Fed-Chef Warsh setzt auf Zurückhaltung – Märkte reagieren trotzdem stark
Kevin Warsh will weniger reden, damit Märkte freier auf Daten reagieren. Doch seine ersten Worte als Fed-Chef haben bereits Wirkung gezeigt.

Der neue Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, Kevin Warsh, hat bei seiner ersten Sitzung als Fed-Chef einen klaren Kurswechsel in der Kommunikationsstrategie eingeleitet. Er verkürzte die geldpolitische Erklärung der Notenbank, verzichtete auf eine Zinsprognose und verwies bestimmte Fragen zu Wirtschafts- und Politikthemen an neu eingerichtete Task Forces. Sein Ziel: Die Märkte sollen unabhängiger auf Wirtschaftsdaten reagieren können, ohne sich ständig zu fragen, wie die Fed auf diese Daten reagieren wird.
Trotz der demonstrativen Zurückhaltung sendete Warsh eine unmissverständliche Botschaft. Er kommunizierte eine härtere Linie in Bezug auf die Inflation als zuvor von vielen Marktteilnehmern erwartet worden war. Die Folge: Die Anleiherenditen stiegen, während die Aktienkurse nachgaben – ein klassisches Marktmuster, das auf eine restriktivere Geldpolitik hindeutet.
Warsh: Weniger Worte, aber mit großer Wirkung
Alex Obaza, Portfoliomanager für festverzinsliche Wertpapiere beim Vermögensverwalter T. Rowe Price, bringt die Situation auf den Punkt. „Wenn er in einer Pressekonferenz auftritt und die Preisstabilität deutlich häufiger erwähnt als das Wirtschaftswachstum und zudem erklärt, dass er die Geldpolitik außer im Immobiliensektor nirgendwo als restriktiv ansieht, hat er wahrscheinlich eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie der Markt reagieren wird", sagte Obaza. Auch wenn Warsh weniger spricht als einige seiner Vorgänger, könnten seine Worte dennoch eine ebenso große Wirkung entfalten.
Warsh vertritt seit mehr als einem Jahrzehnt die Ansicht, dass die Fed weniger kommunizieren sollte. Die Märkte seien „wahrscheinlich die wichtigste Informationsquelle zur Orientierung für Zentralbanker", funktionierten aber am besten, wenn sie auf eingehende Wirtschaftsdaten reagierten – und nicht auf Signale der Notenbank. Diese Philosophie steht in deutlichem Kontrast zur Kommunikationsstrategie vieler seiner Vorgänger, die auf möglichst viel Transparenz und sogenannte „Forward Guidance" setzten.
Breites Marktumfeld bleibt herausfordernd
Die Neubewertung des Fed-Chefs ist jedoch nur eine von mehreren Herausforderungen, mit denen Anleger derzeit konfrontiert sind. Der Nasdaq Composite verlor in der vergangenen Woche 4,6 Prozent, belastet durch Schwäche bei Technologiewerten – obwohl die wichtigsten Indizes insgesamt weiterhin auf oder nahe Rekordniveau notieren. Zusätzlich bestehen offene Fragen zur Nachhaltigkeit des jüngsten Ölpreisrückgangs, da der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus nach wie vor unter dem Vorkriegsniveau liegt.
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Zur AktienanalyseFür deutsche Privatanleger ist der Kommunikationsansatz der Fed keineswegs eine Nebensächlichkeit. Die Erwartungen darüber, wo die US-Notenbank künftig die kurzfristigen Zinsen ansetzen wird, haben einen erheblichen Einfluss auf die Renditen von US-Staatsanleihen. Diese wiederum bestimmen maßgeblich die Hypothekenzinsen und viele andere Kreditkosten – und wirken sich damit auch auf globale Kapitalmärkte und den Wechselkurs des US-Dollars aus.
Die Botschaft aus Washington ist damit klar: Weniger Worte bedeuten unter Warsh nicht weniger Bedeutung. Anleger weltweit werden jede Aussage des neuen Fed-Chefs künftig noch genauer unter die Lupe nehmen.


