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Fratzscher fordert Pflichtjahr für Rentner

Kritik von Verbänden warnt vor Spaltung der Generationen

Fratzscher fordert Pflichtjahr für Rentner

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, hat die Einführung eines verpflichtenden sozialen Jahres für Rentner gefordert. In einem Gespräch mit dem Magazin „Spiegel“ sprach er sich für einen neuen Generationenvertrag aus, der die ältere Generation stärker in die Pflicht nimmt. Rentner sollten sich seiner Ansicht nach künftig gesellschaftlich engagieren – sowohl im Sozialbereich als auch im Bereich der Verteidigung. Er verwies dabei darauf, dass viele Ältere über wertvolle Fähigkeiten verfügten, etwa aus ihrer früheren Ausbildung bei der Bundeswehr, die genutzt werden könnten.

Fratzscher kritisierte, die aktuelle Debatte über eine mögliche Rückkehr zur Wehrpflicht sei zu stark auf junge Menschen verengt. Diese seien jedoch bereits erheblich durch steigende Sozialabgaben und die Folgen des Klimawandels belastet. Es brauche daher mehr Solidarität der Älteren mit den Jüngeren. Der Ökonom warf der älteren Generation Ignoranz, Selbstbezogenheit und Naivität vor. Deutschland habe nach dem Ende des Kalten Krieges die sogenannte Friedensdividende konsumiert, anstatt sich auf zukünftige Bedrohungen vorzubereiten. Nun sei es nötig, die Verteidigungsausgaben massiv zu erhöhen, um Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte auszugleichen.

Auch in der Klimapolitik sieht Fratzscher Versäumnisse, die vor allem von den älteren Generationen zu verantworten seien. Bereits seit Jahrzehnten sei klar, dass der eingeschlagene Kurs problematisch sei, dennoch habe man notwendige Maßnahmen verschleppt. Zudem verwies er auf die demografische Entwicklung. In den 1960er-Jahren hätten sechs Beitragszahler einen Rentner finanziert, künftig seien es nur noch zwei. Die „Babyboomer“ hätten deutlich weniger Kinder bekommen, trügen so zu einer immer schwereren Last für die jüngere Generation bei und weigerten sich, Verantwortung zu übernehmen.

Der Vorschlag stieß jedoch sofort auf deutliche Kritik. Der Sozialverband Deutschland bezeichnete ihn als respektlos. SoVD-Chefin Michaela Engelmeier verwies darauf, dass viele Menschen nicht aus Bequemlichkeit auf große Familien verzichtet hätten, sondern aufgrund finanzieller Zwänge und steigender Lebenshaltungskosten. Daraus nun im Nachhinein eine Verpflichtung zum Engagement im Rentenalter abzuleiten, sei nicht akzeptabel.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund sprach sich gegen den Vorstoß aus. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel erklärte, wer jahrzehntelang gearbeitet habe, habe seinen Ruhestand verdient. Ein Pflichtjahr für Rentner lehne der Gewerkschaftsbund ab, man dürfe nicht riskieren, durch solche Forderungen die Generationen gegeneinander auszuspielen. Bereits zuvor hatte auch der Soziologe Klaus Hurrelmann einen sozialen Pflichtdienst für Senioren angeregt. Er begründete dies mit der Notwendigkeit, dass gesellschaftliche Aufgaben wie die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit von allen Generationen getragen werden sollten.

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