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Freiberuflich arbeiten: Sechs Finanz-Tipps für den erfolgreichen Start

FT-Herausgeberin Roula Khalaf erklärt, wie der Weg in die Selbstständigkeit finanziell gelingt.

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Freiberuflich arbeiten: Sechs Finanz-Tipps für den erfolgreichen Start

Die Financial Times (FT) bündelt in ihrem wöchentlichen Newsletter die von Herausgeberin Roula Khalaf ausgewählten Lieblingsgeschichten. In der aktuellen Ausgabe steht ein Thema im Mittelpunkt, das viele Berufstätige betrifft: der Sprung in die Freiberuflichkeit. Buchhalter berichten der FT zufolge zunehmend von Klienten in den Vierzigern und Fünfzigern, die ihre leitenden Positionen aufgeben, um mehr Autonomie zu gewinnen und etwas Eigenes aufzubauen.

Der Wechsel hat unterschiedliche Auslöser. Bei einigen war es eine Unternehmensumstrukturierung, ein Entlassungsprogramm oder die wachsende Zahl von Arbeitgebern, die eine Rückkehr ins Büro verlangen. Andere sind überzeugt, mit größerer Flexibilität mehr leisten und verdienen zu können, wenn sie sich selbstständig machen. "Viele Menschen bauen ihre persönliche Marke auf und engagieren sich parallel zu ihrer Karriere im Unternehmen, was der erste Schritt zum Aufbau eines eigenen Geschäfts sein kann", sagt Nicole Zalys, Gründerin von Villiers & Co., die online als "The London Accountant" bekannt ist.

Wer einen unternehmerischen Weg erwägt, sollte die finanziellen Aspekte genau im Blick behalten. Die FT nennt sechs Punkte, die angehende Freiberufler beachten sollten – vom Notgroschen über die Preisgestaltung bis zur Altersvorsorge.

Die Details

Der erste Punkt ist die Frage, wie viel man verdienen müsste, um die Sicherheit eines monatlichen Gehalts zu ersetzen. Neue Freiberufler sollten ihre Haushaltsausgaben prüfen und ermitteln, welches Minimum sie nach Steuern benötigen, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Viele der in den letzten Jahren beratenen Freiberufler gaben zu, nur eine vage Vorstellung davon zu haben. Bei variablem Einkommen ist ein strenges Budget-Management unverzichtbar.

Eng damit verbunden ist die Trennung von Geldern. Wer privates und geschäftliches Geld vermischt, verliert den Überblick über die eigene finanzielle Situation, kann Einnahmen schlechter prognostizieren und die Steuerlast kaum einschätzen. Besonders häufig werde versäumt, Rücklagen für Steuern zu bilden. Die Initiative "Making Tax Digital" macht die Führung separater Aufzeichnungen in zugelassener Buchhaltungssoftware zur Pflicht. Selbstständige oder Vermieter mit mehr als 50.000 Pfund Umsatz – nicht Gewinn – müssen sich beim HM Revenue & Customs (HMRC) registrieren und vierteljährlich Meldungen abgeben. Ab nächstem April sinkt diese Grenze auf 30.000 Pfund. Viele digitale Banken bieten kostenlose, HMRC-konforme Software für Einzelunternehmer oder kleine Unternehmen an, doch sollten Freiberufler genau prüfen, für welche Zusatzleistungen Gebühren anfallen.

Ein dritter Begriff ist "Payments on account". Sobald ein bestimmtes Einkommen aus Selbstständigkeit erzielt wird, erwartet das HMRC, dass die Hälfte der geschätzten Steuerlast für das kommende Jahr im Januar im Voraus gezahlt wird, gefolgt von einer zweiten Zahlung im Juli. Deborah Edwards, Direktorin der Harland Accountants, bezeichnet dies als die schwierigste Hürde für neue Freiberufler – sie entscheide darüber, ob man erfolgreich sei oder kämpfe.

