FTSE 100 steigt trotz schwacher britischer Wirtschaftsdaten
Hoffnungen auf ein US-Iran-Abkommen treiben europäische Aktien an – trotz enttäuschender britischer Wachstumszahlen für April.

Britische und europäische Aktien legten am Freitag deutlich zu, obwohl die britische Wirtschaft im April unerwartet schrumpfte. Die Anleger richteten ihren Blick stattdessen auf mögliche diplomatische Fortschritte zwischen den USA und dem Iran, die eine weitere Eskalation im Nahen Osten abwenden könnten.
Der FTSE 100 stieg bis 12:48 Uhr GMT um 0,89 Prozent und steuerte damit auf den dritten Gewinntag in Folge zu. Damit zeichnet sich ab, dass der britische Leitindex eine zweiwöchige Verlustserie beenden könnte. Auch auf dem europäischen Festland zogen die Märkte an: Der DAX gewann 1,15 Prozent, der französische CAC 40 legte sogar um 1,42 Prozent zu.
Britische Wirtschaft schrumpft im April
Das britische Office for National Statistics (ONS) meldete am Freitag, dass die Wirtschaft im April um 0,1 Prozent geschrumpft ist. Dies entspricht zwar den Erwartungen der Ökonomen, markiert aber dennoch den ersten monatlichen Rückgang seit August 2025. Zuvor hatte die Wirtschaft im März um 0,3 Prozent und im Februar um 0,4 Prozent zugelegt – die Dynamik zu Beginn des zweiten Quartals hat damit spürbar nachgelassen.
Auf Dreimonatsbasis wuchs die britische Wirtschaft jedoch weiterhin um 0,7 Prozent. Laut ONS war die monatliche Schwäche vor allem auf einen Rückgang der Dienstleistungsproduktion um 0,2 Prozent zurückzuführen. Einige Unternehmen berichteten zudem von Störungen durch erhöhte Spannungen im Nahen Osten, was die Aktivität in der verarbeitenden Industrie, im Großhandel und in reisebezogenen Sektoren dämpfte.
Das Britische Pfund reagierte auf die schwachen Daten und verlor gegenüber dem US-Dollar 0,19 Prozent auf 1,3392 Dollar.
US-Iran-Verhandlungen im Fokus der Märkte
Der eigentliche Kurstreiber war jedoch die Hoffnung auf ein diplomatisches Abkommen zwischen Washington und Teheran. US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag erklärt, Washington habe ein „großartiges Abkommen" mit dem Iran erzielt. Vizepräsident JD Vance soll demnach an einer Unterzeichnungszeremonie teilnehmen, die voraussichtlich an diesem Wochenende in Europa stattfinden wird.
Allerdings dämpften iranische Behörden den Optimismus. Das iranische Außenministerium erklärte, der Entwurf werde noch geprüft. Die dem Islamischen Revolutionsgarden-Korps (IRGC) nahestehende Nachrichtenagentur Fars wies Spekulationen über eine bevorstehende Unterzeichnung zurück. Laut von iranischen Medien veröffentlichten Details würde der vorgeschlagene Rahmen eine 60-tägige Verhandlungsphase vorsehen, die sich auf das iranische Atomprogramm, Sanktionserleichterungen und den wirtschaftlichen Wiederaufbau konzentriert – Diskussionen über Teherans Raketenkapazitäten sollen hingegen ausgeschlossen bleiben.
Zusätzliche Unsicherheit entstand durch Berichte des iranischen Staatsfernsehens, wonach der Transit durch die Straße von Hormus aus Sicherheitsgründen vorübergehend eingestellt worden sei. Dutzende Schiffe sollen in der Nähe der strategisch wichtigen Wasserstraße auf ihre Freigabe gewartet haben. Die Märkte bewerteten die Entwicklung angesichts der laufenden Verhandlungen jedoch weitgehend als vorübergehend.
Rohöl fällt, Gold gibt nach
Die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung drückte den Ölpreis deutlich. Rohöl der Sorte Brent verbilligte sich um 2,58 Prozent auf 88,05 Dollar pro Barrel, US-Rohöl der Sorte WTI sank um 2,86 Prozent auf 85,20 Dollar pro Barrel. Auch der Goldpreis gab nach: Der Spotpreis fiel um 0,34 Prozent auf 4.179,24 Dollar pro Feinunze, da die Nachfrage nach sicheren Häfen zurückging.
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Zur AktienanalyseAnalysten von Jefferies erklärten, dass die Anleger im „Erleichterungsmodus" blieben, da das Risiko einer weiteren Eskalation abzunehmen scheine. Sie warnten jedoch, dass die Märkte das diplomatische Narrativ erst dann vollständig einpreisen werden, wenn ein formelles Abkommen unterzeichnet und der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus normalisiert ist. Geopolitische Entwicklungen seien weiterhin der dominierende Treiber für die Marktbewertung, so Jefferies, die jedoch eine konstruktive mittelfristige Einschätzung für Risikoanlagen beibehielten.
Unternehmensnachrichten: Flutter und McBride
Auf Unternehmensseite gab Flutter Entertainment bekannt, seine Stammaktien zum 3. August von der Londoner Börse zu delisten. Das Unternehmen begründete den Schritt damit, dass dieser im besten Interesse der Gesellschaft und ihrer Aktionäre liege. Die Aktien werden weiterhin an der New York Stock Exchange unter dem Kürzel FLUT gehandelt.
Der Hersteller von Haushaltsreinigungsprodukten McBride warnte unterdessen vor anhaltenden Kostensteigerungen bei petrochemischen und energieintensiven Materialien infolge des Nahostkonflikts. Das Unternehmen erwartet nun, dass das bereinigte EBITA für die Geschäftsjahre 2026 und 2027 zwischen 5 und 10 Prozent unter den aktuellen Analystenprognosen liegen wird. Eine Normalisierung der Performance wird erst zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartet.


