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Fed-Chef Warsh: Inflationsrisiken sinken, KI schafft neue Arbeitsplätze

Fed-Vorsitzender Kevin Warsh sieht nachlassende Inflationsrisiken, betont aber die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Preisstabilität.

Fed-Chef Warsh: Inflationsrisiken sinken, KI schafft neue Arbeitsplätze

Fed-Vorsitzender Kevin Warsh hat auf einem hochrangigen Zentralbankertreffen im portugiesischen Sintra erklärt, dass die Inflationsrisiken in den vergangenen Wochen zurückgegangen seien. Als Hauptgrund nannte er die gesunkenen Energiepreise infolge einer Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des anhaltenden Krieges. „Die Inflationsrisiken sind gesunken", sagte Warsh, fügte jedoch hinzu: „Sie liegen immer noch etwas über dem Niveau vor dem Konflikt, aber sie sind gesunken."

Trotz dieser positiven Entwicklung machte Warsh deutlich, dass die US-Notenbank noch mehr tun müsse, um die steigenden Preise einzudämmen. Die Inflation bleibt ein zentrales Thema für die amerikanische Bevölkerung: Im Mai stieg der Verbraucherpreisindex auf 4,2 Prozent – den höchsten Stand seit 2023. Auch das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß zeigte ein starkes Preiswachstum, das maßgeblich durch den Anstieg der Energiepreise angetrieben wurde. Laut Umfragen und Verbraucherstudien wächst die Unzufriedenheit der Amerikaner mit der wirtschaftlichen Lage spürbar.

Fed hält Zinsen vorerst stabil

Warsh lehnte es auf dem Treffen in Sintra ab, konkrete Hinweise auf künftige Zinsentscheidungen zu geben. „Ich werde Ihnen keine Vorhersage darüber machen, was wir tun werden", sagte er. Die Federal Reserve ließ die Zinsen in ihren jüngsten Sitzungen unverändert, um die Übertragung der Inflation von der Energie auf andere Wirtschaftsbereiche zu beobachten. Damit unterscheidet sie sich von der Europäischen Zentralbank, die zu den wenigen großen Zentralbanken gehört, die die Zinsen seit Beginn des Konflikts mit dem Iran angehoben haben.

Warsh betonte zudem die Unabhängigkeit der Fed gegenüber politischem Druck. Auf die Frage, ob die Notenbank ihre Entscheidungen unabhängig von den Wünschen von Präsident Donald Trump treffen werde, antwortete er klar: „Wir sind seit sehr langer Zeit eine unabhängige Zentralbank. Wir werden auch in diesem Moment eine unabhängige Zentralbank sein, und Sie werden daran keine Änderungen sehen." Trump hatte die Fed wiederholt zu Zinssenkungen gedrängt und dabei häufig Warshs Vorgänger Jerome Powell angegriffen – obwohl Powell, wie Warsh selbst, von Trump für das Amt nominiert worden war.

KI als wirtschaftlicher Paradigmenwechsel

Ein weiteres zentrales Thema in Sintra war die wachsende Bedeutung der künstlichen Intelligenz für Wirtschaft und Inflation. Warsh zeigte sich langfristig optimistisch und bezeichnete den KI-Boom als „einen großen Paradigmenwechsel". „Wer hätte bei der Geburtsstunde des Internets gedacht, dass das Internet anderthalb Millionen Arbeitsplätze als Uber-Fahrer schaffen würde? Wir befinden uns im ersten oder zweiten Inning dieser Revolution", sagte er.

Der Fed-Chef prognostizierte, dass die USA „mittelfristig wahrscheinlich ein großer Gewinner" der KI-Revolution sein werden. „Ich denke, die Zahl der Arbeitsplätze wird steigen, der Wohlstand wird größer sein", so Warsh. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Frage, ob KI langfristig inflationär wirken könnte, „eine der zentralen Fragen ist, mit denen wir uns alle in unserer täglichen Arbeit beschäftigen".

Der KI-Boom hat bereits konkrete Auswirkungen auf die Preise: Große Cloud-Computing-Unternehmen wie Microsoft, Meta, Alphabet und Amazon bauen weltweit Rechenzentren, was die Preise für Computerhardware und insbesondere Speicher stark in die Höhe getrieben hat. Hersteller von Unterhaltungselektronik wie PlayStation und Xbox haben infolgedessen bereits die Preise erhöht. Besonders auffällig war eine Preiserhöhung von Apple, das die Preise für viele seiner Laptop- und Desktop-Computer, iPads, das Apple-TV-Gerät sowie den HomePod-Lautsprecher anhob. Für iPhone, Apple Watch und AirPods blieben die Preise bislang stabil, doch viele Analysten prognostizieren, dass diese als Nächstes folgen könnten.

Zentralbanker weltweit einig über Inflationsrisiken

In Sintra traf Warsh auf hochrangige Kollegen: EZB-Präsidentin Christine Lagarde, Bank-of-England-Gouverneur Andrew Bailey sowie Tiff Macklem, Gouverneur der Bank of Canada. Lagarde stimmte Warshs Einschätzung zur Inflation weitgehend zu. Sie erklärte, dass die Aufwärtsrisiken für die Inflation und die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum aufgrund der Entwicklung der Energiepreise nun „wahrscheinlich ausgewogener" seien als noch „vor einigen Wochen".

Warsh bekräftigte abschließend das Mandat der Fed zur Preisstabilität und verwies auf stabile Arbeitsmärkte sowie eine solide Nachfrageseite der Wirtschaft. „Aber wir haben uns alle umgesehen und festgestellt, dass die Preise zu hoch sind", sagte er. Eine Studie des Finanzdienstleisters Ramp lieferte unterdessen einen interessanten Befund: Unternehmen, die mehr für KI ausgeben, vergrößern auch ihre Belegschaft – ein Hinweis darauf, dass der technologische Wandel nicht zwangsläufig Arbeitsplätze vernichtet.

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