FTSE 100 rutscht ins Minus: Britischer Dienstleistungssektor schwächelt deutlich
Schwache PMI-Daten aus Großbritannien belasten den FTSE 100 – der Dienstleistungssektor schrumpft so stark wie seit Januar 2023 nicht mehr.

Britische Aktien haben am Freitag ihre frühen Gewinne vollständig abgegeben und ins Minus gedreht. Auslöser war ein überraschend schwacher Einkaufsmanagerindex für den britischen Dienstleistungssektor, der den Markt zusätzlich belastete. Erschwerend kam hinzu, dass die US-Märkte wegen des Unabhängigkeitstags geschlossen blieben und die Liquidität in Europa damit spürbar dünner war.
Bis 07:51 Uhr ET (11:51 Uhr GMT) verlor der FTSE 100 rund 0,25 Prozent. Damit gab der britische Leitindex seine Gewinne aus der Eröffnungsstunde vollständig wieder ab. Im Vergleich dazu hielt sich der deutsche DAX mit einem Plus von 0,58 Prozent deutlich besser, während der französische CAC 40 geringfügig um 0,05 Prozent zulegte. Das Britische Pfund notierte leicht fester bei 1,3354 US-Dollar, ein Plus von 0,06 Prozent.
Britischer Dienstleistungssektor auf dem schwächsten Stand seit über zwei Jahren
Der S&P Global Einkaufsmanagerindex (PMI) für den britischen Dienstleistungssektor fiel im Juni von 49,3 Punkten im Mai auf 48,8 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit Januar 2023 und bereits der zweite Monat in Folge unterhalb der Expansionsmarke von 50 Punkten. Werte unter 50 signalisieren eine Schrumpfung der wirtschaftlichen Aktivität.
Besonders besorgniserregend: Die Auftragseingänge gingen den vierten Monat in Folge zurück – und zwar mit dem stärksten Tempo seit über dreieinhalb Jahren. Als Gründe nannten die befragten Unternehmen den Nahostkonflikt, innenpolitische Unsicherheit sowie knappe Budgets der Verbraucher.
„Starker Kostendruck, eine flaue Nachfrage und geschäftliche Unsicherheiten infolge des Nahostkonflikts waren die prägendsten Themen", erklärte Tim Moore, Economics Director bei S&P Global Market Intelligence. Er betonte zudem, dass der Juni „einen deutlichen Dynamikverlust der britischen Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 bestätigte". Auch der zusammengesetzte britische PMI, der Industrie und Dienstleistungen zusammenfasst, sank von 49,7 auf 49,3 Punkte – den niedrigsten Stand seit April 2025.
Schwache US-Arbeitsmarktdaten dämpfen Fed-Zinserwartungen
Für kurzen Rückenwind sorgten zunächst die US-Arbeitsmarktdaten: Die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls) lag im Juni bei lediglich 57.000 – etwa die Hälfte der prognostizierten 113.000. Diese Enttäuschung veranlasste die Märkte, ihre Erwartungen hinsichtlich einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve zurückzuschrauben. Der positive Impuls auf die europäischen Märkte verpuffte jedoch schnell angesichts der heimischen Konjunkturdaten.
Auf geopolitischer Ebene bleiben die Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran vorerst ausgesetzt. Hintergrund sind die Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei, dessen Leichnam am frühen Freitag in der Großen Mosalla von Teheran eintraf. Die Zeremonien sind vom 4. bis 9. Juli angesetzt, wobei 15 bis 20 Millionen Trauergäste erwartet werden. Der Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Straße von Hormus erholte sich in der vergangenen Woche auf 258 Schiffe, nachdem er zuvor bei nur 138 gelegen hatte – bleibt aber weit unter dem Vorkriegsniveau.
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Zur AktienanalyseRohöl gibt nach, Gold auf Rekordjagd
Am Rohstoffmarkt weiteten die Ölpreise ihre Verluste aus: Brent-Rohöl fiel um 0,21 Prozent auf 71,65 US-Dollar je Barrel, WTI verbilligte sich um 0,44 Prozent auf 68,39 US-Dollar. Gold hingegen profitierte stark vom schwachen US-Dollar nach den enttäuschenden Arbeitsmarktdaten. Die Gold-Futures stiegen um 1,71 Prozent auf 4.196,09 US-Dollar je Unze, während der Spot-Goldpreis um 1,46 Prozent auf 4.184,15 US-Dollar kletterte. Zusätzliche Unterstützung lieferten Nettokäufe der Zentralbanken in Höhe von 41 Tonnen im Mai.
Auf innenpolitischer Ebene kündigte der designierte britische Premierminister Andy Burnham gegenüber dem Sender LBC an, die Gewerbesteuer für große Lagerhäuser außerhalb der Städte zu erhöhen. Mit den Einnahmen soll eine Senkung der Gewerbesteuer um 20 Prozent für den Einzelhandel in den Innenstädten finanziert werden. Burnham versicherte dabei, das Wahlprogramm der Labour-Partei hinsichtlich Einkommensteuer, Mehrwertsteuer und Sozialversicherung einzuhalten.


