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Fed-Chef Warsh will Forward Guidance abschaffen – Märkte drohen zu schwanken

Kevin Warsh plant, künftige Zinsschritte der Fed nicht mehr vorab anzukündigen – das könnte erhebliche Marktvolatilität auslösen.

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Fed-Chef Warsh will Forward Guidance abschaffen – Märkte drohen zu schwanken

Kevin Warsh, der neue Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, plant einen grundlegenden Kurswechsel in der Kommunikationspolitik der Zentralbank. Er will künftig auf die sogenannte Forward Guidance verzichten – also auf die Praxis, den Märkten vorab Hinweise auf kommende geldpolitische Entscheidungen zu geben. Diese Ankündigung sorgt im Vorfeld der heute zur Veröffentlichung anstehenden Protokolle der Juni-Sitzung für Aufmerksamkeit.

James Bullard, ehemaliger Präsident der St. Louis Fed, warnte bereits vor den möglichen Folgen dieses Schritts. Er erklärte, dass ein Abschied von der Forward Guidance zu erheblicher Volatilität an den Finanzmärkten führen könnte. Bullards Einschätzung hat Gewicht: Als langjähriger Insider der US-Notenbank kennt er die Mechanismen der Zentralbankkommunikation aus erster Hand.

Was ist Forward Guidance?

Forward Guidance bezeichnet die Praxis von Zentralbanken, den Märkten und der Öffentlichkeit Signale über die zukünftige Ausrichtung der Geldpolitik zu geben. Konkret bedeutet dies: Die Fed gibt Hinweise darauf, ob sie die Zinsen eher anheben, senken oder stabil halten will – und unter welchen Bedingungen. Dieses Instrument wurde insbesondere nach der Finanzkrise 2008 zu einem zentralen Werkzeug der Notenbankkommunikation weltweit.

Warsh begründet seinen geplanten Schritt mit einer kritischen Beobachtung: Die Finanzmärkte hätten eine zu starke Abhängigkeit von diesen Ausblicken entwickelt. Anstatt eigene Schlussfolgerungen auf Grundlage von Wirtschaftsdaten zu ziehen, orientierten sich Händler und Investoren zu sehr an den Prognosen der Notenbank. Warsh sieht darin eine Verzerrung, die er offenbar korrigieren möchte.

Konkret hat der neue Fed-Chef angekündigt, keine Prognosen mehr in der sogenannten Summary of Economic Projections (SEP) abgeben zu wollen. Die SEP – auch bekannt als „Dot Plot" – ist eine vierteljährlich veröffentlichte Übersicht, in der die Mitglieder des Offenmarktausschusses ihre individuellen Zinserwartungen für die kommenden Jahre eintragen. Dieses Instrument gilt als eines der meistbeachteten Kommunikationsmittel der Fed und wird von Marktteilnehmern weltweit genau analysiert.

Folgen für Händler und Investoren

Für Händler und Investoren hätte ein Wegfall dieser Prognosen weitreichende Konsequenzen. Bislang konnten Marktteilnehmer ihre Portfolios und Handelsstrategien an den veröffentlichten Zinserwartungen der Fed ausrichten. Ohne diese Orientierungshilfe müssten sie stärker auf eigene Analysen von Wirtschaftsdaten setzen – was zu größeren Kursschwankungen führen kann, wenn Entscheidungen der Notenbank die Erwartungen überraschen.

Die Protokolle der Juni-Sitzung, die heute veröffentlicht werden, dürften in diesem Kontext besonders aufmerksam gelesen werden. Marktteilnehmer werden die Dokumente nach Hinweisen durchsuchen, wie weit die Diskussion über einen Kurswechsel in der Kommunikationsstrategie bereits innerhalb der Fed fortgeschritten ist.

Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung ebenfalls relevant. Die Geldpolitik der Fed beeinflusst über Wechselkurse, Kapitalströme und globale Zinsniveaus auch die europäischen Märkte und damit indirekt Anlageentscheidungen hierzulande. Eine unberechenbarere Fed könnte auch an europäischen Börsen für mehr Unsicherheit sorgen.

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