FTC untersucht Talentabwerbung durch Big Tech-Konzerne
Die US-Kartellbehörde FTC nimmt Tech-Giganten ins Visier, die gezielt Mitarbeiter von Start-ups abwerben, statt die Unternehmen zu übernehmen. Diese Praxis könnte eine Umgehung der Fusionskontrolle darstellen.

Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) verschärft ihre Kontrolle über große Technologiekonzerne. Im Fokus stehen sogenannte "Acqui-Hires" – eine Praxis, bei der Tech-Riesen gezielt Mitarbeiter und Technologien von Start-ups übernehmen, ohne die Unternehmen selbst zu kaufen.
Umgehung der Fusionskontrolle im Verdacht
"Wir beginnen, diese Acqui-Hires zu untersuchen, um sicherzustellen, dass sie kein Versuch sind, das Fusionskontrollverfahren der Behörde zu umgehen", erklärte FTC-Vorsitzender Andrew Ferguson gegenüber Bloomberg Television. Die Kartellbehörde vermutet, dass Unternehmen diese Methode nutzen, um kartellrechtliche Prüfungen bei klassischen Übernahmen zu vermeiden.
Milliardenschwere Deals unter der Lupe
Die jüngsten Beispiele zeigen das Ausmaß dieser Praxis: Microsoft sicherte sich den führenden KI-Manager eines Start-ups durch einen 650 Millionen Dollar Deal, der offiziell als Lizenzgebühr deklariert wurde. Meta investierte sogar 15 Milliarden Dollar, um den CEO von Scale AI einzustellen – ohne das Unternehmen zu erwerben.
Nvidia vereinbarte im vergangenen Monat, Chip-Technologie vom Start-up Groq zu lizenzieren und warb gleichzeitig dessen CEO Jonathan Ross ab, einen ehemaligen langjährigen Google-Mitarbeiter. Auch Amazon beteiligte sich an dieser Praxis und holte Gründer von Adept AI ins Unternehmen.
Aufsichtsbehörden erhöhen den Druck
Obwohl die Kartellbehörden diese Deals bereits prüfen, wurde bislang noch keine Transaktion rückgängig gemacht. Ferguson macht die aggressive Kartellrechtsdurchsetzung der Biden-Administration dafür verantwortlich, dass Unternehmen verstärkt auf diese alternative Akquisitionsmethode setzen.
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Zur AktienanalysePolitische Dimension der Kartellaufsicht
Die Untersuchungen erfolgen in einem politisch aufgeladenen Umfeld. US-Präsident Donald Trump entließ kürzlich zwei demokratische Kommissare der FTC, was einen Fall vor dem Obersten Gerichtshof auslöste. Dieser könnte weitreichende Folgen für die Unabhängigkeit von Regierungsbehörden haben, die vom Kongress bewusst mit einer gewissen Distanz zur Politik ausgestattet wurden.
Für deutsche Anleger sind diese Entwicklungen relevant, da sie die Expansionsstrategien großer US-Technologiekonzerne beeinflussen könnten. Eine strengere Kartellaufsicht könnte das Wachstumstempo der Tech-Giganten bremsen und ihre Innovationsfähigkeit einschränken.

