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Fed vor heikler Zinssenkung – Märkte setzen auf Cut, fürchten Spaltung

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Fed vor heikler Zinssenkung – Märkte setzen auf Cut, fürchten Spaltung

Anleger preisen in den USA und Europa eine Zinssenkung um 25 Basispunkte fast vollständig ein – doch der Konflikt im FOMC, Trumps Druck auf die Notenbank und der Ausblick für 2026 sorgen für Nervosität an Wall Street und im DAX.

Die Börsen treten vor der mit Spannung erwarteten Zinssitzung der US-Notenbank Fed auf die Bremse. In den USA ziehen sich Anleger zum Wochenstart aus Aktien zurück, während der DAX die Marke von 24.000 Punkten nur mit Mühe verteidigt. Im Mittelpunkt steht eine Zinssenkung zur Wochenmitte, die an den Märkten mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 90 Prozent erwartet wird – und doch als eine der umstrittensten Fed-Entscheidungen seit Jahren gilt.

Die US-Notenbank kommt am Dienstag und Mittwoch (9./10. Dezember) zu ihrer letzten Sitzung des Jahres zusammen. Den Zinsentscheid und das Statement legt die Fed am Mittwoch um 20.00 Uhr MEZ vor, die Pressekonferenz von Jerome Powell beginnt um 20.30 Uhr.

Analysten der Deutschen Bank verweisen darauf, dass vier oder mehr Abweichler im geldpolitischen Ausschuss FOMC die größte Spaltung seit 1992 markieren würden. Nach Einschätzung des Brokers Pepperstone dürfte die Abstimmung sogar dreigeteilt ausfallen: Gouverneur Stephen Miran plädiert demnach für einen größeren Schritt von 50 Basispunkten, mindestens drei Entscheidungsträger wollen die Zinsen unverändert lassen, die Mehrheit tendiert zur Standardvariante eines Cuts um 25 Basispunkte. Brisant ist, dass Miran als enger Vertrauter von US-Präsident Donald Trump gilt – Trump drängt seit längerem auf eine „sehr große“ Zinssenkung.

Zuletzt veröffentlichte Konjunkturdaten hatten eine moderate Zunahme der Konsumausgaben signalisiert. Das stützt die Erwartung, dass die Fed stärker den Arbeitsmarkt stützen will. Gleichzeitig erweist sich die Inflation als hartnäckig, was viele Währungshüter bislang zur Vorsicht zwingt. Die Märkte werden daher am Mittwoch nicht nur den Zinsentscheid, sondern vor allem die Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell sezieren – und nach Hinweisen auf den Kurs im Jahr 2026 suchen. Aus Marktsicht sind derzeit drei weitere Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte im kommenden Jahr eingepreist.

Wall Street im Minus, Renditen steigen

An der Wall Street überwog zum Wochenstart der Rückzug aus Risikoanlagen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 0,5 Prozent auf 47.739 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq gaben ebenfalls leicht nach und schlossen bei 6846 beziehungsweise 23.545 Zählern. An der Nyse standen 958 Gewinnern 1812 Verlierer gegenüber, 59 Titel gingen unverändert aus dem Handel.

Am US-Anleihemarkt setzten sich derweil die Renditeanstiege fort: Zehnjährige Treasuries kletterten um 3 Basispunkte auf 4,18 Prozent. Der stärkere Dollar folgte den höheren Marktzinsen, der Euro wurde zuletzt um 1,1638 bis 1,1644 Dollar gehandelt. Der Goldpreis gab leicht nach.

Die Rohölpreise drehten nach einem Zwischenhoch zum Wochenschluss um rund zwei Prozent nach unten. Zuvor hatten sie den höchsten Stand seit mehr als zwei Wochen markiert, getrieben unter anderem von ukrainischen Angriffen auf russische Ölanlagen und stockenden Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs.

Für zusätzliche Unsicherheit sorgte ein schweres Erdbeben vor der Pazifikküste Japans. Der Dollar legte gegenüber dem Yen auf etwa 155,84 Yen zu. Analysten halten es für möglich, dass die Bank of Japan die für kommende Woche erwartete Zinserhöhung verschiebt. Die Aussicht auf eine Zinswende in Japan hatte zuletzt zu einem Ausverkauf bei Staatsanleihen geführt.

