Fed-Gouverneurin Bowman warnt vor längerem Energieschock und Inflationsrisiken
Fed-Gouverneurin Bowman sieht anhaltende Energiepreisschocks als möglichen Auslöser für eine Kursänderung in der US-Geldpolitik.

Fed-Gouverneurin Michelle Bowman hat auf einer Konferenz in Island vor den möglichen geldpolitischen Folgen eines anhaltenden Energieschocks gewarnt. „Es scheint noch zu früh zu sein, das Ausmaß und die Beständigkeit der wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Konflikts zu beurteilen", sagte Bowman laut dem Text ihrer Rede. Damit rückt der Nahost-Konflikt zunehmend in den Fokus der US-Notenbank Federal Reserve.
Bowman zeigte sich grundsätzlich „optimistisch", dass Lieferunterbrechungen nach Ende des Krieges aufhören würden. Sie rechnet in diesem Szenario lediglich mit „vorübergehenden" Auswirkungen auf die Inflation und einer „minimalen" Beeinträchtigung der gesamten Wirtschaftsaktivität. Dennoch formulierte sie eine klare Warnung: „Sollten die Störungen bis weit in die zweite Jahreshälfte andauern, könnten wir breitere Auswirkungen auf die Inflation sehen."
Mögliche Kursänderung bei anhaltenden Preisdrücken
Besonders aufhorchen lässt Bowmans Aussage zur Risikobewertung. Falls der Energieschock in einen breiteren Preisdruck übergehen sollte, werde sie „eher in Erwägung ziehen, meinen Ansatz zur Bewertung der Risikobilanz zu ändern". Dies ist ein deutliches Signal, dass die Fed bei einer Eskalation der Inflation bereit wäre, ihre aktuelle geldpolitische Haltung zu überdenken.
Aktuell wird allgemein erwartet, dass die Federal Reserve ihren Leitzins bei der Sitzung am 16. und 17. Juni in der Spanne von 3,50 % bis 3,75 % belassen wird. Aufgrund des massiven Anstiegs der Energiepreise sind Zentralbankvertreter jedoch von Prognosen über künftige Zinssenkungen abgerückt. Einige Beamte spekulieren bereits offen über die Aussicht auf Zinserhöhungen.
Die US-Inflation liegt seit Jahren deutlich über dem Ziel der Fed von 2 %. Viele Entscheidungsträger sehen in diesem anhaltenden Überschreiten ein Problem: Es erschwere es, den jüngsten Inflationsschock als vorübergehendes Ereignis abzutun. Die Finanzmärkte erwarten, dass der nächste Schritt der Zentralbank eine Zinserhöhung sein wird – auch wenn sie diesen Wechsel nicht als unmittelbar bevorstehend einschätzen.
Bowman plädiert noch für Beibehaltung der bisherigen Linie
Trotz ihrer Warnungen betonte Bowman, die in den vergangenen Monaten eine Lockerung der Geldpolitik befürwortet hatte, dass sie die Beibehaltung der Formulierungen in der geldpolitischen Erklärung der Fed vom 29. April unterstütze. Diese Formulierungen deuten darauf hin, dass der nächste Schritt eine Zinssenkung wäre.
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Zur AktienanalyseBowman argumentierte, es sei „angemessen, über vorübergehend erhöhte Inflationswerte hinwegzusehen, die weitgehend auf höhere Energiepreise zurückzuführen sind" – vorausgesetzt, die Fed bleibe glaubwürdig in ihrer Verpflichtung zum Inflationsziel und einmalige Zolleffekte ließen nach. Eine vorschnelle Reaktion auf Energiepreisinflation würde laut Bowman „eine ungerechtfertigte geldpolitische Zurückhaltung bedeuten, was die Wirtschaftsaktivität und die Bedingungen am Arbeitsmarkt unnötig belasten würde".
Insgesamt zeichnet Bowmans Rede das Bild einer Notenbank, die sich in einem schwierigen Abwägungsprozess befindet: zwischen dem Risiko einer verfestigten Inflation einerseits und einer unnötigen Belastung der Konjunktur andererseits. Die Entwicklung der Energiepreise im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt dürfte in den kommenden Wochen ein zentraler Faktor für die Kommunikation der Fed bleiben. Die Wirtschaft habe sich angesichts eines für Schocks anfälligen Arbeitsmarktes bislang als „widerstandsfähig" erwiesen, so Bowman abschließend.


