Ford und Geely verhandeln über weitreichende Partnerschaft in Europa
US-Autobauer könnte chinesischem Konzern Produktionskapazitäten überlassen – Werk Valencia im Fokus

Der US-Automobilkonzern Ford Motor Company und der chinesische Hersteller Geely intensivieren ihre Gespräche über eine strategische Allianz. Nach Informationen von acht Insidern stehen dabei zwei zentrale Themen im Mittelpunkt: die Nutzung europäischer Ford-Werke durch Geely sowie ein umfassender Technologieaustausch. Eine Ford-Delegation reiste diese Woche nach China, während sich vergangene Woche Geely-Manager mit dem Ford-Management in Michigan trafen.
Im Kern geht es darum, dass Geely Fahrzeuge in europäischen Ford-Produktionsstätten fertigen könnte. Für den chinesischen Konzern wäre dies ein strategischer Schachzug zur Umgehung der EU-Strafzölle auf chinesische Elektroautos, die bis zu 37,6 Prozent betragen. Laut Insider gilt das Ford-Werk in Valencia, Spanien, als wahrscheinlichster Standort für eine solche Kooperation.
Für Ford würde die Partnerschaft eine dringend benötigte bessere Auslastung der europäischen Produktionskapazitäten bedeuten. Der US-Konzern kämpft seit Jahren mit Überkapazitäten auf dem alten Kontinent und hat massiv Personal abgebaut. Die Fabrik in Köln, wo die Elektromodelle Capri und Explorer vom Band laufen, produziert derzeit nur noch 300 bis 350 Fahrzeuge täglich – im Vorjahr waren es noch 500 bis 600. Seit Januar läuft die Produktion nur noch in einer statt zwei Schichten.
Strategische Bedeutung für beide Partner
Die Gespräche beschränken sich nicht auf Produktionskapazitäten. Ford und Geely diskutieren auch über eine Zusammenarbeit bei Zukunftstechnologien, insbesondere beim autonomen Fahren. Für die Amerikaner geht es dabei um mehr als nur Kostenteilung – es geht ums Aufholen. Ford-Chef Jim Farley hatte den technologischen Vorsprung Chinas bei Elektroautos und vernetzten Fahrzeugen als „Lektion in Demut" bezeichnet und die Dringlichkeit betont, diese Lücke zu schließen.
Die politische Dimension der Partnerschaft ist nicht zu unterschätzen. In den USA gelten strenge Beschränkungen für chinesische Fahrzeugsoftware, eingeführt unter Präsident Joe Biden. Dessen Nachfolger Donald Trump hat jedoch Offenheit gegenüber chinesischen Herstellern signalisiert, sofern diese in den USA produzieren und Arbeitsplätze schaffen. Ein Ford-Sprecher wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern und verwies auf regelmäßigen Austausch mit verschiedenen Unternehmen.
Geely folgt Branchentrend
Mit dem Vorstoß in die europäische Produktion würde Geely einem Trend folgen, den bereits andere chinesische Hersteller eingeschlagen haben. Leapmotor lässt Fahrzeuge im Rahmen eines Joint Ventures in einem spanischen Stellantis-Werk bauen. Die Guangzhou Automobile Group und Xpeng nutzen den österreichischen Auftragsfertiger Magna für die Produktion eines Elektromodells.
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Zur AktienanalyseFür Ford könnten sich durch die Kooperation auch neue Perspektiven für weitere europäische Standorte ergeben. Das Werk in Köln wurde von den Insidern zwar nicht explizit genannt, doch die dortige Unterauslastung macht den Standort theoretisch interessant. Ende 2024 hatte Ford bereits sein Werk im Saarland geschlossen, nachdem der Verkauf an einen nie offiziell genannten Großinvestor gescheitert war – Spekulationen deuteten damals auf den chinesischen Marktführer BYD hin.
Die historische Verbindung zwischen Ford und Geely ist bereits vorhanden: 2010 übernahm der chinesische Konzern die schwedische Traditionsmarke Volvo von den Amerikanern. Eine vertiefte Partnerschaft würde diese Beziehung auf eine neue Ebene heben und beiden Konzernen helfen, ihre jeweiligen strategischen Herausforderungen zu meistern.