DAX hält 24.000 Punkte – Rallye an der „Wand des Zweifels“

Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich im Vorfeld der Fed-Entscheidung robuster, doch Euphorie kommt nicht auf. Der DAX behauptete die am Freitag zurückeroberte 24.000-Punkte-Marke und schloss nach anfänglichen Gewinnen mit 24.046 Punkten, einem Plus von 0,07 Prozent. Das Tageshoch lag bei 24.117 Punkten. Marktteilnehmer sprechen von einem zurückhaltenden Geschäft und verweisen ebenfalls auf die US-Notenbank, die am Mittwochabend ihren Zinsentscheid verkünden wird.

Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets betont, eine Zinssenkung sei inzwischen zu 90 Prozent eingepreist, „kaum jemand“ zweifle noch daran. Entscheidend sei weniger der Schritt selbst als der Ausblick auf 2026. Die Märkte sähen derzeit drei weitere Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte voraus. Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, argumentiert, niemand werde überrascht sein, wenn die Fed die Zinsen senkt – die Notenbank müsse es aber schaffen, den Märkten die Hoffnung auf weitere Lockerungsschritte im kommenden Jahr nicht zu nehmen.

Maximilian Wienke von eToro beschreibt die Lage als Balanceakt: Die Fed jongliere mit mehreren Risiken gleichzeitig, die Positionen innerhalb der Notenbank seien so weit auseinander wie selten zuvor. Im Rückblick hatten die Währungshüter bereits Ende Oktober den Leitzins trotz hartnäckiger Inflation um einen Viertelprozentpunkt gesenkt, um Schwächesignale vom Arbeitsmarkt aufzufangen.

Am deutschen Markt spricht Stanzl von einer Rallye, die an einer „Wand des Zweifels“ nach oben klettert. Viele Anleger bleiben skeptisch, wie auch Thomas Altmann von QC Partners betont: Sobald die Kurse steigen, würden Investoren vorsichtiger, große neue Risiken wolle derzeit kaum jemand eingehen.

Exportflaute und Stahltitel im Fokus

Konjunkturseitig richtet sich der Blick hierzulande auf die deutschen Exportdaten für Oktober. Ökonomen erwarten einen Rückgang der Warenausfuhren um 0,5 Prozent zum Vormonat, nachdem die Exporte im September noch um 1,4 Prozent zugelegt hatten. Belastet wird die Außenwirtschaft vor allem vom schwächeren Geschäft mit den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, den USA und China.

Auf Unternehmensebene steht Thyssenkrupp im Fokus. Der Industriekonzern legt die Bilanz für das Geschäftsjahr 2024/25 vor. Anleger werden genau darauf achten, ob das Unternehmen zur Dividendenausschüttung zurückkehrt, welche Prognosen für das kommende Jahr ausgegeben werden und wie der Stand der Gespräche mit dem indischen Konzern Jindal Steel International ist. Jindal hat ein Angebot für die angeschlagene Stahlsparte Thyssenkrupp Steel Europe vorgelegt.

Für ein Kursfeuerwerk sorgte der Stahlhändler Klöckner & Co. Die Aktie sprang zeitweise um fast 30 Prozent nach oben. Der im SDAX notierte Konzern bestätigte Übernahmegespräche mit dem US-Unternehmen Worthington Steel, das derzeit die Bücher der Düsseldorfer prüft. Nach einer Reihe schwacher Nachrichten aus der Branche sorgte die Aussicht auf einen Deal für spürbare Erleichterung unter Investoren.

M&A-Fantasie in den USA: Warner, Paramount, Netflix

In den USA prägen Übernahmefantasien und Großdeals das Bild im Einzelwertesegment. Warner Bros Discovery legte um 4,4 Prozent zu, nachdem Paramount Skydance ein feindliches Übernahmeangebot im Volumen von 108,4 Milliarden Dollar vorgelegt hatte. Ziel ist es, den Rivalen Netflix auszustechen, der in der vergangenen Woche einen 72-Milliarden-Dollar-Deal über die Übernahme großer Teile von Warner angekündigt hatte.

