Fed-Chef Warsh vor Kongress: Diese Fragen stehen im Raum
Kevin Warsh absolviert am Dienstag seine erste Anhörung vor dem US-Kongress als neuer Chef der Federal Reserve.

Fed-Chef Kevin Warsh tritt am Dienstag erstmals seit seinem Amtsantritt als Vorsitzender der US-Notenbank vor den Kongress. Die Anhörung auf dem Capitol Hill gilt als wichtiger Gradmesser für seine geldpolitische Ausrichtung. Trotz früherer öffentlicher Äußerungen und seiner Bestätigungsanhörung im Senat bleiben zentrale Fragen zu seiner Einschätzung der Wirtschaftslage offen.
Im Mittelpunkt stehen die beiden vom Kongress mandatierten Aufgabenbereiche der Fed: Preisstabilität und maximale Beschäftigung. Zu beiden Themen haben Abgeordnete konkrete Fragen, die Warsh bislang nur unvollständig beantwortet hat. Die Anhörung dürfte daher Aufschluss über seine geldpolitische Philosophie geben.
Beschäftigung und Erwerbsbevölkerung
Warsh hat sich bisher kaum zu Arbeitsplätzen und der künftigen Entwicklung der Erwerbsbevölkerung geäußert. Angesichts demografischer Trends und rückläufiger Zuwanderung könnte die Erwerbsbevölkerung langfristig schrumpfen. Offen bleibt, ob eine Wirtschaft mit niedriger Arbeitslosigkeit, aber geringem monatlichem Beschäftigungswachstum das Fed-Mandat der maximalen Beschäftigung erfüllt.
Diese Frage ist für die Geldpolitik von erheblicher Bedeutung. Denn je nachdem, wie Warsh das Beschäftigungsmandat interpretiert, könnte dies die Entscheidungen über Zinssenkungen oder -erhöhungen maßgeblich beeinflussen. Abgeordnete dürften hier eine klare Positionierung einfordern.
Inflationsziel und Symmetrie
Beim Thema Inflation hat Warsh erklärt, dass der Fokus bei Inflationsdaten auf der Stelle „links vom Komma" liegen sollte. Dies signalisiert ein gewisses Unbehagen gegenüber übermäßiger Präzision bei unvollkommen gemessenen Größen – und möglicherweise eine Toleranz für eine Inflation, die leicht über dem 2-Prozent-Ziel der Fed liegt.
Ungeklärt bleibt jedoch, wie Warsh mit einer Inflation umgeht, die unter 2 Prozent fällt. Die Fed verfolgt traditionell eine „symmetrische" Sichtweise ihres Ziels: Zu niedrige Inflation gilt als ebenso problematisch wie zu hohe. Ob Warsh diese Symmetrie teilt oder sein Inflationsverständnis flexibler ist, bleibt eine der zentralen offenen Fragen.
Rückkehr der Geldmenge als Steuerungsgröße
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Wiederaufnahme der Geldmenge als geldpolitische Größe. Im jüngsten Geldpolitischen Bericht der Fed – dem ersten seit Warshs Amtsantritt – wurde die Geldmenge erstmals seit einem Jahrzehnt wieder erwähnt. Jahrelang hatte die Fed diesem Indikator kaum Bedeutung beigemessen.
Abgeordnete dürften fragen, welche Rolle die Geldmenge künftig bei der Inflationssteuerung spielen soll. Zudem stellt sich die Frage, ob ein stärkerer Fokus auf die Geldmenge bedeuten würde, sich gegen die aktuelle Defizitfinanzierung der Regierung zu positionieren – ein Thema, das die Fed traditionell als Angelegenheit gewählter Amtsträger betrachtet und entsprechend meidet.
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Zur AktienanalyseInflationserwartungen als oberste Priorität?
Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Inflationserwartungen. Fed-Entscheidungsträger messen der öffentlichen Wahrnehmung künftiger Inflation große Bedeutung bei. Der geldpolitische Rahmen der Fed hält fest, dass die Zentralbank „bereit ist, energisch zu handeln, um sicherzustellen, dass die längerfristigen Inflationserwartungen gut verankert bleiben".
Warsh hat bislang nicht mit der gleichen Dringlichkeit über Erwartungen gesprochen wie seine Kollegen. Ob er die Verankerung von Inflationserwartungen als oberste Priorität der Fed betrachtet, ist daher eine der drängendsten Fragen, die Abgeordnete am Dienstag stellen dürften. Seine Antworten könnten die Märkte und die Einschätzung seiner künftigen Geldpolitik maßgeblich prägen.

