Fed-Protokoll: Mehrheit für Zinserhöhungen bei anhaltender Inflation
Das April-Protokoll der US-Notenbank zeigt: Eine Mehrheit der FOMC-Mitglieder hält weitere Zinserhöhungen für wahrscheinlich angemessen.

Eine Mehrheit der US-Währungshüter hält Zinserhöhungen für wahrscheinlich angemessen, sollte die Inflation weiterhin hartnäckig über 2 Prozent verharren. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll der Fed-Sitzung vom April hervor. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve (FOMC) hatte den Leitzins Ende April zum dritten Mal in Folge unverändert in einer Spanne von 3,50 % bis 3,75 % belassen.
Der damalige Fed-Vorsitzende Jerome Powell erklärte nach der Sitzung, die Zentralbank befinde sich in einer „guten Position, um sich in beide Richtungen zu bewegen" – also sowohl Zinssenkungen als auch Zinserhöhungen seien möglich. Als entscheidender Faktor gilt dabei die Entwicklung der Ölpreise infolge des Krieges im Iran und dessen Auswirkungen auf die Inflation.
Inflationsdaten verschärfen den Druck
Die US-Wirtschaftsdaten seit der April-Sitzung unterstreichen die Sorgen der Notenbanker. Das Wachstum des jährlichen Gesamtverbraucherpreisindex (CPI) erreichte im vergangenen Monat den höchsten Stand seit Mai 2023. Gleichzeitig verzeichnete der jährliche Gesamterzeugerpreisindex (PPI) den stärksten Anstieg seit Dezember 2022 – beides maßgeblich getrieben durch die sprunghaft gestiegenen Ölpreise.
Marktteilnehmer und Beobachter der Geldpolitik reagierten auf diese Daten mit einer Neubewertung ihrer Zinserwartungen. Laut dem CME FedWatch Tool schraubten sie ihre Erwartungen für Zinserhöhungen durch die US-Notenbank nach oben. Das Protokoll bestätigt nun, dass auch innerhalb des FOMC Zinserhöhungen aktiv diskutiert wurden.
Im Wortlaut des Protokolls heißt es: „Die anhaltend hohen Inflationswerte zusammen mit der Ungewissheit über die Dauer und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Nahostkonflikts könnten es erforderlich machen, den aktuellen geldpolitischen Kurs länger als bisher angenommen beizubehalten." Dabei wurde ausdrücklich auf die gestiegenen Ölpreise als Treiber der Gesamtinflation hingewiesen.
Vier Gegenstimmen – höchster Wert seit 1992
Bemerkenswert ist die ungewöhnlich hohe Zahl an Gegenstimmen bei der April-Entscheidung: Vier FOMC-Mitglieder stimmten gegen die Beibehaltung des Leitzinses – der höchste Wert seit einer Notenbanksitzung im Oktober 1992. Gouverneur Stephen Miran, der inzwischen aus dem Fed-Board ausgeschieden ist, sprach sich für eine Senkung um 25 Basispunkte aus. Die drei Präsidenten regionaler Fed-Banken – Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan – stimmten zwar für eine unveränderte Rate, lehnten jedoch die Aufnahme einer sogenannten Lockerungstendenz (Easing Bias) in die offizielle FOMC-Erklärung ab.
Das Protokoll zeigt zudem, dass „viele Teilnehmer" es vorgezogen hätten, die Formulierung aus der Erklärung zu streichen, die eine Lockerungstendenz hinsichtlich künftiger Zinsentscheidungen suggerierte. Dies unterstreicht den insgesamt restriktiven Ton innerhalb des Ausschusses.
Guy LeBas, Chefstratege für festverzinsliche Wertpapiere bei Janney, kommentierte das Protokoll auf X: „Das Fed-Protokoll entsprach in etwa den Erwartungen – ein falkenhafter Tenor, der im Einklang mit den drei Gegenstimmen bei der April-Abstimmung steht." Die Aussage, dass eine Mehrheit Zinserhöhungen für gerechtfertigt halte, wenn die Inflation über 2 % verharrt, bezeichnete er als „eine Art Selbstverständlichkeit". „Das ist die Aufgabe der Fed. Wenn die Inflation steigt, erhöhen sie die Zinsen", so LeBas.
Führungswechsel an der Fed-Spitze
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Zur AktienanalyseDas Protokoll erscheint in einer Phase des Umbruchs bei der Federal Reserve. Die Amtszeit von Jerome Powell als Fed-Vorsitzender endete am vergangenen Freitag. Er soll durch Kevin Warsh ersetzt werden, der von Präsident Donald Trump nominiert wurde. Bis zur Vereidigung von Warsh fungiert Powell als Vorsitzender pro tempore.
Warsh übernimmt das Amt zu einem Zeitpunkt, an dem Trump die Zentralbank öffentlich und wiederholt zu Zinssenkungen gedrängt hat. Der Präsident bezeichnete Powell unter anderem als „zu spät" und ließ seine Regierung eine Untersuchung gegen die Fed einleiten. Bei seiner Anhörung im Senat erklärte Warsh jedoch, er werde die Unabhängigkeit der Zentralbank wahren und habe Trump keine Versprechen über Zinssenkungen gegeben.
Die Analysten der Citi zeigen sich dennoch verhalten optimistisch: „Wir erwarten keinen falkenhaften Schwenk von Warsh, sondern glauben stattdessen, dass er weiterhin künftige Zinssenkungen unterstützen wird." Für Anleger bleibt die Frage entscheidend, wie wahrscheinlich eine tatsächliche Zinserhöhung ist – eine Frage, die auch das April-Protokoll nicht abschließend beantwortet.


