Fed-Gouverneur Waller warnt vor baldiger Straffung der Geldpolitik
Kerninflation stieg von 3,0 auf 3,4 Prozent – Fed-Gouverneur Waller sieht möglichen Handlungsbedarf bei weiterer Verschlechterung.

Christopher Waller, Gouverneur der US-Notenbank Federal Reserve, hat am Montag vor der New York Association for Business Economics eine deutliche Warnung ausgesprochen: Die Zentralbank könnte gezwungen sein, die Geldpolitik in naher Zukunft zu straffen, falls die Kerninflation weiter ansteigt. Damit rückt eine mögliche Zinserhöhung wieder in den Fokus der Märkte.
Die Kerninflation, gemessen an der 12-Monats-Rate der persönlichen Konsumausgaben (PCE), ist von 3,0 Prozent im Dezember 2025 auf 3,4 Prozent im Mai gestiegen. Der Anstieg begann im Januar und beschleunigte sich, nachdem ein Konflikt im Nahen Osten die Erdölproduktion und den Transport unterbrochen hatte. Die Kerninflation schließt die direkten Auswirkungen der Energiepreise auf Verbraucher aus und gilt als besonders aussagekräftiger Indikator für den zugrundeliegenden Preisdruck.
„Sollte sich dieser Aufwärtstrend fortsetzen, wird es schwierig sein, die Inflation mit der derzeitigen geldpolitischen Ausrichtung wieder in Richtung des 2-Prozent-Ziels des Ausschusses zu drücken", sagte Waller in seiner Rede. Der Gouverneur betonte zudem, dass die Wirtschaft den Punkt überschritten habe, an dem große Preissteigerungen noch auf frühere Zollerhöhungen zurückgeführt werden könnten.
Drei Faktoren treiben den Inflationsdruck
Waller identifizierte drei wesentliche Treiber des aktuellen Inflationsdrucks: Zölle, gestiegene Energiepreise sowie Spillover-Effekte der Nachfrage im Zusammenhang mit dem Ausbau der Künstlichen Intelligenz. Besonders der letzte Punkt ist bemerkenswert: Die KI-bezogene Nachfrage habe laut Waller zu Preissteigerungen bei Halbleitern, Computerchips, Servern und Peripheriegeräten geführt – ein vergleichsweise neuer Inflationstreiber, der in der geldpolitischen Debatte zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Trotz dieser Belastungen zeigte sich Waller mit Blick auf die Gesamtwirtschaft verhalten optimistisch. Die Konsumausgaben seien trotz höherer Warenkosten durch Zölle und gestiegener Energiepreise solide geblieben. Auch der Arbeitsmarkt habe sich stabil gezeigt, wobei die Beschäftigung nahe am Ziel der maximalen Beschäftigung des Offenmarktausschusses (FOMC) liege. Der Stellenaufbau belief sich in den letzten drei Monaten auf durchschnittlich 111.000 Positionen pro Monat.
Unterschiede zur Inflationswelle 2021–2022
Waller wies auf zwei wesentliche Unterschiede zwischen den aktuellen Bedingungen und der Inflationsperiode von 2021 bis 2022 hin. Erstens sei der Arbeitsmarkt heute deutlich weniger angespannt: Das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen liege bei fast eins zu eins, verglichen mit zwei zu eins zu Beginn der Zinserhöhungen der Fed im Jahr 2022. Zweitens schienen die Inflationserwartungen gut verankert zu sein – marktbasierte Kennzahlen zeigen Erwartungen einer Inflation von 2,1 Prozent über zwei Jahre.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDiese Unterschiede sind für die Einschätzung der Lage bedeutsam. Ein weniger angespannter Arbeitsmarkt und stabile Inflationserwartungen verringern das Risiko einer sich selbst verstärkenden Lohn-Preis-Spirale, wie sie in der Hochinflationsphase nach der Corona-Pandemie befürchtet wurde.
Waller erklärte, er werde die Daten zum Verbraucherpreisindex (CPI) für Juni, die am darauffolgenden Dienstag veröffentlicht werden sollten, sowie die Erzeugerpreise am darauffolgenden Mittwoch genau prüfen. Er machte deutlich, dass er mehrere Monate mit niedrigeren Kerninflationswerten sehen müsse, bevor er zuversichtlich sein könne, dass sich die Inflation in die richtige Richtung bewege. Für Anleger und Märkte bedeutet dies: Die Fed bleibt in erhöhter Alarmbereitschaft – und eine geldpolitische Wende hin zu höheren Zinsen ist nicht vom Tisch.


