„Funflation" trifft Wohnzimmer: Freizeit zu Hause wird teurer
Streaming, Gaming und Strom kosten immer mehr – der Preisdruck macht auch vor dem Sofa nicht halt.

US-Verbraucher kennen „Funflation" seit Jahren: drastisch gestiegene Preise für Konzerte, Sportevents und Freizeitparks. Doch nun erreicht dieser Preisdruck auch das eigene Zuhause. Streaming-Dienste, Videospiele und sogar der Stromverbrauch belasten den Geldbeutel der Konsumenten – und das spürbar.
Alyx Green aus Akron, Ohio, ist seit Jahrzehnten begeisterte Videospielerin. Doch in den letzten Jahren hat sie das Gefühl, finanziell an ihre Grenzen zu stoßen. Sie ist kein Einzelfall: Exklusive Daten, die von PNC Financial Services für CNBC analysiert wurden, zeigen, dass der durchschnittliche US-Verbraucher seine Ausgaben für Home-Entertainment im Juni im Vergleich zum Vorjahr reduziert hat. Besonders betroffen sind die Generationen Gen Z und Millennials, die ihre Transaktionen in diesem Bereich um jeweils rund 4 Prozent kürzten.
Preiserhöhungen bei Gaming und Streaming
Große Technologie- und Unterhaltungskonzerne haben zuletzt eine Welle von Preiserhöhungen ausgelöst. Microsoft Xbox und Apple kündigten Ende Juni Preiserhöhungen für Geräte an – Apple räumte in einer Erklärung ein, dass dies „keine erfreuliche Nachricht" sei. Bereits einen Monat zuvor hatte Nintendo bekanntgegeben, den Preis für die Switch 2 in den USA um 11 Prozent anzuheben. Als Begründung nannten die Unternehmen höhere Komponentenkosten, die aus einer durch künstliche Intelligenz getriebenen Knappheit bei Speicherchips resultieren.
Deborah Weinswig, Gründerin von Coresight Research, warnte, dass einige dieser Erhöhungen dazu führen könnten, dass Verbraucher finanziell aus dem Markt gedrängt werden. Xbox-CEO Asha Sharma räumte in jüngsten Interviews ein, dass Gaming zunehmend unerschwinglich werde, und kündigte an, das Unternehmen werde sich auf die Herstellung kostengünstigerer Konsolen konzentrieren. Microsoft gab zudem bekannt, Tausende von Mitarbeitern in seiner Xbox-Sparte zu entlassen und mehrere Gaming-Studios auszugliedern.
Auch im Streaming-Bereich – unter dem Begriff „Streamflation" bekannt – stiegen die Preise deutlich. Netflix, Amazon und Spotify kündigten Anfang des Jahres Preiserhöhungen an, nachdem Disney und HBO Max von Warner Bros. Discovery bereits Ende 2025 ähnliche Schritte unternommen hatten. Apple erhöhte die Preise für seinen Dienst TV+ Mitte 2025 – es war die dritte Erhöhung innerhalb von drei Jahren. Das Bureau of Labor Statistics verzeichnete seit Anfang 2019 einen Preisanstieg von 53 Prozent für Abonnements oder das Ausleihen von Videos und Videospielen, TV-Dienste verteuerten sich um 27 Prozent, Musikabonnements um 14 Prozent.
Strom und Komponenten: Versteckte Kostentreiber
Hinzu kommen steigende Energiekosten. Die Strompreise sind seit 2019 um 45 Prozent gestiegen – laut Regierungsdaten teilweise bedingt durch Angebotsschocks im Zusammenhang mit der russischen Invasion in der Ukraine 2022 und dem Krieg mit dem Iran im Jahr 2026. Der Betrieb von Spielkonsolen, Streaming-Geräten und Klimaanlagen, die aufgrund des vermehrten Aufenthalts zu Hause häufiger laufen, wird damit ebenfalls teurer.
Elizabeth Renter, Senior-Ökonomin bei NerdWallet, weist darauf hin, dass Computer und verwandte Geräte über Jahrzehnte hinweg – inflationsbereinigt und unter Berücksichtigung ihrer Kapazität – günstiger geworden waren, da die Produktion effizienter wurde. Dieser Trend kehre sich nun um, da die Komponentenkosten steigen. Die disinflationäre Entlastung für Käufer finde damit wohl ein Ende.
Ausweg Buch – und steigende Kosten bei Live-Events
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Zur AktienanalyseAlyx Green hat einen Teil ihrer Freizeit auf das Lesen von Büchern verlagert, bei denen die Preisentwicklung deutlich moderater ausfiel. Die Preise für Freizeitbücher sind laut Bureau of Labor Statistics seit 2019 sogar um 4 Prozent gefallen – ein klarer Kontrast zu anderen Freizeitkategorien.
Außerhalb des Hauses bleibt die Lage ebenfalls angespannt. Die jährliche Inflation in klassischen „Funflation"-Kategorien wie Sportveranstaltungen und Freizeitparkbesuchen ist im Jahr 2026 sprunghaft angestiegen, so die Datenanalyse von PNC. Die in Pittsburgh ansässige Bank erklärte, dass diese Dienstleistungskategorien erneut Aufwärtsdruck auf den Kernindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) ausüben – dem bevorzugten Inflationsmaßstab der US-Notenbank Federal Reserve. Die diesjährige FIFA-Weltmeisterschaft, die gemeinsam von den USA ausgerichtet wird, erzielte laut TicketData einen mittleren Ticketpreis von über 900 US-Dollar.
Ökonomen warnen, dass höhere Preise für Freizeitaktivitäten – ob zu Hause oder außerhalb – den wirtschaftlichen Pessimismus der Bevölkerung weiter verstärken können. Das Verbrauchervertrauen ist laut dem viel beachteten Index der University of Michigan in den letzten Monaten auf Rekordtiefs gefallen.


