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Fed-Chef Warsh setzt auf Task Forces für großen Kurswechsel

Kevin Warsh läutet bei der US-Notenbank eine neue Ära ein – mit Task Forces, bewusster Zurückhaltung und klarem Fokus auf Preisstabilität.

Fed-Chef Warsh setzt auf Task Forces für großen Kurswechsel

Fed-Chef Kevin Warsh hat bei seiner ersten Pressekonferenz als Vorsitzender der US-Notenbank einen klaren Fahrplan für einen tiefgreifenden Wandel der Federal Reserve vorgelegt. Die rund 43 Minuten am Podium nutzten er, um eine Botschaft zu senden: Die Fed soll ruhiger, bescheidener und mit messerscharfem Fokus auf die Inflationsbekämpfung agieren. Warsh versteht seine Bestätigung als Fed-Vorsitzender als Mandat für weitreichende Reformen bei der mächtigsten Notenbank der Welt.

Die unmittelbare geldpolitische Entscheidung fiel dabei erwartungsgemäß aus: Die 12 Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) stimmten einstimmig dafür, die Leitzinsen stabil bei 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen – genau so, wie es Händler seit Wochen erwartet hatten. Doch hinter den Kulissen hat Warsh bereits begonnen, die Arbeitsweise der Fed grundlegend zu verändern. So änderte er etwa den Prozess, wie die Fed zu ihrer geldpolitischen Erklärung gelangt: Frühere Vorsitzende legten dem Ausschuss mehrere Entwürfe zur Auswahl vor – Warsh nicht.

Task Forces als Herzstück des Wandels

Den größten Raum in Warshs Ausführungen nahm die Ankündigung einer Reihe von Task Forces ein. Diese sollen sich mit zentralen Themen befassen: Kommunikation, Bilanz, Daten, Produktivität und Arbeitsplätze sowie der Inflationsstrategie der Fed. Die Gruppen werden interne Fed-Mitarbeiter mit externen Experten zusammenbringen, die Warsh derzeit persönlich auswählt. Obwohl Task Forces zunächst nach klassischen, ergebnislosen Regierungskommissionen klingen mögen, sind sie laut Beobachtern zentral für Warshs Theorie des institutionellen Wandels.

Der Hintergrund ist machtpolitischer Natur: Als Fed-Vorsitzender ist Warsh auf die Zustimmung des Gouverneursrats und des FOMC angewiesen. Die Task Forces sind sein Instrument, um die anderen Fed-Mitglieder dazu zu bewegen, seine Denkweise aus eigenem Antrieb zu übernehmen – unterstützt durch die von ihm ausgewählten externen Experten. Politisches Kapital wird so gezielt für die größeren geplanten Veränderungen gebündelt.

Ein weiterer auffälliger Schritt: Warsh reichte demonstrativ keine eigene Wirtschaftsprognose für die sogenannte „Summary of Economic Projections" ein – jene Übersicht, die auch das vielbeachtete „Dot Plot" enthält, das die Zinserwartungen der Fed-Mitglieder visualisiert. Seinen Kollegen gestattete er die Teilnahme jedoch, da „dies die Verpflichtung ist, die das FOMC eingegangen ist". Damit wertet Warsh die Prognosen der übrigen Mitglieder faktisch ab: Jede Diskussion über künftige Zinspfade muss nun mit dem Vorbehalt geführt werden, dass der einflussreichste Beamte der Fed seine eigene Einschätzung nicht offengelegt hat.

Märkte reagieren mit Skepsis

Die Finanzmärkte quittierten Warshs Auftritt mit einer deutlichen Bewegung: Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen stieg nach der Fed-Erklärung um 16 Basispunkte. Das signalisiert, dass Anleger davon ausgehen, Warsh werde die Zinsen letztlich anheben müssen. Eine Bewegung dieser Größenordnung an einem einzigen Tag gilt als erheblich und zeigt, dass die Marktteilnehmer die neue Richtung der Fed noch einordnen müssen.

Warsh selbst kommentierte die negative Marktreaktion bewusst nicht. Er betonte, dass er die „ungefilterte" Reaktion der Märkte schätze. „Was wir den Märkten gegeben haben, ist ein neues Kapitel für die Zentralbank", sagte Warsh. Die Entscheidung über Änderungen in der Kommunikation – einschließlich möglicher Anpassungen bei der Veröffentlichung von Sitzungsprotokollen und der Pressekonferenz selbst – soll auf das Jahresende verschoben werden, wenn die Kommunikations-Task-Force ihren Bericht vorlegt.

Risiken: Dezentrale Macht und möglicher Widerstand

Warshs Reformkurs ist nicht ohne Risiken. Die Fed ist bewusst dezentral strukturiert: Gouverneure haben eine Amtszeit von 14 Jahren und sind schwer abzuberufen. Regionale Notenbankpräsidenten haben das Recht, ihre eigene Meinung öffentlich zu vertreten. Sollten Fed-Mitglieder zu der Überzeugung gelangen, dass Warsh etwa die Chancen der Künstlichen Intelligenz zu stark betont und Risiken steigender Energiepreise unterbewertet, können sie ihn schlicht überstimmen. Warsh kann abweichende Meinungen steuern, aber nicht vollständig unterdrücken.

Dennoch gibt Warsh die Richtung vor – zumindest vorerst. „Dieser Ausschuss wird Preisstabilität liefern", versprach der Fed-Chef. Gelingt ihm das, dürften alle weiteren von ihm angestrebten Reformen deutlich leichter umzusetzen sein. Für deutsche Anleger und Exporteure ist die Entwicklung bei der Fed von besonderer Bedeutung: Die US-Geldpolitik beeinflusst maßgeblich den Wechselkurs des Euro zum Dollar sowie die globalen Kapitalströme.

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