Fed-Chef Warsh: Bilanzabbau kommt – aber ohne Überraschungen
Fed-Vorsitzender Kevin Warsh bekräftigt seinen Kurs zur Bilanzverkleinerung, verspricht aber transparente Kommunikation und Marktvorbereitung.

Fed-Vorsitzender Kevin Warsh hat auf einer Veranstaltung der Europäischen Zentralbank im portugiesischen Sintra klargestellt, dass er zwar eine Verkleinerung der aufgeblähten Fed-Bilanz anstrebt, jede wesentliche politische Änderung jedoch sorgfältig vorbereitet und kommuniziert werde. „Entscheidungen werden öffentlich sorgfältig abgewogen, gut verstanden und erst dann umgesetzt, wenn die Finanzmärkte deren Tragweite begriffen haben", sagte Warsh. Damit signalisiert der Notenbankchef, dass Anleger und Märkte keine abrupten Überraschungen zu befürchten haben.
Warsh betonte zudem, dass die Zinspolitik das zentrale Steuerungsinstrument der Federal Reserve bleiben solle. „Ich bin in dieser Frage offen – wir werden nichts vorwegnehmen, aber ich möchte, dass die Zinspolitik das Hauptinstrument der Zentralbank bleibt", so der Notenbanker. Gleichzeitig räumte er ein, dass der Weg zur Bilanzverkleinerung Zeit brauche: „Wir haben etwa 18 Jahre gebraucht, um zu dieser großen Bilanz zu gelangen."
Die Fed-Bilanz: Ein historisch einmaliges Ausmaß
Die Bilanz der Federal Reserve beläuft sich derzeit auf 6,7 Billionen US-Dollar. Das ist zwar weniger als der im Jahr 2022 erreichte Höchststand von 9 Billionen US-Dollar, liegt aber noch immer deutlich über den 4,2 Billionen US-Dollar, die unmittelbar vor Beginn der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 verzeichnet wurden. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise vor rund zwei Jahrzehnten umfasste die Fed-Bilanz weniger als eine Billion US-Dollar.
Die massive Ausweitung der Bilanz ist das Ergebnis mehrerer Kaufprogramme, in denen die Fed große Mengen an Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren erwarb. Ziel war es, die Finanzmärkte in Stressphasen zu stabilisieren und die Wirkung der konventionellen Zinspolitik zu verstärken. Diese Maßnahmen haben jedoch ein komplexes Instrumentarium zur Steuerung der Marktliquidität hervorgebracht, während Finanzinstitute gleichzeitig über massive Reserven verfügen.
Warsh kehrte im Mai zur Fed zurück, nachdem er die Zentralbank über einen längeren Zeitraum für den expansiven Umfang ihrer Bilanz kritisiert hatte. Seine grundsätzliche Haltung hat sich durch den Amtsantritt nicht geändert: „Meine vier Wochen bei der Fed haben mich nicht von der Vorstellung abgebracht", dass die Bestände der Fed kleiner sein sollten, sagte er. Die Bilanz bezeichnete er als etwas, das seiner „zugegebenermaßen voreingenommenen Meinung nach an Fiskalpolitik grenzt" – eine deutliche Kritik an der bisherigen Ausrichtung der Notenbank.
Komplexe Rahmenbedingungen bremsen den Bilanzabbau
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Zur AktienanalyseÖkonomen und einige Fed-Vertreter glauben, dass die Notenbank ihre Bestände weiter reduzieren kann, indem sie den Banken erlaubt, weniger Notfallliquidität vorzuhalten. Allerdings könnte dies das Risiko für die Finanzstabilität erhöhen. Zudem begrenzen die Art und Weise, wie die Fed derzeit die Zinssätze steuert, sowie die Bedingungen am Geldmarkt den Spielraum für eine Bilanzverkürzung, ohne die Märkte zu destabilisieren.
Die meisten Experten gehen davon aus, dass eine Umstellung auf geringere Fed-Bestände angesichts der Komplexität der Thematik einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Für deutsche Anleger und Investoren mit Blick auf den US-Markt bedeutet dies: Eine abrupte Kehrtwende in der Fed-Bilanzpolitik ist vorerst nicht zu erwarten. Die Märkte dürften ausreichend Zeit erhalten, sich auf etwaige Veränderungen einzustellen.


