Ferrari Luce: Der lange Weg zum ersten Elektroauto
Von Formel-1-Hybridtechnik bis zum Elektro-Supersportwagen – Ferraris Elektrifizierungsreise dauerte über ein Jahrzehnt.

Ferrari steht kurz vor einem historischen Meilenstein: Mit dem Luce – italienisch für „Licht" – präsentiert der italienische Sportwagenhersteller sein erstes vollelektrisches Serienmodell. Die Weltpremiere ist für das Frühjahr 2026 geplant, die Auslieferungen an Kunden sollen im Oktober 2026 beginnen. Der Weg dorthin war lang und von zahlreichen strategischen Weichenstellungen geprägt.
Die Wurzeln der Ferrari-Elektrifizierung reichen bis ins Jahr 2009 zurück. Damals führte der Rennstall in der Formel 1 Systeme zur Rückgewinnung kinetischer Energie beim Bremsen ein – sogenannte KERS-Systeme (Kinetic Energy Recovery System). Diese Rennsporttechnologie legte den Grundstein für spätere Serienmodelle mit Hybridantrieb.
Von der Rennstrecke zur Straße
Den ersten Schritt in Richtung Hybridfahrzeug für die Straße machte Ferrari 2013 mit dem LaFerrari – einem Hybrid-Kleinseriensportwagen. 2019 folgte dann der SF90 Stradale als erstes in Serie gefertigtes Hybridmodell mit 1.000 PS und Allradantrieb. In den Jahren 2021 bis 2024 erweiterte Ferrari seine Hybridpalette erheblich: Die 296-Familie, der 849 Testarossa sowie der auf 3,6 Millionen Euro limitierte Supersportwagen F80 kamen auf den Markt.
Ein entscheidender Wendepunkt war die Berufung von Benedetto Vigna als CEO im September 2021. Der Physiker, der zuvor 25 Jahre beim Chiphersteller STMicroelectronics tätig war, wurde gezielt geholt, um Ferraris Elektrifizierungsstrategie voranzutreiben. Im Juni 2022 stellte Vigna seinen ersten Mehrjahres-Geschäftsplan vor, der ambitionierte Ziele enthielt: Bis 2030 sollten Elektromodelle 40 Prozent der Produktpalette ausmachen – als Reaktion auf das faktische Verbot der Europäischen Union für Neuwagen mit Benzinmotor ab 2035. Als Zieldatum für das erste vollelektrische Ferrari-Modell nannte er das Jahr 2025.
Revidierte Ziele und neue Strategie
Die ursprünglichen Pläne mussten jedoch angepasst werden. Im November 2024 verschob Ferrari Pläne für ein zweites Elektroauto, das ursprünglich für 2026 vorgesehen war, auf mindestens 2028 – begründet durch eine fehlende Nachfrage nach Hochleistungs-Elektrofahrzeugen. Auch der Modellmix für 2030 wurde im Januar 2025 deutlich überarbeitet: Statt der ursprünglich geplanten 40 Prozent Elektroautos, 40 Prozent Hybride und 20 Prozent Verbrenner sieht der neue Plan nun 20 Prozent Elektroautos, 40 Prozent Hybride und 40 Prozent Verbrennermodelle vor.
Parallel dazu schritt die Entwicklung des Luce voran. Im Juni 2024 berichtete Reuters, dass der Preis des ersten Ferrari-Elektroautos bei mehr als 500.000 Euro liegen soll. Im selben Monat weihte Ferrari in seinem Komplex in Maranello ein neues „e-building" ein, das speziell für die Fertigung von Elektroautos, E-Fahrzeugkomponenten, Hybriden und einigen Verbrennermodellen errichtet wurde.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDer Ferrari Luce im Detail
Im Januar 2025 stellte Ferrari die Antriebstechnologie des Luce vor. Das Fahrzeug ist als viertüriger Viersitzer konzipiert und verfügt über ein speziell entwickeltes Soundsystem, das die Vibrationen des Antriebsstrangs verstärkt – um ein charakteristisches elektrisches Ferrari-Röhren zu erzeugen. Im Februar 2025 veröffentlichte Ferrari erste Teaser-Bilder und gab den Namen bekannt. An dem Projekt beteiligt ist LoveFrom, das Designstudio des ehemaligen Apple-Designers Jony Ive.
CEO Vigna erklärte nach „sehr positivem" Kundenfeedback, dass Ferrari die Vorbestellungen für den Luce im März 2025 öffnen werde. Der Luce wird in einem dreistufigen Enthüllungsprozess präsentiert, dessen Höhepunkt die Weltpremiere im Frühjahr 2026 bildet. Ferrari zeigt damit, dass auch im Supersportwagensegment die Elektromobilität Einzug hält – wenn auch zu Preisen, die weit jenseits des Massenmarkts liegen.


