FCA plant konsolidiertes Datenband zur Stärkung des Londoner Aktienmarkts
Britische Finanzaufsicht FCA verstärkt Bemühungen gegen den Niedergang des Londoner Aktienmarkts mit einem einheitlichen Datensystem.

Die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA (Financial Conduct Authority) verstärkt ihre Bemühungen, den Niedergang des Londoner Aktienmarkts umzukehren. Am Freitag legte die Behörde Pläne zur Schaffung eines einheitlichen Datenstroms für den Aktienhandel vor und begann mit der Veröffentlichung von Zahlen, die die Tiefe des Londoner Marktes verdeutlichen sollen. Ziel ist es, mehr Investoren und Börsengänge ins Vereinigte Königreich zu locken.
Die FCA plant, Anfang nächsten Jahres ein Ausschreibungsverfahren einzuleiten, um einen Fünfjahresvertrag für die Erstellung eines sogenannten konsolidierten Datenbandes (Consolidated Tape) für britische Aktien zu vergeben. Dieses soll alle Aktienhandelsdaten zentralisieren – einschließlich der besten Geld- und Briefkurse vor dem Handel sowie Nachhandelsdaten der London Stock Exchange (LSE) und anderer Handelsplätze wie Dark Pools. Das Datenband soll innerhalb der nächsten 18 Monate eingeführt werden.
Simon Walls, Marktdirektor bei der FCA, erklärte gegenüber der Financial Times, dass die jüngsten Schritte „eindeutig auf der positiven Seite der Waagschale" für die britischen Märkte liegen würden. Die „treibende Kraft dahinter" sei „die verstärkte Nutzung von Daten und die Gewinnung neuer Nutzer für den Markt".
Londoner Markt wird massiv unterschätzt
Ein zentrales Problem, das die FCA adressieren will, ist die erhebliche Untererfassung der tatsächlichen Marktliquidität in London. Die am häufigsten verwendeten Daten zur britischen Aktienliquidität basieren auf dem zentralen Orderbuch der LSE – schließen jedoch viele Geschäfte aus, darunter periodische Aufträge, Transaktionen an Dark Pools sowie direkt mit Banken abgewickelte Geschäfte.
Walls zufolge ist die tatsächliche Liquiditätstiefe der Londoner Märkte dreimal größer als die von Bloomberg veröffentlichte XLON-Hauptzahl. „Selbst in großen Unternehmen findet aufgrund der Datenkosten eine Rationierung von Daten statt, und wir sehen, dass dies zu mehreren suboptimalen Ergebnissen führt", sagte er. Firmen, die Daten kaufen, schränken deren Nutzung unter den Mitarbeitern ein, um Kosten zu sparen – was dazu führt, dass Investoren die Attraktivität des Londoner Marktes systematisch unterschätzen.
Als Sofortmaßnahme veröffentlicht die FCA ab Freitag auf ihrer Website eine eigene Datenübersicht unter dem Namen „Market Activity Reporter for Shares". Diese gibt den Gesamtwert des Handels mit allen in Großbritannien börsennotierten Aktien an und soll der wahrgenommenen Liquiditätsschwäche entgegenwirken.
Dramatischer Rückgang: Übernahmen dominieren den Markt
Der Handlungsdruck auf die FCA ist erheblich. Ein Mangel an bedeutenden Börsengängen in London in den letzten Jahren, gepaart mit einer Reihe von Übernahmen und Abwanderungen britischer Unternehmen in die USA, hat die Sorgen um die schrumpfenden britischen Aktienmärkte verschärft. Besonders alarmierend: Der Wert der Übernahmeangebote für an der LSE notierte Unternehmen war im ersten Halbjahr dieses Jahres 27-mal höher als der Marktwert der Neuzugänge.
Das Vereinigte Königreich hinkt in diesem Bereich anderen großen Finanzmärkten deutlich hinterher. Die EU hat bereits EuroCTP beauftragt, im September ein konsolidiertes Datenband für Aktien einzuführen. In den USA profitieren Investoren bereits seit den 1970er-Jahren von vergleichbaren Systemen. London muss also erheblichen Rückstand aufholen.
Lobbyismus und Interessenkonflikte bremsen Reform
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Zur AktienanalyseDie FCA war im Zuge der geplanten Änderungen massivem Lobbying ausgesetzt. Die LSE warnte, dass die Maßnahmen mehr Aktienhandel von der Hauptbörse weg zu undurchsichtigeren Handelsplätzen treiben könnten. Investmentbanken wiederum wehrten sich gegen eine stärkere Offenlegung ihrer außerbörslichen Geschäfte.
Dennoch will die FCA eine Konsultation darüber einleiten, einen Teil der Einnahmen aus dem konsolidierten Datenband mit den Datenanbietern zu teilen – obwohl sie im vergangenen Jahr noch erklärt hatte, dass dies die Wirtschaftlichkeit des Systems gefährden könnte. Die Behörde sieht zudem keine Notwendigkeit für ein hartes Eingreifen, um mehr Handel auf transparente, sogenannte „Lit"-Handelsplätze zu drängen, will aber die Marktqualität aktiv überwachen.
Offen ist noch die Frage, ob Daten von sogenannten systematischen Internalisierern – von Investmentbanken betriebene Plattformen zur Ausführung außerbörslicher Geschäfte – in das Datenband aufgenommen werden. Die LSE befürwortet dies und warnt, dass Banken andernfalls einen unfairen Vorteil als „Trittbrettfahrer" hätten. Walls argumentierte: „Das Argument für ihre Einbeziehung ist, dass es ein weiterer wertvoller Datenpunkt dafür ist, wo Liquidität verfügbar ist und zu welchen Preisen Liquidität im Allgemeinen zur Verfügung steht."


