Galeria wartet auf Gordon Brothers: Fällt heute die Entscheidung?
Ein interner Abstimmungstermin soll klären, ob der US-Investor Gordon Brothers den dringend benötigten Millionenkredit bereitstellt.

Die Lage bei Galeria erinnert einen früheren Manager der Warenhauskette an Samuel Becketts Theaterstück „Warten auf Godot" – nur dass es in diesem Fall „Warten auf die Gordon Brothers" heißen müsste. Seit Wochen wird spekuliert, ob der US-Investor bereit ist, Galeria einen dreistelligen Millionenkredit zu gewähren. Nach Informationen der WirtschaftsWoche soll an diesem Donnerstag ein interner Abstimmungstermin stattfinden, nach dem feststehen soll, wie und ob es für die angeschlagene Warenhauskette weitergeht.
Die Zeit drängt dabei erheblich. Galerias Liquiditätslage gilt als äußerst angespannt, einige Vermieter berichten bereits über ausstehende Mietzahlungen. Hinzu kommen gesetzliche Zahlungspflichten wie die Umsatzsteuer-Vorauszahlung, die Geschäftsführer pünktlich leisten müssen, um persönliche Haftungsrisiken zu vermeiden. Der Spielraum, Zahlungen weiter zu strecken, ist damit faktisch erschöpft.
Kreditbetrag könnte gesunken sein
Seit April verhandelt Galeria mit Gordon Brothers über eine Finanzierung. Ursprünglich soll es um rund 160 Millionen Euro gegangen sein. Inzwischen könnte die Summe jedoch niedriger ausfallen. Als Sicherheit für den Kredit dient der Warenbestand der Kette – und dieser ist seit dem Start einer groß angelegten Rabattaktion Ende Mai deutlich geschrumpft. Entsprechend dürfte auch der mögliche Kreditrahmen gesunken sein.
Das Angebot von Gordon Brothers soll dem Vernehmen nach bereits auf dem Tisch liegen. Nun fehlen noch die Zustimmungen der Galeria-Eigentümer – das Family Office des US-Geschäftsmanns Richard Baker (NRDC) sowie der frühere Handelsmanager Bernd Beetz – und die Freigabe der Warenkreditversicherer. Beide Unterschriften sollen bislang noch nicht vorliegen. Im besten Fall könnten alle Genehmigungen noch im Laufe des heutigen Tages eingehen, sodass der Kredit in der kommenden Woche ausgezahlt werden könnte.
Frisches Geld fließt größtenteils in alte Schulden
Selbst wenn der Kredit zustande kommt, bleibt fraglich, ob er Galeria einen echten Neustart ermöglicht. Ein erheblicher Teil der frischen Mittel würde zunächst dazu verwendet, bestehende Verbindlichkeiten abzulösen. Konkret soll ein bereits laufender Kredit der US-Investmentgesellschaft Bain zurückgeführt werden. Bain hatte Galeria zudem eine Brückenfinanzierung von 10 Millionen Euro gewährt, um eine kurzfristige Liquiditätsklemme zu überbrücken. Insgesamt sollen laut Finanzkreisen mehr als 80 Millionen Euro an Bain fließen.
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Zur AktienanalyseDarüber hinaus muss ein bedeutender Teil der Mittel für laufende Kosten wie Gehälter und Mieten aufgewendet werden. Hinzu kommen Mietrückstände aus den vergangenen Monaten sowie die Kosten für die im Sanierungsplan vorgesehene Schließung von bis zu einem Drittel der Filialen. Vermieter müssten für vorzeitige Vertragsauflösungen entschädigt, Mitarbeiter über Sozialpläne abgefunden werden.
Ein Insider äußert daher Zweifel, ob am Ende noch nennenswerte Mittel für echte Investitionen übrig blieben – etwa für die dringend notwendige Modernisierung der verbleibenden Warenhäuser. Das Fazit fällt ernüchternd aus: Selbst wenn das Warten auf die Gordon Brothers bald ein Ende findet, dürfte das Galeria-Drama noch lange nicht vorbei sein.


