Fed-Gouverneur Barr warnt vor Risiken durch Banken-Deregulierung
Michael Barr kritisiert scharf die Lockerung der Bankenaufsicht und sieht die langfristige Stabilität des US-Finanzsystems in Gefahr.

Michael Barr, Gouverneur der US-Notenbank Federal Reserve, hat in einer Rede an der American University scharfe Kritik an den jüngsten Bestrebungen zur Lockerung der Bankenregulierung geübt. In vorbereiteten Bemerkungen warnte er eindringlich davor, dass die im vergangenen Jahr vorgenommenen systemischen Änderungen die langfristige Sicherheit und Solidität des US-Bankensektors ernsthaft gefährden könnten. Seine Äußerungen verdeutlichen eine wachsende ideologische Kluft innerhalb der Zentralbank über den angemessenen Umfang der Finanzaufsicht.
Seit Michelle Bowman, die stellvertretende Vorsitzende für Bankenaufsicht, vor einem Jahr das regulatorische Ruder übernahm, hat die Fed mehrere Vorschläge vorangebracht, die darauf abzielen, die regulatorische Belastung für große Kreditinstitute zu verringern. Auf dem aktuellen Kurs sollen die vorgeschlagenen Rücknahmen die Gesamtkapitalanforderungen für die größten Institute des Landes um 6 Prozent senken. Barr machte die Tragweite dieser Zahl deutlich: Das bedeute „60 Milliarden Dollar weniger an Kapital, um vor Bankenpleiten und Instabilität zu schützen, die sich durch das Finanzsystem ausbreiten könnten."
Systemrelevante Banken im Fokus
Die Warnung trifft einen besonders sensiblen Nerv, wenn man bedenkt, dass die acht größten global systemrelevanten Banken – sogenannte GSIBs – rund 60 Prozent aller inländischen Bankvermögenswerte in den USA kontrollieren. Ein Stabilitätsproblem bei diesen Instituten hätte damit unmittelbare Auswirkungen auf das gesamte Finanzsystem. Barr verglich die laufende Welle der Finanzderegulierung mit einem kurzfristigen „Zuckerrausch", der die Gesellschaft letztlich unverhältnismäßigen langfristigen wirtschaftlichen Schäden aussetze.
Über die Kapitalpuffer hinaus hat die Zentralbank auch ihre internen Bewertungssysteme für die 36 größten Finanzinstitute des Landes angepasst. Barr kritisierte diese Änderungen als eine Form von „Noteninflation", die es schlecht geführten Instituten erlaube, grundlegende Schwachstellen im Risikomanagement zu verschleiern. Diese Kritik wiegt schwer, denn eine verlässliche Bewertung der Institutsqualität ist eine Grundvoraussetzung für eine wirksame Bankenaufsicht.
Aufsichtsmaßnahmen bereits deutlich zurückgegangen
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Zur AktienanalyseDie Folgen der neuen Ausrichtung sind bereits messbar. Die Ausgabe kritischer Warnungen ist bis Ende 2025 auf etwa die Hälfte des Niveaus von 2024 gesunken. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Großunternehmen, die unter den neu aufgeweichten Kennzahlen offiziell als gut geführt eingestuft werden, verdoppelt – ein Befund, den Barr als trügerisches Signal wertet.
Der regulatorische Rückbau erfolgt inmitten eines breiteren Booms, der durch robuste Unternehmensgewinne und hohe Vermögensbewertungen an der Wall Street gekennzeichnet ist. Barr kam zu dem Schluss, dass die Schwächung von Schutzmaßnahmen, um traditionellen Kreditgebern den Wettbewerb mit Private-Credit-Riesen zu erleichtern, eine gefährliche Fehlkalkulation sei. Diese Entwicklung mache das Finanzsystem letztlich weniger widerstandsfähig gegen künftige Schocks – eine Warnung, die angesichts der Erinnerungen an die Finanzkrise von 2008 für Anleger und Sparer weltweit von Bedeutung ist.


