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Fed unter Warsh: Weniger Sitzungen, mehr Unsicherheit für Märkte

Fed-Chef Kevin Warsh erwägt, die Zahl der jährlichen FOMC-Sitzungen zu reduzieren – mit potenziell erheblichen Folgen für Anleihe- und Aktienmärkte.

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Fed unter Warsh: Weniger Sitzungen, mehr Unsicherheit für Märkte

Die US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh könnte künftig seltener tagen als bisher. Zu den bereits eingeleiteten Maßnahmen, die den Einfluss der Fed auf die Finanzmärkte verringern sollen, kommt nun die Möglichkeit hinzu, den langjährigen Rhythmus von acht Sitzungen des Offenmarktausschusses (Federal Open Market Committee, FOMC) pro Jahr zu reduzieren. Eine Fed-Quelle bezeichnete diesen Schritt allerdings als „weitgehend hypothetisch".

Seit seinem Amtsantritt im Mai hat Warsh mehrere Maßnahmen umgesetzt, die mit der jahrzehntelangen Kommunikationskultur der Fed brechen. Er schränkte die sogenannte Forward Guidance ein – also die Signale der Notenbank zu künftigen Zinsschritten –, verkürzte die Erklärungen nach den Sitzungen drastisch und gab bei seinen bisherigen zwei Pressekonferenzen bewusst kryptische und ausweichende Antworten. Zusätzlich setzte er fünf Task Forces ein, die auf ein grundlegendes Überdenken des Fed-Ansatzes in Bezug auf Politik, Kommunikationsstrategie und Datennutzung abzielen.

Historischer Kontext: Wie oft tagte die Fed früher?

Die Fed hat über die Jahrzehnte verschiedene Sitzungsstrategien angewandt. Bis Anfang der 1980er-Jahre tagte sie fast monatlich, bevor sie unter dem ehemaligen Vorsitzenden Paul Volcker auf acht Sitzungen pro Jahr umstellte. Es steht der Fed zudem jederzeit frei, eine außerordentliche Sitzung einzuberufen – allerdings würde ein solcher Schritt am Markt als Notfallmaßnahme gewertet und entsprechende Reaktionen auslösen.

Innerhalb der Fed gibt es durchaus Offenheit für eine Überprüfung des Sitzungskalenders. Der Präsident der Minneapolis Fed, Neel Kashkari, erklärte gegenüber CNBC, er stehe einer solchen Überprüfung offen gegenüber. Die Präsidentin der Philadelphia Fed, Anna Paulson, äußerte sich ähnlich: „Es ist gesund, eine gute Diskussion darüber zu führen." Andere Fed-Experten halten weniger Sitzungen pro Jahr für keine große Sache – einer von ihnen hatte einst sechs Sitzungen pro Jahr vorgeschlagen, jeweils mit Pressekonferenz und einer Aktualisierung der wirtschaftlichen Projektionen (Summary of Economic Projections).

Märkte reagieren bislang gelassen – doch Risiken bleiben

Bislang haben die Märkte auf Warshs neuen Kurs vergleichsweise ruhig reagiert. Der Dow Jones Industrial Average legte seit Warshs Amtsübernahme von Jerome Powell am 22. Mai rund 3.500 Punkte oder 7 Prozent zu. Auch die Anleiherenditen stiegen nur moderat: Die zinssensitive zweijährige US-Treasury-Rendite erhöhte sich um etwa 8 Basispunkte, die richtungsweisende zehnjährige Rendite in ähnlichem Ausmaß.

Dennoch wächst bei einigen Marktteilnehmern die Sorge. Warsh hat sich kritisch über den sogenannten „Dot Plot" geäußert – die grafische Darstellung der Zinserwartungen einzelner Notenbanker – und sich geweigert, seinen eigenen Punkt einzureichen, als der FOMC das Raster zuletzt im Juni aktualisierte. Das Informationsvakuum, das durch noch weniger Sitzungen entstehen würde, schürt Befürchtungen, dass ein Markt, der jahrzehntelang auf Fed-Signale angewiesen war, künftig über die Geldpolitik rätseln muss.

Komal Sri-Kumar, Präsident von Sri-Kumar Global Strategies, warnt vor einem möglichen „Bear Steepener": einem Szenario, in dem die langfristigen Renditen schneller steigen als die kurzfristigen Zinsen. Die Implikation wäre, dass Rentenanleger davon ausgehen, die Fed halte die kurzfristigen Zinsen niedrig und lasse damit die Inflationserwartungen steigen.

Schuldenfinanzierung als kritischer Faktor

Besonders heikel ist die Lage angesichts der US-Staatsverschuldung. Die USA kämpfen mit den Finanzierungskosten für ausstehende Staatsanleihen im Besitz der Öffentlichkeit in Höhe von 31,1 Billionen US-Dollar. Das Finanzministerium schätzt, dass es allein in diesem Jahr 1,3 Billionen US-Dollar für Schuldenfinanzierungskosten ausgeben wird – ein Betrag, der bei steigenden Renditen weiter zunehmen würde. Finanzminister Scott Bessent bezeichnete Warshs Ansatz bei einem CNBC-Auftritt als „Entzugskur" für die Märkte.

Ob der neue Kurs der Fed langfristig funktioniert, ist nach so kurzer Zeit noch nicht absehbar. Ein wichtiger Gradmesser steht bevor: Ende August hält die Fed ihr jährliches Treffen in Jackson Hole, Wyoming, ab – ein Anlass, den frühere Vorsitzende traditionell nutzten, um neue geldpolitische Agenden vorzustellen. Alle Augen werden auf Warshs Rede gerichtet sein.

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