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Fed-Bilanzabbau: Regeländerungen versprechen nur moderate Wirkung

Regulatorische Reformen könnten die Reservenachfrage der Banken um bis zu 700 Milliarden Dollar senken – doch eine schlanke Bilanz bleibt unrealistisch.

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Fed-Bilanzabbau: Regeländerungen versprechen nur moderate Wirkung

Die US-Notenbank Federal Reserve steht vor einer zentralen geldpolitischen Debatte: Wie weit lässt sich die aktuell 6,7 Billionen Dollar schwere Bilanz tatsächlich abbauen? Innerhalb und außerhalb der Fed besteht zwar Einigkeit darüber, dass Regeländerungen zur Lockerung der Liquiditätsreserven der Banken den Bilanzabbau erleichtern könnten – doch über das tatsächliche Ausmaß gehen die Meinungen weit auseinander.

Im Mittelpunkt der Diskussion steht der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh, der das Amt von Jerome Powell übernommen hat. Warsh ist seit Langem ein entschiedener Kritiker der aufgeblähten Notenbankbilanz. Er ist überzeugt, dass die massiven Anleihebestände die Märkte verzerren und die Wirksamkeit des Leitzinses als geldpolitisches Hauptinstrument beeinträchtigen.

Historischer Hintergrund: Von unter einer Billion auf 9 Billionen Dollar

Die Wurzeln der heutigen Bilanzgröße liegen in der Finanzkrise 2007–2009. Damals kaufte die Fed aggressiv Staats- und Hypothekenanleihen, um die Märkte zu stabilisieren. Warsh war in dieser Zeit selbst Mitglied des Gouverneursrats – sein Rücktritt im Jahr 2011 wurde weithin mit seiner bekannten Abneigung gegen das Programm der quantitativen Lockerung (Quantitative Easing) in Verbindung gebracht, obwohl er dem Programm formal nicht widersprach.

Während der COVID-19-Pandemie weitete die Fed ihre Bestände erneut massiv aus. Die Bilanz stieg von weniger als einer Billion Dollar im Jahr 2007 auf einen Höchststand von 9 Billionen Dollar im Sommer 2022. Ab 2022 begann die Fed im Zuge einer allgemeinen geldpolitischen Straffung mit dem Abbau und reduzierte die Bestände bis Ende 2025 auf 6,5 Billionen Dollar, bevor sie diese im Rahmen eines technischen Manövers zur Liquiditätssicherung wieder leicht ausweitete.

Analysten sehen Potenzial – aber mit Grenzen

Ökonomen von BNP Paribas schätzen, dass eine Reihe von Regeländerungen die Reservenachfrage der Banken – die derzeit bei 3,1 Billionen Dollar liegt – um rund 700 Milliarden Dollar senken könnte. Dies entspräche einem Rückgang von mehr als einem Fünftel gegenüber dem aktuellen Trendniveau. Konkret schlagen die Analysten folgende Maßnahmen vor:

  • Anrechnung der Kreditkapazität am Diskontfenster der Fed auf Liquiditätsanforderungen
  • Einführung von zentralem Clearing für Repo-Geschäfte der Fed
  • Hochstufung von Agency- und Hypothekenanleihen auf die höchste Qualitätsstufe

Einige Beobachter sehen zudem in einer aktiveren Nutzung der Repo-Geschäfte der Fed – bei denen Bargeld auf Abruf verliehen wird – eine Möglichkeit, Banken dazu zu bringen, geringere Notfallreserven vorzuhalten.

Fed-Gouverneur Waller dämpft Erwartungen

Trotz dieser Optionen zeigt sich Fed-Gouverneur Christopher Waller skeptisch. „Es gibt keine Möglichkeit, zu der kleinen Bilanz zurückzukehren, die wir hatten", sagte Waller vergangene Woche mit Blick auf die Zeit vor der Finanzkrise. Er räumte zwar ein, dass die Fed Wege zur Änderung der Reserveregeln prüft, bezifferte das mögliche Einsparpotenzial jedoch auf lediglich 300 bis 500 Milliarden Dollar. „Man spricht von einer Bilanzsumme von über 6 Billionen Dollar. Es ist einfach unwahrscheinlich, dass sie sehr stark sinken wird", so Waller.

Diese Einschätzung bereitet den Boden für eine langwierige institutionelle Debatte. Im derzeitigen System gibt es klare Grenzen dafür, wie weit die Fed dem Finanzsystem Liquidität entziehen kann, ohne die Kontrolle über ihr Zinsziel zu verlieren. In den vergangenen Monaten haben Fed-Vertreter und externe Wissenschaftler verschiedene Optionen zur Erreichung von Warshs Bilanzzielen erarbeitet.

Dabei wächst auch die Sorge, dass eine Lockerung der Liquiditätsvorschriften erhebliche Risiken für die Finanzstabilität mit sich bringen könnte – zumal die Fed ihre Bankenaufsicht derzeit ohnehin allgemein zurückfährt. Die Debatte über den richtigen Umfang der Fed-Bilanz dürfte damit eines der bestimmenden geldpolitischen Themen der kommenden Jahre bleiben.

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