behalten können.


