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Fed-Dot-Plot: Warsh vor schwieriger Gratwanderung bei Zinsentscheidung

Die Mehrheit der Fed-Entscheidungsträger will die Zinsen 2026 stabil halten – doch einige Mitglieder denken bereits an Erhöhungen.

Fed-Dot-Plot: Warsh vor schwieriger Gratwanderung bei Zinsentscheidung

Die US-Notenbank Federal Reserve steht vor einer ihrer komplexesten Kommunikationsaufgaben seit Jahren. Eine Mehrheit der Fed-Entscheidungsträger ist laut Reuters-Informationen der Ansicht, die kurzfristigen Kreditkosten das gesamte Jahr über unverändert zu lassen. Die am Mittwoch erwarteten Prognosen sollen dies bestätigen – doch eine kleine Gruppe von Mitgliedern zieht sogar Zinserhöhungen in Betracht.

Der sogenannte „Dot Plot" der Fed, der vierteljährlich die Zinspfad-Erwartungen der 19 Entscheidungsträger abbildet, dürfte eine deutlich restriktivere Tendenz zeigen als noch vor drei Monaten. Im März glaubte die Mehrheit der Währungshüter noch, die Zinsen bis Jahresende senken zu können. Nur ein einziger Entscheidungsträger hatte damals eine Zinserhöhung eingetragen – und das erst für 2027. Diese Einschätzung hat sich grundlegend gewandelt.

Hintergrund der Verschiebung sind stärker als erwartet gestiegene Beschäftigungszahlen sowie eine anziehende Inflation seit Beginn des Iran-Krieges. Die Diskussion am Entscheidungstisch hat sich damit von der Frage möglicher Zinssenkungen hin zur Möglichkeit von Erhöhungen verlagert. Am Mittwoch wird die Fed den Leitzins voraussichtlich in der Spanne von 3,50 % bis 3,75 % belassen.

Warsh: Das große Fragezeichen im Dot Plot

Die größte Unbekannte bleibt Fed-Chef Kevin Warsh, der erst seit drei Wochen im Amt ist. Präsident Donald Trump hatte Warsh als Nachfolger von Jerome Powell mit der expliziten Erwartung ernannt, dass er die Zinsen senken würde. Warsh hat zwar Argumente für Zinssenkungen angeführt – darunter den seiner Ansicht nach disinflationären Effekt von Künstlicher Intelligenz – betonte aber auch, keine Versprechen abgegeben zu haben.

Die zentrale Frage lautet nun: Wird Warsh überhaupt einen eigenen Punkt im Dot Plot eintragen? Richard Moody, Chefökonom der Regions Bank, hält es für möglich, dass Warsh schlicht nicht teilnimmt, „um zu signalisieren, wie wenig er von dieser Übung hält". Die Ökonomen von TD Securities erwarten ebenfalls, dass Warsh seinen Dot weglassen könnte – als „bewusstere Art und Weise, jede restriktive Botschaft zu minimieren, die aus dem Dot Plot im Juni hervorgehen könnte".

Andere Analysten sehen das anders. Michael Feroli, Chefökonom für die USA bei JPMorgan, erwartet, dass Warsh seine Prognosen einreichen wird: „Dies nicht zu tun, würde wie ein hämischer Widerspruch gegen sein eigenes Gremium wirken." Zudem könnte die Abgabe eines Punktes ein Risiko für Warsh bergen: Es könnte offenbaren, dass er bei weitem nicht so taubenhaft eingestellt ist, wie Trump es sich wünscht.

Prognosen für Inflation und Arbeitsmarkt

Neben dem Zinspfad veröffentlicht die Fed auch aktualisierte Wirtschaftsprognosen. JPMorgan-Ökonom Feroli erwartet, dass die Fed-Vertreter ihre Prognose für die Arbeitslosenquote zum Jahresende von 4,4 % auf 4,3 % senken werden – was der tatsächlichen Arbeitslosenquote der vergangenen drei Monate entspricht. Bei der Kern-PCE-Inflation rechnet er mit einer Jahresendeprognose von 2,9 %, während andere Ökonomen sogar einen Wert über 3,0 % erwarten. Beide Szenarien lägen deutlich über den 2,7 %, die die Fed noch im März prognostiziert hatte.

Das Meinungsspektrum unter Ökonomen ist breit. Die Experten von PGIM halten drei Zinserhöhungen in diesem Jahr für notwendig, um die Inflation zu kontrollieren. Die Citibank hingegen erwartet drei Zinssenkungen, da die Ölpreise infolge von Fortschritten bei der Beendigung des Iran-Krieges gesunken sind und der Arbeitsmarkt ihrer Einschätzung nach schwächer wird.

Aktienmarkt im Blick

Krishna Guha von Evercore ISI bringt die Zwickmühle für Warsh auf den Punkt: „Der neue Fed-Vorsitzende Warsh und seine Kollegen werden eine Gratwanderung vollziehen müssen. Zu restriktiv, und die Wetten auf Zinserhöhungen werden sich kaskadenartig ausbreiten und den Aktienmarkt nach unten ziehen. Zu taubenhaft, und die längerfristigen Renditen und Break-even-Raten werden steigen, was sich ebenfalls auf Aktien auswirkt."

Für deutsche Anleger ist die Fed-Entscheidung von erheblicher Bedeutung, da US-Zinsentwicklungen direkte Auswirkungen auf globale Kapitalflüsse, den Dollarkurs und damit auch auf europäische Exportwerte und Anleihemärkte haben. Die Pressekonferenz von Warsh nach der Sitzung dürfte daher mit besonderer Spannung erwartet werden – zumal er laut Analysten versuchen wird, Distanz zu seinem Vorgänger Powell aufzubauen, der weiterhin als Gouverneur im Amt ist.

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