ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Frankreich kämpft gegen Ultra Fast Fashion mit neuem Gesetz

Paris reguliert chinesische Billiganbieter wie Shein mit Produktionsmalus und Werbeverbot – ein Pioniergesetz mit Lücken.

Frankreich kämpft gegen Ultra Fast Fashion mit neuem Gesetz

Frankreich macht ernst im Kampf gegen die Flut billiger Kleidung aus Fernost. Das Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das sogenannte „Ultra Fast Fashion" mit konkreten Strafen belegen soll. Kritiker sehen darin zwar einen unvollständigen Schritt, erkennen aber an, dass die Politik erstmals klare Grenzen zieht.

Öko-Aktivistin und Recycling-Spezialistin Flore Berlingen bezeichnet das Gesetz als „kulturellen Fortschritt". Es anerkenne den Regulierungsbedarf und die Tatsache, dass die Geschäftspraktiken der Ultra Fast Fashion schädlich seien – „für die Umwelt, aber auch für die heimische Produktion". Damit rückt das Thema erstmals in den Fokus der Gesetzgebung.

Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Problems: Laut dem französischen Mode-Fachverband überschwemmen jährlich 828 Millionen Ultra-Fast-Fashion-Kleidungsstücke den französischen Markt. Hosen, T-Shirts und Pullover kosten im Schnitt nur sechs Euro – und landen häufig ungetragen im Müll.

Gesundheitsrisiken und Grenzwertüberschreitungen

Neben dem Umweltschaden warnte der französische Handelsminister Serge Papin vor gesundheitlichen Risiken. Bei einer Produktprüfung testeten die Behörden 700 Artikel: „70 Prozent davon entsprachen nicht unseren Normen, 45 Prozent waren sogar gefährlich", so Papin. Grundsätzlich ist Ultra Fast Fashion ohne den Einsatz von Mikroplastikfasern kaum denkbar.

Auch die Deutsche Umwelthilfe hat entsprechende Tests durchgeführt. In einer Kinderjacke stellten die Prüfer eine 12.000-fache Überschreitung der Grenzwerte für sogenannte Ewigkeitschemikalien fest. Diese Befunde unterstreichen, warum Regulierung in diesem Bereich dringend geboten ist.

Zwei zentrale Maßnahmen des Gesetzes

Das neue Regelwerk setzt auf zwei Hebel:

Produktionsmalus:

Mode-Labels, die zu viele Produkte so günstig anbieten, dass eine Reparatur wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, werden mit Strafzahlungen belegt. Berlingen erklärt das Prinzip: „Sie können den Strafzahlungen entkommen, wenn sie ihre Praktiken ändern."

Werbeverbot:

Ultra-Fast-Fashion-Anbieter sollen keine Werbung mehr schalten dürfen. Da EU-Recht es Mitgliedstaaten untersagt, eigenständig ganze Branchen zu regulieren, muss Frankreich für jedes betroffene Unternehmen einzeln Ausnahmen in Brüssel beantragen.

Pierre Talamon, Vorsitzender des Nationalen Bekleidungsverbandes in Frankreich, begrüßt das Gesetz ausdrücklich: „Wir können stolz sein, weil Frankreich ein Pionier bei der Bekämpfung von Ultra Fast Fashion ist."

Europäische Moderiesen entkommen der Regulierung

Doch das Gesetz hat eine entscheidende Lücke. Unternehmen wie Zara, H&M oder Primark fallen nicht unter die neue Regelung. Berlingen kritisiert, dass diese Konzerne „erfolgreich Lobbyarbeit" bei den Parlamentariern betrieben hätten. Sie hätten durchgesetzt, dass beide Kriterien – die Breite des Sortiments und der fehlende Anreiz zur Reparatur – gleichzeitig erfüllt sein müssen, damit ein Produkt als Ultra Fast Fashion gilt.

Wer also viel Ware auf den Markt bringt, aber zu Preisen, bei denen eine Reparatur noch lohnt, bleibt straffrei. Talamon verteidigt diese Unterscheidung: Europäische Unternehmen seien physisch präsent, beschäftigten Menschen, zahlten Miete, Umsatzsteuer und Importsteuer – und trügen so zum Volksvermögen bei.

Verbraucher in der Pflicht

Ob das Gesetz langfristig wirkt, hängt auch vom Konsumverhalten ab. Künftig müssen Ultra-Fast-Fashion-Anbieter Hinweisschilder an ihren Kleidungsstücken anbringen, die auf Kaufzurückhaltung, Wiederverwendung und Reparatur hinweisen. Frankreich hat den ersten Schritt gewagt – ob er ausreicht, bleibt abzuwarten.

Ultra Fast FashionFrankreich GesetzShein RegulierungFast Fashion VerbotProduktionsmalus ModeModebranche UmweltBilligmode Frankreich

Disclaimer