FTSE 100 rutscht ins Minus: Britischer Dienstleistungssektor bricht ein
Schwache PMI-Daten aus Großbritannien belasten den FTSE 100 – trotz anfänglicher Erleichterung über US-Arbeitsmarktdaten.

Britische Aktien haben am Freitag ihre frühen Gewinne vollständig abgegeben und sind ins Minus gedreht. Auslöser war ein überraschend schwacher Einkaufsmanagerindex für den britischen Dienstleistungssektor, der auf den tiefsten Stand seit Januar 2023 fiel. Der FTSE 100 verlor gegen 11:51 Uhr GMT rund 0,25 Prozent. Erschwerend hinzu kam die dünne Marktliquidität, da die US-Märkte wegen des Unabhängigkeitstages geschlossen blieben.
Der S&P Global Einkaufsmanagerindex (PMI) für den britischen Dienstleistungssektor fiel im Juni von 49,3 auf 48,8 Punkte – der zweite Monat in Folge unterhalb der Expansionsmarke von 50 Punkten. Die Auftragseingänge gingen den vierten Monat in Folge zurück, und zwar mit dem stärksten Tempo seit über dreieinhalb Jahren. Unternehmen nannten den Nahostkonflikt, innenpolitische Unsicherheit sowie unter Druck stehende Verbraucherbudgets als Hauptgründe.
„Starker Kostendruck, eine flaue Nachfrage und geschäftliche Unsicherheiten aufgrund des Nahostkonflikts waren die prägendsten Themen", erklärte Tim Moore, Economics Director bei S&P Global Market Intelligence. Er betonte, dass der Juni „einen deutlichen Dynamikverlust der britischen Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 bestätigte". Auch der britische Composite-PMI, der Industrie und Dienstleistungen zusammenfasst, sank von 49,7 auf 49,3 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Stand seit April 2025.
Europäische Märkte im Vergleich
Während der FTSE 100 unter Druck geriet, zeigten sich die kontinentaleuropäischen Börsen widerstandsfähiger. Der deutsche DAX legte um 0,58 Prozent zu, der französische CAC 40 verzeichnete ein minimales Plus von 0,05 Prozent. Das Pfund Sterling notierte gegenüber dem US-Dollar kaum verändert und stieg leicht um 0,06 Prozent auf 1,3354 Dollar.
Anfänglich hatten schwache US-Arbeitsmarktdaten für etwas Erleichterung gesorgt. Die Nonfarm Payrolls – also die Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft – lagen im Juni bei lediglich 57.000, etwa der Hälfte der prognostizierten 113.000. Dies dämpfte die Markterwartungen hinsichtlich einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Der positive Impuls verpuffte jedoch rasch angesichts der schlechten britischen PMI-Zahlen.
Geopolitik und Rohstoffmärkte
Im Hintergrund belasten geopolitische Entwicklungen weiterhin die Märkte. Die Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran sind wegen der Beisetzung des ehemaligen Obersten Führers Ayatollah Ali Chamenei ausgesetzt. Dessen Leichnam traf am frühen Freitag in der Großen Mosalla von Teheran ein; die Zeremonien dauern vom 4. bis 9. Juli, wobei 15 bis 20 Millionen Trauernde erwartet werden. Der Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Straße von Hormus erholte sich zuletzt auf 258 Schiffe pro Woche, liegt aber weiterhin deutlich unter dem Niveau vor dem Krieg.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseBeim Öl weiteten sich die Verluste aus: Brent-Rohöl verbilligte sich um 0,21 Prozent auf 71,65 Dollar je Barrel, WTI fiel um 0,44 Prozent auf 68,39 Dollar. Gold hingegen profitierte vom schwächeren US-Dollar und von Zentralbankkäufen: Gold-Futures stiegen um 1,71 Prozent auf 4.196,09 Dollar je Unze, Spot-Gold kletterte um 1,46 Prozent auf 4.184,15 Dollar. Unterstützend wirkten dabei Nettozukäufe der Zentralbanken in Höhe von 41 Tonnen im Mai.
Britische Innenpolitik: Steuerreform für den Einzelhandel
Auf der politischen Bühne kündigte der designierte britische Premierminister Andy Burnham an, die Gewerbesteuer für große Lagerhäuser außerhalb der Städte erhöhen zu wollen. Mit den Mehreinnahmen soll eine Senkung der Gewerbesteuer um 20 Prozent für Einzelhändler in den Innenstädten finanziert werden. Burnham versicherte zudem, die Wahlversprechen der Labour-Partei zur Einkommensteuer, Mehrwertsteuer und Sozialversicherung einhalten zu wollen.