Bei der Preisgestaltung ist die Versuchung groß, Dienstleistungen zu unterbewerten, um Aufträge zu bekommen. Edwards rät, vor einem Spiegel zu stehen und den Satz "Mein Tagessatz beträgt X Pfund" zu üben. "Sie müssen nicht jedem denselben Preis berechnen, aber sobald Sie einen Satz ausgehandelt haben, vereinbaren Sie einen Vertrag, der festlegt, was erwartet wird, und achten Sie auf Scope Creep", so die Empfehlung. Auf die Frage nach Zusatzleistungen sollte die Antwort lauten: "Natürlich kann ich das. Soll ich Ihnen dafür ein Angebot erstellen?"

Die private Köchin Philippa Davis erinnert daran, dass die eigene Gebühr nicht nur das "Gehalt" ist. Freiberufler zahlen ihre eigene Steuer und Sozialversicherungsbeiträge und müssen bezahlte Urlaubs- und Krankentage, die sie als Angestellte gehabt hätten, sowie unbezahlte Stunden für Angebote, E-Mails, Rechnungen und manchmal Reisen einkalkulieren. Buchhalter können zu steuerlich abzugsfähigen Ausgaben beraten, zu denen in der Regel auch ihre eigenen Gebühren zählen.

Eine weitere wichtige Entscheidung ist die Rechtsform: Einzelunternehmer (sole trader) oder Limited Company. Zalys zufolge sollte besprochen werden, wie Einkünfte bezogen oder Geld aus der Gesellschaft entnommen werden, wie viel Steuer wahrscheinlich wann fällig wird und ob eine Registrierung für die Mehrwertsteuer (VAT) sinnvoll ist. Die VAT-Grenze von 90.000 Pfund wird über einen laufenden 12-Monats-Zeitraum gemessen. Der Status der beschränkten Haftung trennt das Unternehmen rechtlich vom Eigentümer und schützt das persönliche Vermögen. "Wenn Sie ein höheres Risikoniveau haben, beispielsweise durch die Beschäftigung von Mitarbeitern oder die Anmietung von Immobilien, ist dies definitiv etwas, das berücksichtigt werden sollte", sagt Zalys. Überschüssiges Kapital könne auf einem Sparkonto der Limited Company Zinsen erwirtschaften; die Plattform Flagstone biete einen Überblick über Konten und Zinssätze.

Vor Geschäftsführerdarlehen (directors' loans) warnt die FT ausdrücklich: Es gelten strenge Steuervorschriften, und Unvorsichtige fallen hier schnell durch.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Altersvorsorge. Laut PensionBee sparen nur 16 Prozent der Selbstständigen für den Ruhestand. Maike Currie, Vizepräsidentin für persönliche Finanzen bei PensionBee, räumt ein, dass das Festlegen von Geld in einer Rentenversicherung für Menschen mit variablem Einkommen eine Hürde darstellt. Sie könnten versuchen, Geld in Ersparnissen zurückzulegen und vierteljährliche oder jährliche Beiträge zu leisten. "Die 'kostenlose' staatliche Steuerermäßigung ist ein wertvoller Anreiz, insbesondere für Spitzensteuersahner", sagt Currie. Geschäftsführer von Limited Companies können ihre Rentenbeiträge gegen steuerpflichtige Gewinne abrechnen und dadurch die Körperschaftssteuerlast senken.

