FTSE 100 erholt sich dank unerwartet schwacher britischer Inflation
Britische Aktien drehen ins Plus, nachdem die Inflation im April auf 2,8 Prozent fiel – deutlich unter den Erwartungen.

Britische Aktien haben am Mittwoch ihre anfänglichen Verluste wettgemacht. Auslöser war eine überraschend niedrige Inflationsrate in Großbritannien, die die Marktstimmung aufhellte. Der FTSE 100 stieg um 0,19 Prozent und erholte sich damit von einem frühen Rückgang. Auch europäische Indizes legten zu: Der deutsche DAX gewann 0,24 Prozent, der französische CAC 40 stieg um 0,53 Prozent.
Der britische Verbraucherpreisindex (VPI) schwächte sich im April auf 2,8 Prozent im Jahresvergleich ab, wie das Statistikamt ONS mitteilte. Damit lag er deutlich unter dem Konsens von 3,0 Prozent und verlangsamte sich spürbar gegenüber 3,3 Prozent im März. Auch die Kerninflation sank – von 3,1 auf 2,5 Prozent. Die Dienstleistungsinflation fiel sogar von 4,5 auf 3,2 Prozent.
Grant Fitzner, Chefökonom des ONS, nannte niedrigere Energierechnungen, die Preisobergrenze der Regulierungsbehörde Ofgem sowie sinkende Lebensmittel- und Urlaubspreise als Hauptgründe für den Rückgang. Das Pfund Sterling reagierte verhalten und kletterte um 0,04 Prozent auf 1,3400 gegenüber dem US-Dollar.
Zinsspekulationen nehmen ab
Die schwachen Inflationsdaten veranlassten Anleger, ihre Wetten auf Zinserhöhungen der Bank of England (BoE) zurückzufahren. Futures preisen nun eine Straffung um etwa 52 Basispunkte bis Dezember ein – nach 60 Basispunkten noch am Dienstag. Die Märkte neigen weiterhin zu einer Anhebung um 25 Basispunkte im Juli. Francesco Pesole von ING bezeichnete einen Schritt bereits im Juni als „ziemlich genau 50:50".
Analysten warnten jedoch vor voreiligem Optimismus. Die Erzeugerpreise stiegen im April auf 4,0 Prozent und lagen damit weit über der Prognose von 2,8 Prozent – ein Zeichen dafür, dass Lieferunterbrechungen im Nahen Osten die Fabrikpreise belasten. Capital Economics prognostiziert, dass die Gesamtinflation bis Anfang 2027 wieder auf rund 4 Prozent steigen könnte.
Geopolitische Risiken belasten die Stimmung
Das geopolitische Umfeld blieb angespannt. Die iranischen Revolutionsgarden warnten am Mittwoch, dass jeder erneute Angriff der USA oder Israels den Konflikt „über die Region hinaus" tragen würde. US-Präsident Trump hatte zuvor erklärt, er sei am Montag nur „eine Stunde davon entfernt" gewesen, neue Angriffe auf den Iran anzuordnen. Ein „umfassender, groß angelegter Angriff" bleibe „jederzeit" einsatzbereit, so Trump.
Parallel dazu intensivierte Pakistan seine Vermittlungsbemühungen: Der pakistanische Innenminister besuchte Teheran zum zweiten Mal innerhalb einer Woche. Chinas Präsident Xi Jinping forderte bei einem Treffen mit Wladimir Putin in Peking einen Waffenstillstand mit „höchster Dringlichkeit". Der US-Senat brachte unterdessen mit 50 zu 47 Stimmen eine Resolution auf den Weg, die Trumps Kriegsvollmachten gegenüber dem Iran erstmals einschränkt. Ein südkoreanischer Tanker mit 2 Millionen Barrel passierte am Mittwoch nach Konsultationen mit iranischen Behörden die Straße von Hormus – die erste derartige Passage eines südkoreanischen Schiffes seit Kriegsbeginn.
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Zur AktienanalyseBritische Innenpolitik und Unternehmesnachrichten
Auf innenpolitischer Ebene stellte Finanzministerin Rachel Reeves Reformen vor, die dem Parlament die Befugnis geben sollen, die Genehmigung wichtiger Energie- und Infrastrukturprojekte zu beschleunigen und sie vor Verzögerungen durch gerichtliche Überprüfungen zu schützen. Großbritannien strich zudem eine geplante Erhöhung der Kraftstoffsteuer und kündigte eine zwölfmonatige Befreiung von der Kfz-Steuer für Speditionen an – eine Ersparnis von bis zu 912 Britischen Pfund pro Fahrzeug. Premierminister Keir Starmer begründete dies mit dem Kostendruck infolge des Iran-Konflikts.
Auf Unternehmensseite meldete der britische Einzelhändler Marks & Spencer (M&S) einen Rückgang des Jahresgewinns um 24 Prozent. Als Ursache nannte das Unternehmen eine siebenwöchige Aussetzung von Online-Bekleidungsbestellungen nach einem Cyberangriff im vergangenen Jahr. Am Immobilienmarkt stagnierten die britischen Hauspreise in den zwölf Monaten bis März – der schwächste Wert seit April 2024. Die Privatmieten stiegen im April laut ONS um jährlich 3,5 Prozent.


