ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Fed-Chef Warsh trifft Zentralbankkollegen beim EZB-Forum in Sintra

Kevin Warsh debattiert in Portugal mit Lagarde, Bailey und Macklem – trotz gemeinsamer Inflationsziele bestehen deutliche Unterschiede.

Fed-Chef Warsh trifft Zentralbankkollegen beim EZB-Forum in Sintra

Fed-Chef Kevin Warsh tritt am Mittwoch beim jährlichen Wirtschaftsforum der Europäischen Zentralbank in Sintra, Portugal, erstmals international in Erscheinung. Ab 9:00 Uhr EDT (13:00 Uhr GMT) nimmt er an einer Fragerunde teil, bei der er gemeinsam mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde, Bank-of-England-Gouverneur Andrew Bailey und Bank-of-Canada-Gouverneur Tiff Macklem auf dem Podium sitzt. Es ist Warshs erster öffentlicher Auftritt seit der Pressekonferenz vom 17. Juni, die auf seine erste Zinssitzung als Fed-Vorsitzender folgte.

Warsh hatte sein Amt als Nachfolger von Jerome Powell Ende Mai angetreten. Trump hatte ihn für die Position ausgewählt; Powell ist weiterhin Mitglied des Gouverneursrats der Fed. Der Auftritt in Sintra gibt Warsh nun die Gelegenheit, seinen geldpolitischen Kurs einem internationalen Publikum zu präsentieren – und sich dabei mit Kollegen auseinanderzusetzen, die in zentralen Fragen andere Positionen einnehmen.

Falkenhafte Haltung überrascht Analysten

Bei seiner ersten Zinssitzung beließ die Fed die Zinsen unverändert, doch Warsh schlug einen deutlich restriktiven Ton an. Er versprach, das Inflationsziel der Zentralbank von 2 Prozent zu erreichen. Seine Äußerungen veranlassten Anleger dazu, die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bereits im September höher einzuschätzen. „Wir waren von Warshs falkenhafter Haltung überrascht", schrieben die Analysten von Yardeni Research im Vorfeld des Sintra-Auftritts.

Damit nimmt die US-Notenbank einen Mittelkurs ein: Die EZB hat kürzlich bereits eine Zinserhöhung beschlossen, während die Zentralbanker in England und Kanada angesichts lokaler Wirtschaftsschwäche zögern, die Geldpolitik weiter zu straffen. Inflation bleibt das verbindende Thema aller vier Notenbanken – ebenso wie die Herausforderung, kurzfristige Faktoren wie Ölpreise und langfristige Entwicklungen wie den Aufstieg der künstlichen Intelligenz einzuschätzen.

Warsh setzt auf weniger „Forward Guidance"

Ein zentrales Unterscheidungsmerkmal von Warshs Amtsführung ist sein Rückzug aus der sogenannten Forward Guidance – also der Praxis, den Märkten Hinweise auf künftige Zinsentscheidungen zu geben. Die erste unter Warsh veröffentlichte zinspolitische Erklärung enthielt keinerlei Hinweise auf die künftige Zinsentwicklung. In seiner Pressekonferenz erklärte er, dieser Ansatz solle die Märkte von Zinsinformationen „entwöhnen", die die Zentralbank seiner Meinung nach weniger flexibel und die Anleger weniger eigenständig im Denken machen.

Analysten merkten an, dass Warsh in seiner Pressekonferenz sogar davor zurückschreckte, viel über die wirtschaftliche Entwicklung oder mögliche Reaktionen der Fed zu sagen – ein Thema, über das seine Kollegen bei der Fed offenbar weiterhin sprechen wollen. Beth Hammack, Präsidentin der Cleveland Fed, sagte am Dienstag in einem CNBC-Interview am Rande der Sintra-Konferenz: „Ich halte es für wichtig, dass wir transparent kommunizieren, wie wir Entscheidungen treffen, auch wenn wir für mögliche Ergebnisse offen bleiben." Sie fügte hinzu: „Wenn die Inflation weiterhin anhält und ich keine dämpfende Wirkung durch die Geldpolitik sehe, müssen wir die Zinsen möglicherweise anheben."

Unabhängigkeit der Fed und Klimawandel als Konfliktthemen

Neben der Geldpolitik dürfte auch die Unabhängigkeit der Fed ein Thema sein. Lagarde, Bailey und Macklem gehörten zu den Unterzeichnern eines beispiellosen Briefes Anfang des Jahres, der den damaligen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell in seinem Konflikt mit der Trump-Administration unterstützte. Diese Woche entschied der Oberste Gerichtshof der USA, dass Fed-Gouverneurin Lisa Cook ihr Amt behalten könne, obwohl Trump im vergangenen Jahr ihre Entlassung bekannt gegeben hatte. Warsh hat sich bisher zurückhaltend geäußert und direkte Stellungnahmen zu Themen wie der versuchten Entlassung von Cook oder dem rechtlichen Druck auf Powell vermieden.

Ein weiterer Unterschied betrifft den Klimawandel. Warshs internationale Kollegen sehen die Berücksichtigung klimabezogener Risiken als notwendigen Teil ihrer Arbeit an. Die Bank of England schreibt auf ihrer Website: „Wenn diese Auswirkungen unkontrolliert bleiben, können sie eine Bedrohung für die Stabilität des gesamten Finanzsystems sowie für die Sicherheit und Solidität der von uns regulierten Unternehmen darstellen." Warsh hingegen gilt als Kritiker eines sogenannten „Mission Creep" der Fed – einer Ausweitung des Aufgabengebiets über das eigentliche Mandat hinaus. Powell hatte nach Trumps Wiederwahl die Beteiligung der Fed an internationalen Klimaschutzinitiativen bereits zurückgefahren.

Kevin WarshFedEzb-Forum SintraZinspolitikInflationForward GuidanceZentralbank

Disclaimer