Finanzstudenten als Mentoren: Wie Business Schools Schüler fördern
Weltweit vernetzen Business Schools ihre Studierenden mit Schulen – und stärken so die Finanzkompetenz junger Menschen.

Matthew Swann studiert Rechnungswesen und Finanzen an der Bayes Business School in London. Doch neben seinem Studium engagiert er sich wöchentlich als Mentor an einer örtlichen Schule. Dort begleitet er einen Jugendlichen, der Wirtschaft und Informatik auf A-Level-Niveau belegt, und unterstützt ihn beim Aufbau von Selbstvertrauen sowie bei der beruflichen Orientierung. „Mich interessiert, wie man das Beste aus Menschen herausholt, und es hilft mir dabei, Fortschritte in der Führung von Mitarbeitern zu machen", sagt Swann.
Sein Engagement ist kein Einzelfall. Die Bayes Business School gehört zu einer wachsenden Zahl von Hochschulen weltweit, die Studierende und Lehrkräfte gezielt mit ihrem lokalen Umfeld vernetzen. Eine Umfrage der Financial Times unter Business Schools und Universitäten identifizierte fast 50 Institutionen, die sich in der Öffentlichkeitsarbeit engagieren, um die Brücke zwischen Sekundarstufe und Hochschulbildung zu schlagen. „Mentoring durch Gleichaltrige ist wirkungsvoll", sagt Simon Parker, Professor an der Bayes Business School, der das Vernetzungsprogramm leitet. „Es wäre schön, wenn andere Business Schools mehr tun würden."
Große Programme mit globaler Reichweite
Eines der größten Programme weltweit betreibt die Wharton School der University of Pennsylvania. Mehr als 2.600 Highschool-Schüler erhalten dort Zugang zu einem breiten Bildungsangebot – von Online-Kursen bis hin zu Kursen, mit denen College-Credits erworben werden können, darunter ein Kurs über die Grundlagen der persönlichen Finanzen. Allerdings fallen erhebliche Gebühren an: Der Kurs für persönliche Finanzen kostet 4.230 US-Dollar, wobei Schüler staatlicher Schulen kostenlos teilnehmen können.
Einen anderen Ansatz verfolgt das Florida International University College of Business. Es entsendet vier seiner sogenannten Truist-Fellows an Highschools im Miami-Dade County, um dort neun kostenlose 90-minütige Präsenzstunden zu Themen wie Finanzen, Budgetierung, Schulden und Berufsvorbereitung abzuhalten. Die McDonough School of Business der Georgetown University bietet über ihr Reach-Programm ebenfalls kostenlose Unterstützung an – mit besonderem Fokus auf Studierende der ersten Generation und junge Menschen aus niedrigeren sozioökonomischen Schichten.
In Portugal betreibt die Lisbon School of Economics and Management (ISEG) das Programm „Money Matters" in Zusammenarbeit mit 160 Sekundarschulen. Jährlich werden dort rund 2.000 Schüler mit 100 eigenen Studierenden und 30 Lehrkräften zusammengebracht, um Schulungen zu Investitionen, Steuern, Budgetmanagement und finanzieller Entscheidungsfindung anzubieten. Die Corvinus-Universität in Ungarn wiederum bietet jährlich etwa 1.700 Sekundarschülern kostenlose Vorbereitungskurse in Mathematik, Geschichte und Wirtschaft an.
Inklusion und soziale Verantwortung im Fokus
Besonders inklusiv gestaltet ist das Abhyudaya-Programm des SP Jain Institute of Management and Research in Mumbai. Rund 360 Studierende fungieren dort jährlich als Mentoren für Kinder aus benachbarten benachteiligten Vierteln. Programmleiterin Arati Nagaraj erklärt, dass ein Großteil der Unterstützung auf Finanzkompetenz sowie praktische Alltagshilfe ausgerichtet ist. „Familien verfügen oft nicht einmal über die ordnungsgemäßen Unterlagen, die sie für Regierungsprogramme benötigen", sagt sie. „Ich hoffe, dass eines Tages ein Sitara selbst zum Mentor wird."
In Frankreich veranstaltet die Edhec ein Sommercamp namens „Talents Lycée" und unterstützt staatlich geförderte Programme, indem sie jährlich etwa 200 Schülern aus benachteiligten Verhältnissen kostenlose Nachhilfe und Mentoring anbietet. Anne Zuccarelli, Dekanin für Bildungserfahrung, sagt, dies helfe dabei, „ihren Horizont zu erweitern, sie für die Hochschulbildung zu begeistern und ehrgeizigere Karrierewege einzuschlagen".
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Zur AktienanalyseLehrerausbildung als neuer Schwerpunkt
Neben der direkten Schülerförderung engagieren sich einige Institutionen auch in der Ausbildung von Lehrkräften. Das neue Personal Finance Teacher Training Institute der Stanford University plant einen einwöchigen Kurs – ein Schritt, der die wachsende Nachfrage widerspiegelt, da immer mehr US-Bundesstaaten die Ausbildung in persönlichen Finanzen zur Pflicht machen. Annamaria Lusardi, Direktorin der Initiative for Financial Decision-Making in Stanford, betont: „Der Bedarf an Finanzbildung war noch nie so groß; Universitäten und Business Schools spielen dabei eine wichtige Rolle."
Auch im Vereinigten Königreich ist Bewegung zu erkennen: Die Alliance Manchester Business School startete im vergangenen Jahr ein von der Bank of England unterstütztes Programm, das Lehrkräfte für den Wirtschaftsunterricht auf A-Level-Niveau ausbildet. In diesem Jahr soll das Einzugsgebiet ausgeweitet und die Teilnehmerzahl auf 50 verdoppelt werden. In Hongkong bietet die University of Science and Technology einen zweitägigen Executive-Kurs für Schulleiter sowie ein Wochenendprogramm für Schüler an. Stellvertretende Direktorin Winnie Chan fasst die Motivation treffend zusammen: „Wir sehen den Bedarf. Die Schüler sind sehr gestresst. Unsere Programme ermöglichen es ihnen, eine Pause von Lehrbüchern und Prüfungen einzulegen, um wirklich etwas Neues zu entdecken."