Schließlich sollten Freiberufler Vorteile nicht vergessen, die Arbeitnehmer oft standardmäßig erhalten – etwa Lebensversicherung, Krankenversicherung, Einkommensschutz oder Versicherung bei schweren Krankheiten. Diese kosten Geld, doch das Risiko, ohne solchen Schutz dazustehen, könnte größer sein. Der FT zufolge berichten Betroffene, dass die größte mentale Umstellung darin besteht, nicht darauf zu warten, dass Arbeit zu einem kommt, sondern sie aktiv zu suchen. Zalys rät: "Haben Sie keine Angst, sich und Ihr Unternehmen sichtbar zu machen – es geht darum, präsent, in Erinnerung bleibend und nicht ängstlich zu sein, sich hervorzuheben." Freiberufler sollten Zeit in den Aufbau ihres Netzwerks investieren, lokalen Gruppen beitreten und den Banner "Open to Work" auf LinkedIn nutzen. Zugleich kann das Leben als Freiberufler einsam sein; der Austausch mit Gleichgesinnten helfe, den Verstand zu bewahren, Tipps zu teilen, sich gegenseitig zu empfehlen und Erfolge gemeinsam zu feiern.

Hintergrund: Was bisher geschah

Der wöchentliche Newsletter von FT-Herausgeberin Roula Khalaf greift regelmäßig ganz unterschiedliche Themen auf. Bereits am 31.01.2026 berichtete aktien.news über eine Ausgabe, in der Khalaf Privatanleger vor Gold-Leerverkäufen warnte und erklärte, sie wolle sich von ihrem bisherigen Online-Broker trennen, weil die Auswahl an Fonds und Wertpapieren zu gering sei. Am 10.04.2026 stellte aktien.news eine Ausgabe vor, die sich ausschließlich Ein-Produkt-Spezialisten widmete und 16 Produkte umfasste. Am 19.09.2026 folgte ein Bericht über eine kuratierte Auswahl exquisiter Accessoires und Kunstgegenstände, darunter ein Wollmantel von Dolce & Gabbana und ein Taschentuch von Berluti. Und am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass Khalaf den geplanten Börsengang von Airtel Money mit einem angepeilten Marktwert von 9 Mrd. US-Dollar als mögliches Signal für eine Rückkehr des Londoner Aktienmarktes einordnete.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist der Artikel vor allem als Orientierung zu lesen, nicht als Anlageempfehlung. Die genannten Regeln – von der Trennung von Geschäfts- und Privatgeldern über die Steuerrücklagen bis zur Altersvorsorge – betreffen die eigene Liquiditätsplanung. Wer den Schritt in die Selbstständigkeit erwägt, sollte beachten, dass ein variables Einkommen die Fähigkeit zur regelmäßigen Geldanlage verändert. Die Hinweise zu Rücklagen und Versicherungen zeigen, welche Risiken ein Wegfall des Arbeitgeber-Schutzes mit sich bringt. Die Erwähnung der steuerlichen Behandlung von Rentenbeiträgen bei Limited Companies macht deutlich, dass die Wahl der Rechtsform direkte Folgen für die verbleibenden Mittel hat.

Ausblick

Konkrete Termine nennt die FT nur wenige: Ab nächstem April sinkt die Umsatzgrenze für die Pflicht zur digitalen Steuererfassung von 50.000 auf 30.000 Pfund. Zudem müssen sich Selbstständige auf die "Payments on account" im Januar und Juli einstellen. Darüber hinaus beschreibt der Artikel Erwartungen von Beratern und Betroffenen – etwa, dass Netzwerkarbeit und Sichtbarkeit über den Erfolg entscheiden und dass der Aufbau einer persönlichen Marke der erste Schritt zum eigenen Geschäft sein kann.

Kurz erklärt

  • Freiberufler: Selbstständig arbeitende Person, die Aufträge für verschiedene Kunden übernimmt und kein festes Angestelltenverhältnis hat.
  • Making Tax Digital: Initiative, die die Führung separater Steueraufzeichnungen in zugelassener Buchhaltungssoftware verlangt.
  • Payments on account: Vorauszahlungen auf die geschätzte Steuerlast des Folgejahres, die in zwei Raten fällig werden.
  • Limited Company: Gesellschaftsform mit beschränkter Haftung, die das Unternehmen rechtlich vom Eigentümer trennt.
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