FTSE 100 bricht ein: Iran-Abkommen, GSK-Übernahme und Geopolitik
Britische Aktien gaben am Dienstag deutlich nach, während geopolitische Spannungen rund um den Iran die Märkte belasteten.

Der FTSE 100 verlor am Dienstag 1,4 Prozent und zählte damit zu den schwächsten europäischen Leitindizes des Tages. Während der deutsche DAX ebenfalls um 0,8 Prozent nachgab, konnte der französische CAC 40 leicht um 0,1 Prozent zulegen. Das Pfund Sterling wertete gegenüber dem US-Dollar um 0,4 Prozent auf 1,3385 auf.
Im Mittelpunkt des Marktgeschehens stand erneut die geopolitische Lage im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump beharrte darauf, dass ein Friedensabkommen mit dem Iran in den „letzten Zügen" liege. Laut CNN hat Trump seit März mindestens 37 Mal öffentlich vorhergesagt, dass ein solches Abkommen unmittelbar bevorstehe. Trump warnte dabei ausdrücklich: „Wenn wir bombardieren, werden viele Menschen getötet. Wer will das schon? Ich nicht."
Eskalation im Nahen Osten belastet die Stimmung
Bei israelischen Angriffen auf die südlibanesische Stadt Tyros wurden am Dienstag mindestens acht Menschen getötet und 32 weitere verletzt, wie das libanesische Gesundheitsministerium mitteilte. Die Angriffe erfolgten, nachdem Israel zuvor Evakuierungsbefehle für die Stadt – einschließlich des christlichen Viertels – erlassen hatte. Der Iran warnte daraufhin vor einer Wiederaufnahme militärischer Operationen, sollten die israelischen Angriffe auf den Libanon fortgesetzt werden.
Erstmals bestätigte der Iran auch eigene Todesopfer im Rahmen des Schlagabtauschs: Zwei Angehörige der iranischen Luftabwehr, Bahman Hosseini und Alireza Abiri, wurden laut dem staatlichen Sender IRIB bei israelischen Angriffen am Montag getötet. Ein iranischer Abgeordneter forderte Vergeltung für ihren Tod – ein Signal, das die Lage weiter verschärft.
Parallel dazu bestätigte das US Central Command, dass zwei Besatzungsmitglieder der US-Armee gerettet wurden, nachdem ihr AH-64 Apache-Hubschrauber während einer Patrouille in regionalen Gewässern nahe der Küste von Oman abgestürzt war. Es handelte sich dabei um die erste Wasserrettung durch eine unbemannte Überwasserdrohne, durchgeführt von der Task Force 59 der fünften US-Flotte. Die Ursache des Absturzes wird noch untersucht.
Großbritannien verhängt Sanktionen gegen Siedlergewalt
Auf diplomatischer Ebene kündigte die britische Außenministerin Yvette Cooper koordinierte Sanktionen gemeinsam mit Kanada, Frankreich, Norwegen und Australien an. Diese richten sich gegen sechs Organisationen und eine Einzelperson, die an der Finanzierung und Ermöglichung von Siedlergewalt im besetzten Westjordanland beteiligt sind. Erstmals enthalten offizielle britische Leitlinien eine ausdrückliche Empfehlung an Unternehmen, wirtschaftliche Aktivitäten in illegalen israelischen Siedlungen zu meiden.
Cooper bestätigte zudem Finanzhilfen in Höhe von mindestens 10 Millionen Pfund für die Palästinensische Autonomiebehörde im Jahr 2026 sowie weitere 1 Million Pfund für die humanitäre Minenräumung im Gazastreifen.
Unternehmensseite: GSK kauft Nuvalent für 10,6 Milliarden Dollar
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Zur AktienanalyseDer britische Pharmariese GSK hat der Übernahme des an der US-Börse notierten Krebsmedikamenten-Entwicklers Nuvalent für 10,6 Milliarden US-Dollar in einem reinen Bargeschäft zugestimmt. Der Kaufpreis von 124 Dollar je Aktie entspricht einem Aufschlag von 40 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs. Die Akquisition soll das Lungenkrebs-Portfolio von GSK gezielt stärken.
Im britischen Wohnungsbausektor trübte sich das Bild ein: MJ Gleeson prognostizierte einen bereinigten Vorsteuergewinn für das Gesamtjahr unterhalb der Markterwartungen. Eine Verlangsamung im Baugewerbe verzögerte den Verkauf eines Standorts, der etwa die Hälfte der prognostizierten Grundstücksverkäufe für das Jahr ausmachte. Auch der Wohnungsbauer Bellway meldete eine Abkühlung der Kundennachfrage nach einem positiven Start in die Frühjahrs-Verkaufssaison – steigende Kraftstoff- und Energiekosten setzen die Margen zusätzlich unter Druck.
Beim Ölkonzern BP sorgte derweil ein anderes Thema für Unruhe: Investoren gaben laut einem Bericht der Financial Times an, weiterhin über die genauen Umstände der Absetzung des ehemaligen Vorsitzenden Albert Manifold im Mai im Unklaren gelassen worden zu sein. Die mangelnde Transparenz belastet das Vertrauen der Anteilseigner in das Unternehmen.


