Fed-Chef Warsh tritt vor Kongress – mit Distanz zu Trump
Kevin Warsh, neuer Vorsitzender der US-Notenbank, betont Inflationsbekämpfung und zeigt erste Zeichen geldpolitischer Unabhängigkeit.

Kevin Warsh, der neue Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, tritt diese Woche vor den US-Kongress. In seiner vorbereiteten Aussage vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen des Repräsentantenhauses bekräftigte Warsh, dass sein Hauptaugenmerk darauf liege, die Inflation wieder auf das 2-Prozent-Ziel der Fed zu senken. Die Anhörung begann am Dienstag um 10:00 Uhr EDT (14:00 Uhr GMT).
Am Mittwoch wird Warsh zudem vor dem Bankenausschuss des Senats erscheinen – jenem Gremium, das Ende April seine Bestätigung als Fed-Chef in einer Abstimmung entlang der Parteilinien empfohlen hatte. Demokraten hatten dabei besondere Besorgnis über sein Verhältnis zu Präsident Donald Trump geäußert und die Frage aufgeworfen, ob er wirklich unabhängig agieren könne.
Der Hintergrund ist brisant: Trump hatte im Auswahlverfahren erklärt, er werde nur jemanden nominieren, bei dem er sich sicher sei, dass dieser die Zinsen senken werde. Bei der Vereidigungszeremonie im Mai zeigte sich Trump überschwänglich – er ballte die Faust und applaudierte gemeinsam mit Regierungsvertretern im Weißen Haus. „Hol sie dir", sagte Trump, als Warsh das Podium betrat.
Erste Signale der Unabhängigkeit
Warshs erste Schritte als Fed-Chef werden von Beobachtern so interpretiert, dass er Distanz zu Trump wahrt. Seine Ernennungen für eine Reihe von Task Forces in der vergangenen Woche fielen durch hohes Maß an Fachkompetenz auf – ideologische oder parteipolitische Akteure, wie sie in anderen Behörden eingesetzt wurden, fehlten. Berufen wurde eine Gruppe namhafter Ökonomen, Unternehmensleiter und Zentralbanker.
Jon Faust, ehemaliger Top-Berater von Ex-Fed-Chef Jerome Powell und jetziger Wirtschaftsprofessor an der Johns Hopkins University, kommentierte: „Wenn die Leute besorgt waren, er würde eine ‚Sockenpuppe' sein, hätten diese Ängste nach der ersten Pressekonferenz verflogen sein müssen." Die Besetzung der Task Forces „festigt diese Ansicht wirklich", so Faust weiter.
Warsh hat bislang keine Anzeichen gegeben, dass eine Zinssenkung bald erfolgen wird. Diese geldpolitische Haltung unterscheidet sich nicht wesentlich von jener, die Powell stetige Kritik von Trump eingebracht hatte. Samuel Tombs, Chefökonom für die USA bei Pantheon Macroeconomics, sagte dazu: „Ich stimme zu, dass er die Unterstützung des Präsidenten gewonnen hat, indem er ihm taubenhafte Signale gab." Tombs fügte hinzu: „Das Gegenargument ist, dass Warsh nun, da er im Amt ist, den Luxus hat, eine langfristige, unparteiische Sichtweise einzunehmen."
Vorsichtigere Haltung zu Künstlicher Intelligenz
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Zur AktienanalyseBemerkenswert ist auch Warshs veränderte Tonlage gegenüber dem Thema Künstliche Intelligenz. Vor seiner Nominierung hatte er noch erklärt, KI könne die Inflation senken und zu niedrigeren Zinsen führen. Nun spricht er vorsichtiger. Im geldpolitischen Bericht, der dem Kongress letzte Woche vorgelegt wurde, wurde angemerkt, dass KI-Investitionen einige Preise in die Höhe treiben könnten – etwa durch einen Sprung bei den Softwarekosten.
Warsh hat zudem eingeräumt, dass der Zeitpunkt von angebotsseitigen und Produktivitätsgewinnen durch KI ungewiss ist, während die Auswirkungen auf die Nachfrage nach Kapital, qualifizierten Baukräften und Infrastruktur bereits jetzt eintreten. Diese nuanciertere Sichtweise signalisiert, dass der neue Fed-Chef wirtschaftliche Realitäten stärker gewichtet als politische Erwartungen.
„Powell hat erfolgreich gezeigt, wie unabhängig ein Fed-Vorsitzender sein kann und wie weit politische Einmischung nur gehen kann. Ich bin sicher, Warsh hat ein Auge darauf, wer Trumps Nachfolger sein könnte", sagte Tombs – da sowohl Warshs Vermächtnis als auch eine mögliche Wiederernennung auf dem Spiel stehen. Für deutsche Anleger und Beobachter der US-Geldpolitik bleibt die zentrale Frage, ob Warsh die Unabhängigkeit der Fed langfristig wahren kann – und welche Konsequenzen das für Zinsentscheidungen und globale Kapitalmärkte haben wird.


