Fed-Musalem fordert frühe Zinserhöhungen zur Stärkung der Inflationsglaubwürdigkeit
Der Ausverkauf bei US-Staatsanleihen zeigt laut St. Louis Fed-Chef Musalem, dass die Fed ihre Glaubwürdigkeit im Inflationskampf verdienen muss.

Der Präsident der St. Louis Fed, Alberto Musalem, hat sich klar für frühe und schrittweise Zinserhöhungen ausgesprochen. In einem Interview mit der Financial Times erklärte er, der jüngste Ausverkauf bei US-Staatsanleihen signalisiere die Notwendigkeit für die Federal Reserve, sich ihre „Glaubwürdigkeit" im Kampf gegen die Inflation zu verdienen.
„Zum jetzigen Zeitpunkt sind frühere, schrittweise und graduelle Zinsmaßnahmen vorzuziehen, weniger kostspielig und weniger störend als potenziell spätere, umfangreichere und abruptere Maßnahmen", sagte Musalem gegenüber der FT. Damit unterstrich er die Dringlichkeit eines proaktiven geldpolitischen Handelns, bevor sich Inflationserwartungen weiter verfestigen.
Musalem, der in diesem Jahr kein stimmberechtigtes Mitglied des Offenmarktausschusses (FOMC) ist, gab an, bei der dieswöchigen geldpolitischen Sitzung eine „Präferenz" für eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt geäußert zu haben. Das FOMC hatte die Zinsen auf dieser Sitzung jedoch unverändert gelassen.
Drei Gegenstimmen und steigende Anleiherenditen
Die Entscheidung, die Geldpolitik unverändert zu lassen, war alles andere als einstimmig. Drei der zwölf FOMC-Mitglieder stimmten dagegen und forderten stattdessen eine sofortige Anhebung um einen Viertelprozentpunkt. Die drei Dissidenten äußerten am Freitag ihre Besorgnis, dass die Inflation ohne eine unmittelbare Erhöhung der kurzfristigen Kreditkosten weiterhin über dem Fed-Zielwert von 2 Prozent verharren werde – einem Niveau, das die US-Inflation seit mehr als fünf Jahren überschreitet.
Die Zinsentscheidung sowie ein Hinweis von Fed-Chef Kevin Warsh, dass die Zentralbank eine Änderung ihrer Inflationsziele in Betracht ziehen könnte, sorgten für erhebliche Bewegung am Anleihenmarkt. Die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen stiegen in der Folge auf über 5,2 Prozent – ein 19-Jahres-Hoch. Für deutsche und europäische Anleger ist dies bedeutsam, da steigende US-Renditen globale Kapitalströme beeinflussen und Druck auf andere Anleihemärkte ausüben können.
Markt erwartet Zinserhöhung im September
Die Finanzmärkte haben auf die jüngsten Entwicklungen bereits reagiert. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group preisen Händler derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September ein. Dies zeigt, dass eine breite Mehrheit der Marktteilnehmer davon ausgeht, dass die Fed ihren Zinserhöhungskurs in naher Zukunft wieder aufnehmen wird.
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Zur AktienanalyseDie Debatte innerhalb des FOMC spiegelt eine tiefere Spannung in der US-Geldpolitik wider: Einerseits besteht die Gefahr, durch zu frühe Zinserhöhungen das Wirtschaftswachstum abzuwürgen. Andererseits riskiert die Fed, durch zu langes Abwarten ihre Glaubwürdigkeit als Hüterin der Preisstabilität zu verspielen. Musalems Aussagen machen deutlich, dass er das zweite Risiko derzeit für gravierender hält.
Für Anleger in Deutschland und Europa bleibt die Entwicklung der US-Geldpolitik ein zentraler Faktor. Ein anhaltend hohes Zinsniveau in den USA stärkt den US-Dollar, beeinflusst die Bewertung internationaler Aktien und setzt Schwellenländer unter Druck. Die kommenden FOMC-Sitzungen dürften daher auch hierzulande mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden.


