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Fed-Stresstest: US-Banken erwarten grünes Licht für Kapitalrückgaben

Die Federal Reserve veröffentlicht Stresstestergebnisse für 32 US-Großbanken – mit weniger dramatischen Auswirkungen als in den Vorjahren.

Fed-Stresstest: US-Banken erwarten grünes Licht für Kapitalrückgaben

Die US-Finanzmärkte erhalten am Mittwoch einen neuen Einblick in die Verfassung der größten amerikanischen Banken. Die Federal Reserve veröffentlicht die Ergebnisse ihres jüngsten Stresstests für insgesamt 32 Institute, darunter Schwergewichte wie JPMorgan und Bank of America. Experten erwarten jedoch weniger dramatische Ergebnisse als in den Vorjahren.

Ein entscheidender Unterschied zu früheren Runden: Die Fed hat bereits im Februar angekündigt, die diesjährigen Testergebnisse nicht zur Aktualisierung des sogenannten Stresskapitalpuffers (Stress Capital Buffer) der einzelnen Institute zu nutzen. Dieser Puffer ist eine zusätzliche Kapitalschicht, die Großbanken vorhalten müssen und die je nach Abschneiden beim Test variiert. Da die Puffer nun stabil bleiben, verfügen die Banken bereits über alle notwendigen Informationen für ihre Kapitalplanung.

Moderate Dividenden und Aktienrückkäufe erwartet

Analysten von Raymond James rechnen nach den Tests mit moderaten Dividenden- und Aktienrückkaufplänen der meisten Banken. Gleichzeitig weisen sie auf mögliche Zurückhaltung hin: „Trotz des entgegenkommenden regulatorischen Umfelds glauben wir, dass einige Managementteams angesichts der erwähnten geopolitischen und makroökonomischen Unsicherheiten sowie des Inflationsdrucks etwas konservativ agieren könnten", schrieben die Analysten in einer Mitteilung vor den Ergebnissen.

Für deutsche Anleger ist dieser Aspekt besonders relevant: Aktienrückkäufe und Dividendenerhöhungen amerikanischer Großbanken sind ein wichtiger Indikator für die Stabilität des globalen Finanzsystems und beeinflussen auch europäische Märkte direkt.

Viele Banken dürften mit der konkreten Anpassung ihrer Kapitalpläne allerdings noch abwarten. Laut Analysten warten die Institute darauf, dass die Aufsichtsbehörden mehrere neue, von der Branche befürwortete Kapitalregeln abschließend umsetzen. Im Mittelpunkt steht dabei der sogenannte Basler Vorschlag zum risikobasierten Kapital. Diese Änderungen könnten Milliarden US-Dollar an zusätzlichem Kapital freisetzen, das die Banken entweder an Anleger zurückgeben oder in ihr Geschäft investieren könnten.

Branche gut kapitalisiert – Deregulierung als Rückenwind

Die Analysten von KBW zeichnen in ihrem Ausblick auf die Stresstests ein positives Bild der Branche: „Die Branche ist kapitalmäßig gut aufgestellt, da alle Institute über überschüssiges Kapital im Verhältnis zu den impliziten Pro-forma-Zielkapitalquoten und -anforderungen verfügen, während die Branche weiterhin in der Lage ist, von der Deregulierungsdynamik zu profitieren", schrieben die Analysten.

Hintergrund der veränderten Vorgehensweise ist eine grundlegende Überarbeitung des Stresstest-Verfahrens durch die Fed. Die Notenbank reagiert damit auf jahrelange Kritik der Bankenbranche, die die Prüfungen als intransparent und subjektiv bezeichnet hatte. Da die Zentralbank noch Rückmeldungen zu ihren Plänen für mehr Transparenz einholt, entschieden sich die Fed-Vertreter dafür, die Kapitalniveaus auf Basis der letztjährigen Prüfung stabil zu halten.

Die Ergebnisse des Stresstests wurden um 16:00 Uhr Ortszeit (20:00 Uhr GMT) veröffentlicht. Ein Sprecher der Fed lehnte eine Stellungnahme vor der Bekanntgabe ab. Für Investoren und Marktbeobachter weltweit gelten die jährlichen Fed-Stresstests als wichtiger Gradmesser für die Widerstandsfähigkeit des amerikanischen Bankensektors gegenüber wirtschaftlichen Schocks.

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