G7-Gipfel zeigt Europas politische Grenzen auf
Trump dominiert aus der Ferne, Merz spricht von israelischer „Drecksarbeit“ im Iran-Konflikt

Friedrich Merz zeigt sich beim G7-Gipfel im kanadischen Kananaskis demonstrativ gelassen. Der Kanzler spricht von einem erfolgreichen Treffen, hebt die Einigkeit unter den Teilnehmern hervor und lobt die kollegiale Atmosphäre. Doch seine Worte können kaum überdecken, was sich zwischen den Zeilen abzeichnet: Die Machtlosigkeit Europas inmitten weltpolitischer Krisen wird auf dem Gipfel deutlich sichtbar.
Ursprünglich als Zeichen globaler Zusammenarbeit geplant, wird der Gipfel zur ernüchternden Bestandsaufnahme geopolitischer Spannungen. Zwar nehmen neben den G7 auch Staaten wie Indien, Mexiko und Australien teil, doch die Agenda wird dominiert von den USA – und das, obwohl Präsident Donald Trump nicht persönlich anwesend ist. Stattdessen sorgt er mit drastischen Aussagen in sozialen Medien für Unruhe. Seine Drohungen gegen den Iran sind von ungewohnter Direktheit und hinterlassen in Kananaskis eine Atmosphäre ständiger Anspannung.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnt vor einem Regimewechsel in Teheran. Das sei gefährlich und könne zu Chaos führen. Friedrich Merz hingegen zeigt Verständnis für Israels militärisches Vorgehen gegen iranische Ziele und spricht offen von der „Drecksarbeit“, die dort geleistet werde. Diese Wortwahl markiert eine hörbare Differenz zu anderen Gipfelteilnehmern – und verdeutlicht den schwierigen Balanceakt zwischen politischem Schulterschluss und nationalen Einzelmeinungen.
Auch die Ukraine bleibt im Fokus. Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigt sich schwer gezeichnet von neuen Angriffen auf sein Land. 440 Drohnen iranischer Bauart hätten in der Nacht Tod und Zerstörung gebracht, berichtet er. 139 Menschen seien getötet worden. Die Verbindung zwischen dem Konflikt im Nahen Osten und dem Krieg in der Ukraine wird greifbar. Teherans Unterstützung für Russland verschärft die Lage zusätzlich.
Die USA bleiben der zentrale Machtfaktor. Das 18. EU-Sanktionspaket gegen Russland ist beschlossen, doch ohne amerikanische Rückendeckung bleibt die Wirkung begrenzt. Merz erkennt das offen an. Europa allein könne den nötigen Druck nicht ausüben. Hoffnung setzt er auf den US-Senat, wo ein Plan für Strafzölle auf Ölimporte aus Russland diskutiert wird.
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Zur AktienanalyseDer G7-Gipfel endet ohne eine klare Zusage der USA für härtere Sanktionen. Die Europäer müssen auf kommende Entscheidungen in Washington warten – und auf die nächsten Schritte eines US-Präsidenten, der von fern, aber bestimmend agiert.


