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Fifas WM-Privatisierungsplan: Vier Gründe für das Scheitern

Interne Dokumente zeigen, warum Infantinos umstrittener Plan zur Teilprivatisierung der Weltmeisterschaft nie tragfähig war.

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Fifas WM-Privatisierungsplan: Vier Gründe für das Scheitern

Der Fifa liegt ein Problem: Dokumente, die der BBC vorliegen, enthüllen die Schwächen im Plan von Fifa-Präsident Gianni Infantino zur Teilprivatisierung der Fußball-Weltmeisterschaft. Die 25-seitige Verkaufspräsentation wurde diese Woche an die Fifa-Mitglieder verteilt und zeichnet ein Bild von Umsatzerwartungen auf dem Niveau des American Football. Sie enthält Bilder der spanischen Nationalmannschaft beim Heben der Trophäe sowie von argentinischen Fans – und deutet auf eine potenzielle Fortsetzung des umstrittenen, US-geprägten WM-Modells von 2026 hin.

Die Dokumente legen nahe, dass der Plan und die Argumente der Fifa nie wirklich stichhaltig waren. Die BBC hat vier zentrale Schwachstellen identifiziert, die erklären, warum das Geschäft möglicherweise gescheitert ist.

1. Die fragwürdige Behauptung, Fußball sei „untermonetarisiert"

Das zentrale Argument der Fifa in den Slides lautet: Fußball nehme im Verhältnis zu seiner Fangemeinde nicht genug Geld ein. Die Fifa sei „im Vergleich zu anderen Ligen untermonetarisiert" worden, was die „globale Fußballentwicklung unter Druck" bringe. Als Beleg dient ein Vergleichsdiagramm, das den jährlichen Umsatz sowie den Umsatz pro Fan für die Fifa, die UEFA Champions League, die Premier League, US-Baseball und die NFL zeigt.

Auf den ersten Blick erscheint die Fifa mit nur 1 US-Dollar pro globalem Fan im Vergleich zu 52,80 US-Dollar bei der NFL als „armer Cousin". Doch diese Kennzahl ist äußerst zweifelhaft: Die Weltmeisterschaft ist kein jährlicher Wettbewerb – sie findet nur alle vier Jahre statt. Würde man stattdessen den Umsatz pro Spiel der WM 2026 zugrunde legen, erzielt die Fifa ein Vielfaches der Premier League, möglicherweise sogar mehr als das Dreifache. Hinzu kommt, dass der Fußball weltweit dezentralisiert ist und ein größerer Teil der Einnahmen an einzelne Ligen fließt. Die NFL hingegen konzentriert sich auf die USA und deckt nahezu den gesamten Bereich des American Football ab. Außerdem zahlt die NFL etwa die Hälfte ihrer Einnahmen als Gehälter aus – die Fifa bezahlt weder Erling Haaland noch Lionel Messi.

2. Außergewöhnliche Ticketpreise als Ziel

Laut dem Dokument wäre die neue, teilweise privatisierte Einheit namens Fifa Forward Enterprise (FFE) zum „Organisator und Betreiber von Wettbewerben" geworden – also der Weltmeisterschaft. Sie wäre für Ticketing, Übertragung, Lizenzierung und Sponsoring verantwortlich gewesen. Dies hätte eine klare Übertragung der Organisationsgewalt von einer gemeinnützigen Organisation auf ein privat finanziertes Unternehmen bedeutet, wenn auch eines mit einer Mehrheit von Fifa-Vorstandsmitgliedern.

Die Slides formulierten das Ziel, die „Monetarisierung von Medienrechten auszuweiten und zu optimieren" sowie den „Wert des geistigen Eigentums der Fifa zu maximieren, das in der Vergangenheit untermonetarisiert wurde". Da die Fifa den NFL-Umsatz pro Fan als Maßstab hervorhob, warf dies Fragen über die Zukunft frei empfangbarer WM-Spiele auf. In Großbritannien und Europa ist dies gesetzlich geschützt, doch die digitalen Rechte werden sich in den kommenden Jahren erheblich verändern. Das Dokument suggeriert zudem das Potenzial für Tickets ab 1.000 US-Dollar sowie eine dynamische Preisgestaltung – ein Modell, das aus dem US-Sport bekannt ist.

3. Fehlende Angaben zur Lizenzzahlung

Ein weiterer kritischer Punkt: Warum versuchte die Fifa überhaupt, eine Beteiligung von 4,2 Milliarden US-Dollar (rund 3,1 Milliarden Britische Pfund bzw. 3,6 Milliarden Euro) zu verkaufen? Die Fifa hatte erklärt, der FFE eine Beteiligung von 20 Prozent einzuräumen, was anfänglich 4,2 Milliarden US-Dollar einbringen würde. Aus dem Dokument ging jedoch hervor, dass die Höhe der „jährlichen Lizenzzahlung", die FFE an die Fifa entrichten sollte, nicht klar ausgewiesen wurde – ein erhebliches Transparenzdefizit, das Kritiker und Mitglieder aufhorchen ließ.

Das Fehlen dieser zentralen Zahl macht es nahezu unmöglich, den tatsächlichen Wert des Deals für den Weltfußball zu beurteilen. Für deutsche Privatanleger und Fußballfans ist dies besonders relevant: Ein intransparentes Konstrukt, das den kommerziellen Druck auf das größte Sportereignis der Welt erhöht, könnte langfristig die Zugänglichkeit der WM für breite Bevölkerungsschichten gefährden.

Druck auf Infantino wächst

Die Veröffentlichung der Dokumente fällt in eine Zeit wachsenden Drucks auf Fifa-Präsident Infantino. Berichten zufolge hat sich der Fifa-Vorstand Stimmen angeschlossen, die Infantinos Kurs infrage stellen. Die Fifa selbst erklärte, „niemand verkaufe den Fußball", während der Plan intern offenbar weiter verfolgt wurde. Die vier aufgezeigten Schwachstellen – fragwürdige Vergleichskennzahlen, Ticketpreisdruck, fehlende Transparenz bei Lizenzzahlungen und die grundsätzliche Verschiebung von Rechenschaftspflichten – dürften die Debatte über die Zukunft der Weltmeisterschaft noch lange bestimmen.

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