Fußball-WM 2026: Ausbleibendes Wirtschaftswunder für US-Gastgeberstädte
Die FIFA versprach einen Touristenboom – doch Restaurants und Hotels in Philadelphia melden bisher enttäuschende Zahlen.

Das Stadion in Philadelphia jubelt, gesungen wird auf Portugiesisch und Kreol – doch wer die Fans in Gelb und Blau vor dem Eingang fragt, woher sie stammen, erhält meist dieselbe Antwort: „I'm from New York." Internationale Besucher sind bei der Fußball-WM 2026 in den USA bislang die Ausnahme, nicht die Regel. Denn die Einreise aus Haiti ist faktisch unmöglich, und selbst reisefreudige Brasilianerinnen und Brasilianer schrecken vor den horrenden Ticketpreisen zurück.
Die FIFA hatte den Gastgeberstädten vollmundige Versprechen gemacht: Allein für Philadelphia wurden 500.000 Besucherinnen und Besucher sowie ein WM-Umsatz von 770 Millionen Dollar in Aussicht gestellt. Außerdem sollte der Touristenanteil bei 60 Prozent liegen – so zumindest die Zusage gegenüber der lokalen Gastronomie und Hotellerie. Die Realität sieht bislang anders aus.
Gastronomen und Hotels korrigieren ihre Erwartungen
Daniel McLoughlin betreibt das Restaurant „Mission Taqueria" in der Innenstadt von Philadelphia, unweit des brasilianischen Mannschaftshotels. Er berichtet, dass seine Gäste überwiegend aus dem Inland kämen – von internationaler Präsenz sei kaum etwas zu spüren. Auch andere Gastronomen in der Stadt verzeichneten keinen nennenswerten Ansturm. „Schon vor einem Jahr hat man uns gesagt, wir sollten Personal aufstocken", erklärt McLoughlin. Man habe ihnen den Eindruck vermittelt, es werde eine große Sache. Bislang habe das Turnier weder auf der Straße noch finanziell große Auswirkungen auf sein Geschäft gehabt.
Ähnlich ernüchternd ist die Lage bei den Hotels. Wer aus New Jersey anreist statt aus Rio de Janeiro, bleibt schlicht kürzer – und gibt weniger aus. Die Übernachtungsprognosen wurden entsprechend nach unten korrigiert. Für Privatanleger, die auf einen Boom im US-Tourismus- und Gastgewerbesektor gesetzt hatten, ist das eine wichtige Einordnung.
Einreisepolitik als zusätzlicher Dämpfer
Ben Felaccia vom Branchenverband Pennsylvania Restaurant & Lodging Organization macht auch die aktuelle US-Einreisepolitik für die schwachen Besucherzahlen mitverantwortlich. „Das ist definitiv ein Grund, warum wir nicht die hohen Besucherzahlen erreichen, auf die wir gehofft hatten", sagt er. Landesweite Verbände wiesen ebenfalls darauf hin, dass Besucher aus bestimmten Ländern ausgeblieben seien – was dazu beitrage, dass die ursprünglichen Prognosen verfehlt würden.
Es gibt allerdings auch Gewinner: Sports Bars profitieren spürbar vom Turnier, und WM-Städte wie Dallas oder Kansas City – normalerweise keine klassischen Touristenziele – freuen sich über Zehntausende zusätzliche Besucher. In etablierten Metropolen wie Boston, New York oder Philadelphia hingegen blieb der erhoffte Schub bisher aus.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseFazit: FIFA-Versprechen und wirtschaftliche Realität klaffen auseinander
Die WM 2026 in den USA ist für viele Gastgeberstädte wirtschaftlich bislang kein Volltreffer. Die Lücke zwischen den vollmundigen FIFA-Prognosen und der tatsächlichen Nachfrage ist deutlich sichtbar. Für Anleger, die Engagements im US-Konsumsektor oder in der Reise- und Freizeitbranche im Blick haben, lohnt es sich, die weiteren Entwicklungen des Turniers genau zu beobachten – insbesondere mit Blick auf die K.o.-Runde und mögliche Nachholeffekte.

