Flock-CEO gesteht: Überwachungsfirma reagierte zu spät auf Polizeimissbrauch
Das US-Unternehmen Flock verschärft nach Missbrauchsfällen seine Datenschutzregeln – und der Chef gibt Fehler offen zu.

Das US-amerikanische Überwachungsunternehmen Flock Safety steht unter massivem Druck. Polizeibeamte haben die Technologie des Unternehmens genutzt, um Partner zu verfolgen, Fremde zu belästigen und in mindestens einem Fall sogar eine Frau zu überwachen, die eine Abtreibung vorgenommen hatte. Nun räumt Gründer und CEO Garrett Langley gegenüber der BBC ein, dass Flock zu lange gewartet hat, um auf diesen Missbrauch zu reagieren.
Auf die direkte Frage, ob das Unternehmen zu spät gehandelt habe, antwortete Langley knapp und unmissverständlich: „Ja. . . ja." Das Eingeständnis kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Flock neue Sicherheitsvorkehrungen einführt, um den Missbrauch seiner Technologie durch Strafverfolgungsbehörden künftig zu verhindern. Zu den Maßnahmen gehört unter anderem die Reduzierung der Datenspeicherdauer für die meisten Informationen von 30 auf sieben Tage. Zudem sollen ungewöhnliche Suchanfragen und Nutzungsmuster künftig automatisch markiert werden.
Missbrauch mit weitreichenden Folgen
Flock betreibt zehntausende Kameras, Kennzeichenlesegeräte und Drohnen in den gesamten USA. Die Technologie wird eingesetzt, um gestohlene Fahrzeuge aufzuspüren und vermisste Personen zu finden – doch die Missbrauchsfälle häufen sich. In den USA sind Polizeibeamte aufgrund des Missbrauchs dieser Technologie zurückgetreten oder entlassen worden. Ein Mann in Indiana berichtete lokalen Medien, er habe durch eine Akteneinsichtsanfrage erfahren, dass die Polizei eine Flock-Überwachung für sein Fahrzeug eingerichtet hatte – obwohl er keiner Straftat verdächtigt wurde.
Mindestens 50 Städte haben in diesem Jahr aufgrund des öffentlichen Drucks die Zusammenarbeit mit Flock beendet. Langley betonte jedoch, dass 16 dieser Städte in den vergangenen drei Monaten zum Unternehmen zurückgekehrt seien. Das Verhältnis von Neukunden zu verlorenen Kunden liege insgesamt bei 7:1, so der CEO.
Langley ändert seine Haltung grundlegend
Noch vor sechs Monaten habe er in einer Vorstandssitzung gefragt, warum Flock zunehmend in den öffentlichen Fokus gerate, sagte Langley. Damals war auch die Partnerschaft mit Ring, dem zu Amazon gehörenden Unternehmen für Türklingelkameras, zerbrochen – ausgelöst durch einen Aufschrei über einen Werbespot beim Super Bowl, der Bedenken hinsichtlich unerwünschter Überwachung auslöste.
Langley beschreibt seinen früheren Standpunkt offen: „Bisher war meine Sichtweise als CEO eines Privatunternehmens: Ich weiß nicht, ob ich diese Entscheidungen treffen sollte. Ich weiß nicht, ob es meine Aufgabe ist, festzulegen, wie lange Daten gespeichert werden sollten." Inzwischen hat er diese Haltung revidiert. Er stimmt nun Organisationen wie der American Civil Liberties Union (ACLU) und der Electronic Frontier Foundation (EFF) zu, dass die Polizei für die Durchsuchung von Flock-Daten ein aktives Aktenzeichen benötigen sollte. „Sie haben recht. Ich denke, das sollte verpflichtend sein", so Langley.
Gleichzeitig wehrt sich der CEO gegen die Darstellung, Flock sei allein für die Missstände verantwortlich. „Wir sind nur so gut wie die Daten, die wir erhalten", sagte er. „In Fällen von unrechtmäßigen Festnahmen waren die Daten fehlerhaft und der Beamte hat sich nicht an die Regeln gehalten. Aber es ist einfacher, ein Unternehmen wie uns als Sündenbock darzustellen." Langley erklärt die öffentliche Kritik auch damit, dass Flocks Kameras in Städten und Wohngebieten gut sichtbar seien: „Weil man unsere Kameras sieht, ist es einfacher, wütend zu werden."
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Zur AktienanalyseKein umfassendes Datenschutzgesetz in den USA
Der Fall Flock verdeutlicht ein strukturelles Problem: In den USA existiert kein umfassendes Bundesgesetz zum Schutz oder zur Regulierung der Erhebung, Nutzung oder des Verkaufs personenbezogener Daten. Für deutsche Leser, die mit der DSGVO vertraut sind, ist dies kaum vorstellbar. In Europa würde der beschriebene Einsatz von Überwachungstechnologie ohne klare Rechtsgrundlage und ohne strenge Zweckbindung erhebliche rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Langley beharrt dennoch darauf, dass Flocks Produkte unverzichtbar für die Kriminalitätsbekämpfung seien. Städte, die Flock nicht nutzen, würden sich faktisch dazu entscheiden, „weniger sicher zu sein", behauptete er. Eine Frau, die er kürzlich in Cleveland traf und die sich lautstark gegen Flock in ihrer Gemeinde aussprach, brachte die Skepsis vieler Bürger auf den Punkt: Die Technologie sei letztlich ein Werkzeug für die Polizei, um „ihre Macht zu missbrauchen".


