FCAS-Schlichtung gescheitert: Gemeinsamer Kampfjet vor dem Aus
Die Vermittler im Streit um das 100-Milliarden-Euro-Projekt legen laut Handelsblatt separate Berichte vor – ein schlechtes Zeichen.

Die Schlichtungsbemühungen im Streit um das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS sind offenbar gescheitert. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen berichtet, werden die beiden Vermittler – je einer aus Frankreich und Deutschland – separate Berichte über ihre Bemühungen vorlegen. Das gilt als deutliches Zeichen dafür, dass keine gemeinsame Lösung gefunden werden konnte.
Besonders gravierend: Der deutsche Vermittler soll laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person zu dem Schluss kommen, dass der Bau eines gemeinsamen bemannten Kampfflugzeugs nicht mehr machbar sei. Dieses Flugzeug war einst die zentrale Säule des gesamten Projekts. Bundeskanzler Friedrich Merz soll noch am Sonntag über den aktuellen Stand des Streits informiert werden.
Drohnen und Software als mögliche Restkooperation
Bereits zuvor hatten mit dem Projekt vertraute Quellen gegenüber Reuters berichtet, dass Deutschland und Frankreich die Entwicklung des gemeinsamen bemannten Jets wahrscheinlich aufgeben werden. Die Zusammenarbeit bei der zugehörigen Software, den Datensystemen sowie bei Drohnen könnte jedoch fortgesetzt werden. Eine vollständige Auflösung des Projekts scheint damit zwar nicht zwingend, doch der Kernbestandteil des FCAS wäre damit hinfällig.
Merz wird den französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Donnerstag und Freitag der kommenden Woche beim informellen EU-Gipfel in Zypern treffen. Das Treffen dürfte auch das FCAS-Thema auf die Agenda setzen, auch wenn es sich um einen informellen Rahmen handelt.
Streit zwischen Dassault und Airbus blockiert Milliardenprojekt
Das FCAS-Projekt – kurz für Future Combat Air System – hat ein Gesamtvolumen von rund 100 Milliarden Euro und gilt als eines der ambitioniertesten Rüstungsvorhaben Europas. Ins Stocken geraten ist es durch einen anhaltenden Führungsstreit zwischen der französischen Dassault Aviation und dem europäischen Luftfahrtkonzern Airbus, der Deutschland und Spanien in dem Projekt vertritt.
Der Chef von Dassault Aviation hatte am 1. April erklärt, er gebe seinem Unternehmen zwei bis drei Wochen Zeit, um zu prüfen, ob eine Einigung über das Luftkampfsystem erzielt werden könne. Ende letzten Monats hatte Kanzler Merz betont, er tue alles in seiner Macht Stehende, um das Programm zu retten, und die Ernennung zweier Vermittler bekannt gegeben.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseGeopolitischer Kontext verschärft den Druck
Das drohende Scheitern oder eine deutliche Reduzierung des FCAS-Projekts fällt in eine sicherheitspolitisch heikle Phase. Europa versucht angesichts der anhaltenden Bedrohungen durch Russland und der schwindenden Unterstützung aus den USA, Einheit und Zusammenarbeit zu stärken. Ein Rückschlag bei einem der größten gemeinsamen Rüstungsprojekte des Kontinents wäre daher nicht nur industriell, sondern auch politisch ein schweres Signal.
Ein Airbus-Sprecher in Frankreich lehnte eine Stellungnahme ab. Die Bundesregierung, das französische Präsidialamt und Dassault reagierten zunächst nicht auf Anfragen von Reuters.


