Feiertagsstreichung als Wirtschaftsfaktor diskutiert
Ökonomen sehen Milliardenpotenzial – Gewerkschaften warnen vor Produktivitätsverlust

Die Diskussion über die Streichung eines Feiertags in Deutschland nimmt Fahrt auf. Wirtschaftswissenschaftler prüfen die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen eines solchen Schrittes. Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch einen zusätzlichen Arbeitstag um bis zu 8,6 Milliarden Euro steigen. Die Studie basiert auf verschiedenen Berechnungsmethoden, darunter eine Kalenderbereinigung, die jahresbedingte Schwankungen der Arbeitstage berücksichtigt. Laut IW würde ein zusätzlicher Werktag etwa 0,2 Prozent des BIP ausmachen und könnte eine zusätzliche Wirtschaftsleistung von bis zu fünf Milliarden Euro generieren.
Ein weiterer Ansatz stammt aus einem Sondergutachten des Sachverständigenrats zur Abschaffung des Buß- und Bettages. Hier wurden zwei Szenarien untersucht: eines mit Produktionsanstieg und eines mit Kostenreduzierung durch geringere Arbeitskosten. Beide Berechnungen ergaben ähnliche Ergebnisse und würden auf das heutige BIP-Niveau umgerechnet bis zu 8,6 Milliarden Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung bringen. Laut IW macht es jedoch einen erheblichen Unterschied, ob der Feiertag im Sommer oder Winter gestrichen wird. Während im Winter Witterungsbedingungen ohnehin Einschränkungen in der Bauwirtschaft verursachen, wäre der wirtschaftliche Effekt im Sommer größer.
IW-Experte Christoph Schröder sieht die Notwendigkeit, mehr statt weniger zu arbeiten, als zentrale Herausforderung der Zukunft. Der demografische Wandel führe dazu, dass mehr Arbeitnehmer in Rente gingen, als jüngere nachrückten. Eine Reduzierung von Feiertagen könne dazu beitragen, dem entgegenzuwirken. Diese Auffassung teilt auch die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer. Sie spricht sich für die Abschaffung eines Feiertags zur Finanzierung der Krisenlasten aus und verweist auf das Beispiel Dänemarks, wo der "Store bededag" gestrichen wurde, um Verteidigungsausgaben zu finanzieren.
Auch der Präsident des ifo Instituts, Clemens Fuest, bekräftigt diese Forderung. Er begründet seine Position mit dem Arbeitskräftemangel und der steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften. Schuldenfinanzierte staatliche Ausgaben würden die Nachfrage zusätzlich erhöhen, während gleichzeitig das Arbeitsangebot steigen müsse. Neben dem Abbau von Bürokratie könnte die Streichung eines Feiertags eine Maßnahme sein, um das Arbeitsangebot auszuweiten.
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Zur AktienanalyseDer Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hingegen lehnt den Vorschlag entschieden ab. Laut DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel würde eine solche Maßnahme die Wirtschaft nicht stärken. Feiertage seien ein wesentlicher Bestandteil der Arbeitskultur und dienten der Erholung der Beschäftigten, was langfristig auch der Produktivität zugutekomme. Zudem würden Arbeitnehmer bereits über ihre reguläre Arbeitszeit hinaus zur Wirtschaftsleistung beitragen, was sich in einer hohen Anzahl unbezahlter Überstunden widerspiegele.


