Fed-Zinspause wahrscheinlicher: Märkte rechnen mit Ende der Zinserhöhungen
Händler sehen wachsende Chancen, dass die US-Notenbank die Zinsen bis Jahresende nicht mehr anhebt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve die Zinsen bis zum Jahresende unverändert lässt, ist unter Händlern deutlich gestiegen. Laut Daten der CME Group stellt dies eine bemerkenswerte Veränderung gegenüber dem Vormonat dar, als diese Wahrscheinlichkeit noch bei rund 11 Prozent lag. Die Stimmung an den Märkten hat sich damit spürbar gewandelt.
Ausgelöst wurde diese Neubewertung durch eine Reihe schwächer als erwartet ausgefallener Wirtschaftsdaten. Zum einen enttäuschte der jüngste Arbeitsmarktbericht die Erwartungen der Analysten. Zum anderen signalisierten die zuletzt veröffentlichten Verbraucherpreisdaten (VPI) einen moderaten Rückgang der Inflation in den USA. Händler schlussfolgern daraus, dass die US-Notenbank über mehr geldpolitischen Spielraum verfügt, als bislang angenommen.
Zinserhöhung bleibt das wahrscheinlichste Szenario
Trotz der veränderten Markterwartungen gilt eine weitere Zinserhöhung im Jahresverlauf weiterhin als das wahrscheinlichste Szenario. Die Debatte dreht sich also weniger um ein „Ob" als vielmehr um ein „Wann" – und ob die Fed überhaupt noch handeln muss. Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung von Bedeutung, da US-Zinsentscheidungen globale Kapitalmärkte, Wechselkurse und Anleihemärkte maßgeblich beeinflussen.
Ein weiterer wichtiger Datenpunkt steht mit der Veröffentlichung des Erzeugerpreisindex (PPI) an. Dieser Bericht wird um 8:30 Uhr Ortszeit (ET) veröffentlicht und gilt als bedeutsam, weil einige der darin enthaltenen Daten direkt in die Berechnung des von der Fed bevorzugten Inflationsmaßes einfließen: den Preisindex für persönliche Konsumausgaben, kurz PCE.
PCE als entscheidender Maßstab der Fed
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDer PCE-Index ist für die Geldpolitik der Federal Reserve von zentraler Bedeutung. Anders als der bekannte Verbraucherpreisindex (VPI) berücksichtigt der PCE die tatsächlichen Ausgabengewohnheiten der Konsumenten dynamischer und gilt daher als präziseres Maß für die Preisentwicklung. Die Fed orientiert sich bei ihren Zinsentscheidungen maßgeblich an diesem Indikator, weshalb die heutigen Erzeugerpreisdaten als wichtiger Vorläufer genau beobachtet werden.
Für Anleger bedeutet die aktuelle Entwicklung: Die Unsicherheit über den weiteren Zinskurs der Fed bleibt hoch. Wer auf Anleihen, Aktien oder den US-Dollar setzt, sollte die kommenden Datenpunkte – insbesondere den PPI und den nächsten PCE-Bericht – aufmerksam verfolgen. Die Märkte reagieren sensibel auf jede neue Information, die Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs der mächtigsten Notenbank der Welt liefert.