Paramount-Aktien gewannen mehr als neun Prozent, während Netflix um 3,4 Prozent nachgaben. Analyst Adam Sarhan von 50 Park Investments hält bei finanzstarken Unternehmen wie Paramount und Netflix einen Bieterwettstreit für möglich, der den Unternehmenswert des erfolgreichen Bieters steigern könne – solange nicht zu viel gezahlt werde. US-Präsident Trump, dem enge Beziehungen zu Paramount-Chef Ellison und dessen Vater nachgesagt werden, hatte am Wochenende angekündigt, sich in den geplanten Netflix-Warner-Deal einzumischen und sich kritisch geäußert.

Tech, Chips und Pharma: Nvidia, Tesla, Confluent & Co.

Zu den auffälligsten Gewinnern an der Wall Street gehörte der Dateninfrastruktur-Spezialist Confluent. Die Aktien schnellten um 29 Prozent in die Höhe, nachdem der Technologiekonzern IBM die Übernahme von Confluent für rund elf Milliarden Dollar angekündigt hatte.

Nvidia legten im regulären Handel um 1,7 Prozent zu, gestützt durch Berichte, wonach das Unternehmen bald die Genehmigung erhalten könnte, KI-Chips nach China zu exportieren. In der Folge drehten auch andere Halbleiterwerte wie AMD (+1,4 Prozent) und Broadcom (+2,8 Prozent) ins Plus. Im Nachrichtenfluss wurde später konkret: Trump erlaubt Nvidia den Export leistungsstärkerer H200-Chipsysteme der vorherigen Hopper-Generation nach China. 25 Prozent der Erlöse sollen an den US-Staat gehen. Für die aktuelle Chipgeneration Blackwell und die kommende Rubin-Architektur gilt die Vereinbarung nicht. Zuvor hatte Nvidia lediglich abgespeckte H20-Chips nach China liefern dürfen, bevor die US-Regierung den Export zeitweise vollständig untersagte. Nach der Lockerung mit Erlösbeteiligung der US-Seite hatten chinesische Behörden Unternehmen sogar angewiesen, die nun deutlich leistungsschwächeren H20-Chips nicht mehr zu kaufen.

Im Autosektor mussten vor allem Tesla Federn lassen. Die Papiere fielen nach einer Herabstufung durch Morgan Stanley auf „Equal-Weight“ um 3,4 Prozent. Die Analysten begründeten den Schritt mit der langsameren Einführung von Elektrofahrzeugen und volatilen Handelsaussichten für die kommenden zwölf Monate. Lucid wurde vom gleichen Haus auf „Untergewichten“ gesetzt, die Aktie verlor 4,9 Prozent.

Im Chipsektor gerieten Marvell Technology unter Druck, die Titel sackten nach dem Entzug der Kaufempfehlung durch Benchmark Research um sieben Prozent ab.

Für Kurskapriolen sorgte erneut der Gesundheitssektor. Structure Therapeutics explodierten um 102 Prozent, nachdem Studiendaten eines Medikamentenkandidaten zur Gewichtsreduktion veröffentlicht worden waren, die mit einer experimentellen Pille von Eli Lilly vergleichbar sein sollen, die im kommenden Jahr auf den Markt kommen könnte. Eli Lilly gaben in der Folge um 1,3 Prozent nach. Positive Studiendaten eines entzündungshemmenden Wirkstoffkandidaten trieben die Aktien von Kymera Therapeutics um 41,5 Prozent nach oben.

Auch Indexanpassungen wirkten sich spürbar aus: Carvana gewann 12,1 Prozent, CRH 5,9 Prozent, während Comfort Systems USA leicht um 1,2 Prozent nachgaben. Alle drei Titel werden am 22. Dezember in den marktbreiten S&P 500 aufgenommen. Im Gegenzug müssen LKQ (-2,0 Prozent), Solstice Advanced Materials (-0,9 Prozent) und Mohawk Industries (-1,8 Prozent) den Index verlassen.

Mit Blick auf die kommenden Tage bleibt der Taktgeber jedoch eindeutig die Fed. Die Zinssenkung selbst gilt als nahezu ausgemacht – entscheidend für den weiteren Kurs an Wall Street, im DAX und an den Devisen- und Anleihemärkten wird sein, wie gespalten das Signal aus dem FOMC ausfällt und welchen Pfad die Notenbanker für 2026 skizzieren.

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