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Gaspreise in Europa unter Druck

Frühjahr, milde Temperaturen und Industrieschwäche dämpfen die Nachfrage deutlich

Gaspreise in Europa unter Druck

Europas Erdgaspreise haben nach einem Höhenflug Anfang Februar zuletzt deutlich nachgegeben. Die Notierungen für das Referenzprodukt fielen um mehr als ein Viertel von ihrem bisherigen Jahreshöchststand. Grund dafür ist ein Nachlassen der Nachfrage nach Gas zur Stromerzeugung, das saisonal bedingt im Frühjahr üblich ist. Besonders ab Ende März sinkt der Bedarf an Heizenergie, während gleichzeitig die Stromproduktion aus Wind- und Solaranlagen ihr jährliches Maximum erreicht. Dieser sogenannte „Spring Shoulder“ gilt traditionell als schwächste Zeit für gasbasierte Stromerzeugung.

In den ersten beiden Monaten des Jahres 2025 war der Gasverbrauch zur Stromerzeugung in Europa noch außergewöhnlich hoch. Laut Daten des Analyseunternehmens Ember erreichte die Produktion den höchsten Stand seit 2021. Auch im März blieb sie in wichtigen Märkten über dem Niveau des Vorjahres. Sollte sich jedoch der gewohnte saisonale Rückgang ab April fortsetzen, ist mit einem weiteren Preisverfall zu rechnen. In den Jahren 2015 bis 2024 fiel die Gasverstromung im Zeitraum April bis Juni im Schnitt um 25 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal. 2024 betrug der Rückgang sogar 31 Prozent.

Aktuelle Wetterprognosen deuten darauf hin, dass in weiten Teilen des europäischen Festlands überdurchschnittlich milde Temperaturen zu erwarten sind. Diese Entwicklung dürfte die Heiznachfrage weiter dämpfen und damit den Gasbedarf zusätzlich senken. Auch die industrielle Nachfrage nach Gas zeigt sich schwach. Besonders in Deutschland, dem größten industriellen Gasverbraucher Europas, ist die Produktion von Chemikalien, Düngemitteln, Stahl und Kunststoffen zu Jahresbeginn auf einem Mehrjahrestief verblieben. In Italien stieg die Industrieproduktion im Januar zwar leicht gegenüber dem Vormonat, blieb aber weiterhin unter dem Vorjahreswert.

Ein wesentlicher Belastungsfaktor für die Industrie sind die hohen Strompreise. In Deutschland lagen die Großhandelspreise in den ersten drei Monaten des Jahres im Schnitt bei 127 Euro pro Megawattstunde – rund 49 Prozent mehr als im Jahresdurchschnitt 2024. Auch in den Niederlanden, Italien, Frankreich und Polen liegen die Strompreise deutlich über dem Vorjahresniveau. Da Erdgas mehr als ein Viertel zur europäischen Stromerzeugung beiträgt, könnte ein weiterer Rückgang der Gaspreise auch zu einer Entlastung bei den Stromkosten führen.

Allerdings konkurrieren industrielle Verbraucher mit Speicherbetreibern, die ihre Lager nach dem starken Entnahmebedarf zu Jahresbeginn wieder auffüllen müssen. Üblicherweise beginnt die Einlagerung ab dem späten Frühjahr. In diesem Jahr könnten mindestens 100 zusätzliche Lieferungen nötig sein. Die EU diskutiert derzeit eine flexiblere Frist für die Speicherziele, was die Nachfrage in den kommenden Monaten dämpfen könnte.

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